Wartungsversäumnisse

Chaos bei der S-Bahn - Alle vier Chefs gefeuert

Die Deutsche Bahn zieht bei ihrer Tochter Berliner S-Bahn Konsequenzen aus dem Wartungsdesaster. Nicht nur S-Bahnchef Tobias Heinemann, sondern alle vier Geschäftsführer der S-Bahn müssen ihren Stuhl räumen. Und es gibt bereits einen Nachfolger für Heinemann.

Foto: Christian Kielmann

Alle vier Geschäftsführer der Berliner S-Bahn verlieren ihre Posten. Der Aufsichtsrat des Unternehmens zog mit dieser Entscheidung am Donnerstag die Konsequenzen aus den Mängeln bei der Wartung der Züge. Die Entscheidung trifft neben dem 38-jährigen Sprecher der Geschäftsführung Tobias Heinemann seinen für Technik zuständigen 40-jährigen Kollegen Peter Büsing, den 49-jährigen Finanzgeschäftsführer Thomas Prechtl und Personalchef Olaf Hagenauer (48).

Zum neuen Chef der S-Bahn wurde Peter Buchner berufen, wie Deutsche-Bahn-Vorstand Ulrich Homburg in Berlin sagte. Er war bisher Bereichsleiter Nordost der Bahntochter DB Regio.Ihm zur Seite stehen Christian Kayser für Finanzen, Maik Dreser für Produktion und Christoph Wachendorf für Personal. Das bisherige Management soll neue Aufgaben bei der Bahn übernehmen.

Nach einem Unfall am 1. Mai aufgrund eines Radbruchs hatte die S-Bahn-Führung umfangreiche Sicherheitsüberprüfungen zugesagt, aber nicht durchgeführt. Daraufhin hatte das Eisenbahn-Bundesamt am Montag mehr als ein Drittel der Züge der Baureihe 481 aus dem Verkehr gezogen. Ausfälle ganzer Linien und Verspätungen waren die Folge.

Heinemann hatte noch am 26. Juni betont, die Überprüfungen würden „gestrafft“ durchgeführt, und Verkehrsbehinderungen seien nicht zu erwarten. Das Vorgehen hatte der Bahn Vorwürfe aus Politik und Gewerkschaften eingebracht, sie vernachlässige aus wirtschaftlichen Gründen die Sicherheit. Genau dies nicht zu tun, hat der neue Bahnchef Rüdiger Grube seit Amtsantritt wiederholt zugesichert.

VBB reicht Austausch der S-Bahn-Führung nicht

Der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg kritisierte den Personalwechsel an der Spitze der Berliner S-Bahn als unzureichend. Ein Austausch der S-Bahn-Führungsspitze allein reiche nicht aus, sagt Geschäftsführer Hans-Werner Franz. Damit die Leistung wieder stimme, müsse die Qualität wieder in den Vordergrund rücken.

Franz forderte bei der S-Bahn die Rückkehr zu einer Philosophie, in der Kunden im Mittelpunkt stehen. Pünktlichkeit, Sicherheit und Sauberkeit müssten wieder die maßgeblichen Kriterien sein. Der VBB- Geschäftsführer sieht hier auch den Mutterkonzern Deutsche Bahn in der Verantwortung. Die S-Bahn habe im vergangenen Jahr überdurchschnittlich hohe Gewinne gemacht und 56 Millionen Euro an die Bahn abgeführt. Nun seien offenbar nicht genug Mittel vorhanden, um die Berliner S-Bahn anständig zu betreiben.

Für die Gewerkschaft Transnet forderte Vorstandsmitglied Reiner Bieck ein Gesamtkonzept für die künftige Ausrichtung der Berliner S-Bahn und umfassende Aufklärung.

Wieder Ausfälle und Taktverlängerungen

Hunderttausenden Fahrgästen bot die Berliner S-Bahn wegen der Sicherheitschecks auch den dritten Tag in Folge nur ein eingeschränktes Verkehrsangebot. Planmäßig fuhren am Donnerstag nach Angaben der S-Bahn Berlin GmbH lediglich die Linien S41/42 auf dem Ring, S46, S7, S8 und S9. Die Linien S45 und S85 fielen aus. Auf den übrigen Strecken gab es wieder nur einen Zwanzig-Minuten-Takt.

Die Internet-Informationen der S-Bahn waren teils irreführend. Auf den Bahnhöfen wurden häufig keine Ausweichmöglichkeiten durchgesagt. Die Fahrgäste mussten sich bei drückender Schwüle in überfüllte Züge quetschen.

In den Werkstätten der S-Bahn wird gegenwärtig mit Hochdruck und verstärktem Personal an den Kontrollen gearbeitet. Wie viele Züge auf den Abstellgleisen noch auf die Überprüfung warten, teilte die Bahntochter am Donnerstag nicht mit. Am Vortag waren es noch mehr als 100 Viertelzüge gewesen.

Die Berliner Grünen forderten die S-Bahn am Donnerstag auf, ihre Fahrgäste zu entschädigen und Inhabern von Zeitkarten 15 Prozent des Preises zu erstatten.

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