20 Jahre nach dem Mauerfall

Lenins Kopf wird wieder ausgegraben und ausgestellt

20 Jahre nach der Wende bahnt sich ein großes Comeback an: Der gigantische, dreieinhalb Tonnen schwere Kopf des 1991 gestürzten Berliner Lenin-Denkmals soll aus seiner letzten Ruhestätte in einem Sandhügel in Köpenick exhumiert und für eine Ausstellung ans andere Ende der Stadt gebracht werden.

Foto: picture alliance / akg images

"Wir haben den festen Wunsch, das auszustellen“, sagte die zuständige Ausstellungsmacherin Andrea Theissen, die auch Kunstamts- und Museumsleiterin auf der Zitadelle Spandau ist. „Und wir haben auch Signale des Eigentümers, dass wir hoffen dürfen.“ Eigentümer ist das Land Berlin. Allerdings befinde man sich noch im Stadium der Ideenfindung, sagte die Historikerin.

Der Sturz der 19 Meter hohen Lenin-Plastik des russischen Künstlers Nikolai Tomski am ehemaligen Leninplatz – heute Platz der Vereinten Nationen – in Friedrichshain galt als „der prominestete Fall von Nachwende-Ikonoklasmus“, wie der Kunsthistoriker Paul Sigel einmal schrieb. Der Senat hatte den Giganten aus rotem Granit, der auch im Film „Good bye, Lenin!“ auftaucht, von der Denkmalliste gestrichen. Danach stimmte die Bezirksverordneten von Friedrichshain dem Abriss zu, den eine Bürgerinitiative verzweifelt abzuwenden versuchte.

Zerlegt in 129 Teile

Im November 1991 begannen Bauarbeiter, die Statue des Anführers der Oktoberrevolution von 1917 in 129 Teile zu zerlegen. Diese wurden in der Seddiner Heide in Köpenick vergraben. Immerhin verpflichtete sich der Senat auf Drängen von Tomskis Erben, die Relikte des umstrittenen Denkmals vor Wind und Wetter zu schützen. Allerdings versuchten Unbekannte mehrfach, den Lenin-Kopf auszubuddeln. Nach Angaben des Landesforstamts büßte Lenin dabei unter anderem ein Ohr ein. Der Senat musste die Denkmalreste neu zuschütten.

Auch Pläne zur offiziellen Exhumierung gab es bereits mehrfach. 2003 bot die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg an, das Monument im Salzstock Gorleben endzulagern. 2005 sinnierte der damalige PDS-Kultursenator Thomas Flierl über eine „museale Bearbeitung“ des DDR-Denkmals, was sofort lautstarke Proteste von CDU und FDP hervorrief. „Linke Geschichtsideologie gehört genau dahin, wo sich das Lenin-Denkmal jetzt befindet – tief in der Erde vergraben“, hieß es damals von der Union.

Jetzt soll der Lenin-Kopf im Rahmen einer Ausstellung namens „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ auf der Spandauer Zitatelle im Westteil der Stadt gezeigt werden. Theissen sagte allerdings, mit der Grabung werde frühestens nächstes Jahr begonnen. Die Ausstellung auf der Zitadelle Spandau soll im Herbst 2012 oder im Frühjahr 2013 eröffnet werden und auch zahlreiche weitere Skulpturen umfassen. Eine Kostenschätzung fehlt noch. Politische Widerstände erwartet Theissen aber nicht.

Umstrittener Umgang mit der Vergangenheit

Über den Umgang mit den einst tausendfach in der DDR verbreiteten Denkmälern der Größen des Sozialismus ist seit der Wende immer wieder gestritten worden. Nur der Erhalt der sowjetischen Ehrenmale war im Rahmen des Abzugs der GUS-Truppen Anfang der 90er Jahre vertraglich geregelt worden. So wurde zum Beispiel die gigantische Anlage zu Ehren der Soldaten der Roten Armee im Treptower Park zwischenzeitlich saniert.

Andere Denkmäler der sozialistischen Vergangenheit waren dagegen Gegenstand erbitterter Grabenkämpfe. Noch im vergangenen Jahr erregte die Leipziger Universität Aufsehen mit dem Plan, die 33 Tonnen schwere Bronzeskulptur „Karl Marx und das revolutionäre weltverändernde Wesen seiner Lehre“ wieder aufzustellen.

In Gundelfingen nördlich von Augsburg sollte in den frühen 90er Jahren ein Skulpturenpark mit ausrangierten DDR-Größen entstehen. Allerdings starb Initiator Josef Kurz, bevor er seine Idee ganz umsetzen konnte. Vergangenes Jahr wurden einige von Kurz'

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.