Wartungsdesaster

Wie die S-Bahn das Chaos jetzt beenden will

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Markus Falkner und Thomas Fülling

Das Eisenbahn-Bundesamt hat die Sicherheitsauflagen für die S-Bahn noch einmal verschärft. Bei der modernsten Baureihe 481 müssen nun bis zu 8000 Räder gwechselt werden. Dazu bekommt die S-Bahn Verstärkung Hilfe aus Cottbus. Doch die Montage neuer Räder desselben Typs schafft nur einen Aufschub.

Von Anfang Dezember an, so das ehrgeizige Ziel, soll der seit mehr als zwei Wochen chaotische S-Bahn-Verkehr wieder planmäßig laufen. Dazu sei ein „Reset“, also eine Auf-Null-Schaltung des gesamten Wartungssystems, sagte der für Personenverkehr zuständige Bahnvorstand Ulrich Homburg am Donnerstag. Alles auf Anfang, heißt es nun für die 1000 Wagen der modernsten Baureihe 481. Sprich: Die vielen Prüf- und Wartungsintervalle sollen so synchronisiert werden, dass für alle Züge neben der wöchentlichen Prüfung der Räder ein verlässlicher Zwei-Wochen-Rhythmus für die sonstigen Wartungsarbeiten gilt.

Vom 10. August an, so Homburg, werde die S-Bahn damit wöchentlich 25 zusätzliche Viertelzüge – so heißen die Einheiten aus zwei Wagen – zur Verfügung haben. Unterstützung bekommt die S-Bahn dabei nicht nur von inzwischen 150 zusätzlichen Mitarbeitern, sondern auch von der Bahn-Werkstatt in Cottbus. Weil statt der bisher geplanten 4000 Räder nun deutlich mehr – im Extremfall bis zu 8000 – gewechselt werden müssen, leisten die Techniker in der Lausitz einen Teil der Vormontage.

Eine langfristige Lösung sei diese „Materialschlacht“ allerdings auch nicht, räumt Homburg ein. Weil die Räder sich als nicht „dauerfest“ erwiesen haben (am 1.Mai entgleiste in Kaulsdorf ein Zug, nachdem ein Rad gebrochen war), schafft die Montage neuer Räder desselben Typs nur einen Aufschub. Und verbesserte Räder sind derzeit nicht in Sicht. Die Industrie sei mit der Entwicklung beauftragt, sagte Homburg. Wann die neuen Bauteile serienreif und vom EBA genehmigt sind, steht aber in den Sternen.

Für die Fahrgäste heißt es ab nächster Woche in jedem Fall: Umsteigen oder noch enger zusammenrücken. Denn zunächst – so liegt es in der Natur des „Resets“ – müssen fast alle Züge der Baureihe 481 in die Werkstatt. Von Montag an setzt die S-Bahn hauptsächlich auf die älteren Fahrzeuge der Baureihen 480 und 485, die von den Sicherheitsproblemen nicht betroffen sind. 132 Viertelzüge dieser Baureihen hat die S-Bahn noch im Bestand. 165 Viertelzüge benötigt das Unternehmen, um den am Donnerstag verkündeten, erneut abgespeckten Notfahrplan zu stabilisieren. An normalen Tagen sind mehr als 550 Fahrzeuge im Berliner S-Bahn-Netz unterwegs.

Um den Ärger der Fahrgäste zu besänftigen und die zuletzt gescholtene Information auf den Bahnhöfen zu verbessern, sollen 120 Servicekräfte zusätzlich auf die Stationen geschickt werden – allerdings erst im August. „Die Menschen wachsen nicht auf Bäumen“, begründet Homburg die Verzögerung. Für Jens Wieseke, Vize-Vorsitzender des Fahrgastverbandes Igeb, ist das nicht mehr als ein schlechter Scherz: „Der beste Ersatzverkehr hilft nichts, wenn die Fahrgäste ihn nicht finden“, sagt er.