Reparaturkosten

Spender für verunglückten Rosinenbomber gesucht

Der vor einer Woche bei einer Notlandung in Schönefeld schwer beschädigte Rosinenbomber soll wieder repariert werden. Doch dafür benötigen die Eigner Unterstützung.

Der Rosinenbomber soll wieder fliegen. Die Firma Air Service Berlin will nach Auskunft ihres Chefs Frank Hellberg alles daransetzen, die Maschine, die vor einer Woche bei einer Bruchlandung stark beschädigt wurde, wieder zu reparieren. Fachkundige Prüfer seien nach einer ersten Einschätzung zu dem Ergebnis gekommen, dass das Flugzeug wieder aufgebaut werden könne, sagte Hellberg.

Inzwischen haben auch Menschen aus aller Welt ihre Unterstützung bei der Reparatur des Verkehrsflugzeugs angeboten, das während der Luftbrücke 1948/49 die Berliner versorgte und danach als Oldtimer ständig im Einsatz war. Am Donnerstag gründeten Fans der alten Maschine gemeinsam mit ehemaligen Piloten der DC-3 den „Förderverein Rosinenbomber Berlin“. Auch sie wollen Air Service Berlin bei der Reparatur des Flugzeugs unterstützen. Frank Hellberg äußerste seine Freunde über diese Hilfsangebote. Allein könne seine kleine Firma, der lediglich 22 Mitarbeiter angehörten, die Reparatur nicht stemmen, sagte er.

Zum Gründungsgremium des Fördervereins für den Wiederaufbau des Rosinenbombers gehören sieben Leute. Sie beriefen den ehemaligen Piloten Heinz-Dieter Kallbach zum Vorsitzenden. Der 69-Jährige war von 2001 bis zum Jahr 2007 einer der Piloten der DC-3. Er hat mehrere Piloten auf der alten Maschine ausgebildet. Die Gründungsveranstaltung des Vereins ist für kommenden Monat geplant. Zur Reparatur des 1944 gebauten Rosinenbombers werden etliche Original-Ersatzteile benötigt.

Ex-Pilot spendet 100 Dollar

Laut Hellberg gibt es Unterstützung sogar aus Australien. Die Fans der DC-3 stünden offenbar über die ganze Welt in Kontakt. Viele hätten den Berlinern neuwertige Ersatzteile angeboten.

Zu den Helfern gehört der ehemalige Pilot Gail Halvorsen. Er spendete100 Dollar für den Wiederaufbau des Rosinenbombers und rief alle Berliner auf, ebenfalls tätig zu werden. Der fast 90-Jährige aus Salt Lake City hatte während der Luftbrücke dabei geholfen, die Menschen im abgeriegelten Westteil Berlins am Leben zu erhalten. Der Rosinenbomber müsse fliegen und die Hauptstädter an die schwere Zeit der sowjetischen Berlin-Blockade erinnern, schrieb Gail jetzt in einem Brief an die Zeitung „BZ“.

Auch der Berliner Musiker Andrej Hermlin sagte seine Unterstützung zu. Er wolle mit seinem Swing-Dance-Orchester ein Spendenkonzert für den Wiederaufbau der Traditionsmaschine geben, kündigte Hermlin an.

Das Unglück mit dem Rosinenbomber ereignete sich am Nachmittag des 19. Juni. Beim Versuch, zu einem Rundflug über Berlin aufzusteigen, hatte das Flugzeug gegen 14.45 Uhr eine Bruchlandung hingelegt. Die im Jahr 2000 aufwendig restaurierte Propeller-Maschine hatte Probleme mit dem Triebwerk. Der Pilot versuchte deshalb, zurück zur Landebahn zu kommen. Das misslang ihm aber. Bei der Notlandung setzte die Maschine kurz vor der Landebahn auf einer asphaltierten Straße auf, die zur Baustelle des neuen Hauptstadtflughafens BBI gehört. Dabei rammte sie einen Bauzaun. Der rechte Flügel wurde abgerissen und das Propeller- Triebwerk geriet in Brand. Sieben Menschen, darunter die drei Crew-Mitglieder, wurden verletzt. Ins Krankenhaus musste allerdings nur der Pilot, die anderen konnten vor Ort behandelt werden.

Laut Holger Trocha, Sprecher von Air Service Berlin, ist die DC-3 ein Original aus Luftbrückenzeiten und das letzte Verkehrsflugzeug dieser Art, das in Europa noch kommerziell mit Passagieren fliegen darf. Gebaut vom US-Flugzeughersteller Douglas im Jahr 1944, sei die Maschine im Jahr 2000 in England originalgetreu restauriert worden. Seitdem habe sie zahllose Flüge über Berlin, aber auch längere Reisen nach Dresden oder Wolfsburg gemacht. Technische Probleme habe es in dieser Zeit nicht gegeben, sagte Sprecher Trocha.

Die Unglücksmaschine, die sich im Schönefelder Hangar von Air Service befindet, wird jetzt von Mitarbeitern der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen in Braunschweig untersucht. Dabei werden zunächst die Motoren und auch die Instrumente im Cockpit überprüft. Diese Untersuchungen würden den Wiederaufbau der Maschine aber nicht behindern, heißt es von Seiten der Firma Air Service Berlin. Um die Unglücksursache herauszufinden, werden zeitgleich die Piloten, Feuerwehrleute und viele andere bei der Notlandung in Schönefeld anwesende Menschen befragt. Experten betonten, dass es bis zu einem Jahr dauern könne, bis genau geklärt sei, was zu dem Unfall des Rosinenbombers geführt habe.

Erinnerung an Berlin-Blockade

Frank Hellberg geht dennoch fest davon aus, dass der Rosinenbomber eines Tages wieder fliegen wird. Die Maschine sei eine Ikone der Stadt, sie erinnere an ein wichtiges Stück Berlin-Geschichte. Damals waren kein Zug, kein Lkw, kein Schiff in das freie West-Berlin gelangt. Alle Wege waren während der Berlin-Blockade 1948/1949 geschlossen. Nur die Flugzeuge der alliierten Westmächte versorgten die Stadt. Minute für Minute landeten die Maschinen auf den Flughäfen Tempelhof und Gatow. Die Rettungsaktion endete am 12. Mai 1949. Dieser Tag wird in Berlin immer noch als „Tag der Luftbrücke“ gefeiert. Die einzige noch flugfähige Maschine aus dieser Zeit war bislang der nun verunglückte Rosinenbomber.

Infos auf der Internetseite von Air Service Berlin.