Zitadelle Spandau

Lenin erobert den Berliner Westen

Das Proviantmagazin und die Kaserne der Zitadelle Spandau werden für eine neue Denkmal-Ausstellung saniert. Ab 2013 werden Berliner Denkmäler mehrerer Epochen zu sehen sein, darunter Mamorstandbilder von der einstigen Siegesallee und der Kopf einer Lenin-Skulptur. Zunächst einmal sind aber Architekten am Zuge.

Foto: fd / Zentralbild

Die Zitadelle Renaissance-Festung soll mit einer neuen Ausstellung zur großen Touristenattraktion werden. Ihr Titel: „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“. Die Schau will ab 2013 Berliner Denkmäler mehrerer Epochen zeigen, die aus dem Stadtbild verschwunden sind. „Das Konzept steht, die Umsetzung beginnt“, sagte Spandaus Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) am Montag bei der Vorstellung des Projekts. Bezirk und Land „haben es gemeinsam gestemmt, 12,4 Millionen Euro zu investieren“, sagte Kulturstaatssekretär André Schmitz. Das Geld für die Sanierung kommt jeweils zur Hälfte aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre) und aus der Berliner Klassenlotterie.

Die Kunstwerke stammen aus Magazinen und Museumsdepots. Der Kopf der großen Lenin-Skulptur aus rotem Granit ist noch in einem Köpenicker Waldgebiet vergraben und wird 2013 ausgebuddelt, eventuell auch weitere Teile der Statur. Für etwa 100 monumentale Kunstwerke werde Platz auf der Zitadelle geschaffen, kündigte die Spandauer Kunstamtsleiterin Andrea Theissen an. Damit die steinernen Gestalten eine würdige Unterkunft bekommen, werden zwei alte Gebäude der Zitadelle aufwendig saniert: das ehemalige Proviantmagazin und eine klassizistische Kaserne. Teile des Magazins stammen aus dem 16. Jahrhundert, darunter die Holzpfähle, auf denen es ruht. Sie seien intakt, sollen aber verstärkt werden, um die schweren Ausstellungsstücke tragen zu können, sagt die Kunstamtsleiterin. Das Haus eignet sich besonders gut, weil die Zwischendecken in den 30er-Jahren entfernt wurden. Die alte Kaserne wird den temporären Teil der neuen Ausstellung aufnehmen. Die Sanierung der beiden Häuser ist mit 9,6 Millionen Euro veranschlagt. Der Wettbewerb für die Arbeiten ist ausgeschrieben. Im Februar prüft die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung die Bewerbungen. Ein Preisgericht wählt den Siegerentwurf aus, der im Mai öffentlich präsentiert wird. Dann sollen die Bauplanungsunterlagen ausgearbeitet werden. Ende 2010 könnten die Arbeiten beginnen, sagt Andrea Theissen.

Eine Reihe schneebedeckter Gestalten wartet schon darauf. Es sind mehr als 20 Marmorstandbilder von der einstigen Siegesallee, die im Frühjahr 2009 vom Lapidarium in Kreuzberg zur Zitadelle transportiert wurden und im Freien stehen. Sie werden die Kaiserzeit 1871 bis 1918 repräsentieren. Die Skulpturen seien winterfest gemacht, Poren und Risse geschlossen worden, sagt die Kunstamtsleiterin. Möglicherweise werde noch ein Dach über den Kunstwerken errichtet. Sie sollen restauriert, aber nicht in den Ausgangszustand zurückversetzt werden. Nur eine Figurengruppe um Friedrich I. wird komplett wiederhergestellt, mit Bänken und Sockeln, um die einstige Pracht zu vermitteln. An dieser Gruppe sollen Schulklassen sogar Picknick machen dürfen.

Neben der Kaiserzeit sind fünf weitere Epochen durch ihre Denkmäler in der Ausstellung vertreten. Aus der Zeit vor der Gründung des deutschen Reiches stammt die Marmorskulptur von Friedrich Wilhelm III. In der Weimarer Republik schuf Mies van der Rohe das Revolutionsdenkmal. In nationalsozialistischer Zeit entstand die Bronzeplastik „Der Zehnkämpfer“ von Arno Breker, deren Stele am Askanierring erhalten geblieben ist. Als Zeugnis aus dem Ostteil Berlins wird neben dem Lenindenkmal die Skulptur „Grenzsoldaten“ zu sehen sein, die in Rahnsdorf stand und 1994 abgebaut wurde. Modellentwürfe für das Freiheits- und Einheitsdenkmal sollen das Berlin der Gegenwart repräsentieren.