Kriminalität

Italienische Gastronomen sagen Nein zur Mafia

Inhaber italienischer Restaurants in Berlin wehren sich nach Duisburger Blutbad gegen Vorurteile. Mit einem Netzwerk wollen sie die Schutzgelderpressungen der Mafia in Berlin in den Griff bekommen.

Foto: dpa / DPA

Das Blutbad vor dem Duisburger Restaurant "Da Bruno" mit sechs Todesopfern hat die Aktivitäten der italienischen Mafia im Bundesgebiet ins Blickfeld gerückt. Und es hat italienische Restaurantinhaber in Berlin alarmiert. Sie zeigen sich erschüttert, leiden unter Vorurteilen und treten die Flucht nach vorn an.

Die ersten 17 der mehr als 300 italienischen Gastronomen haben sich bis gestern der neuen Initiative "Mafia? Nein danke!" angeschlossen, die von der Union für Italiener in der Welt (UIM) angestoßen wurde. Der Verein vertritt die Interessen von 1000 Auslands-Italienern in Deutschland. UIM-Koordinatorin Laura Garavini, stellte das Projekt gestern im Restaurant Il pane e le rose in Friedrichshain gemeinsam mit Restaurantbesitzern vor.

Pino Bianco, Chef der renommierten Trattoria à Muntagnola, sagte, er selbst und im Bekanntenkreis habe keiner je Schutzgelderpressung erlebt. Wie die anderen anwesenden Wirte auch. "Aber ich wurde jetzt von Gästen gefragt: ,Wie viel zahlt ihr?' Mein Kellner wurde von einem Taxifahrer wie ein Mafioso behandelt", klagt Bianco und zieht einen Vergleich. "Wenn ein Ausländer in Brandenburg geschlagen wird, heißt es doch auch nicht, alle Deutschen sind fremdenfeindlich." Gino Puddu vom Café Aroma und seine Mitstreiter betonen, sie würden die Mafia verdammen, lehnen jeden Kontakt ab und wollen Gesicht zeigen: "Wer sich uns anschließt, ist nicht mehr allein."

Laura Garavini kündigte gestern an, die Initiative auf weitere Bundesländer auszudehnen. Kernpunkt: Jeder Teilnehmer unterzeichnet eine Selbstverpflichtung mit der Zusage, jeden Versuch der Schutzgelderpressung sofort der Polizei zu melden und niemanden zu beschäftigen, der Kontakt mit der Mafia hat. Garavini schätzt den Anteil italienischer Restaurants mit Mafiakontakten auf zehn Prozent, der Verein italienischer Gastronomen in Deutschland spricht von drei Prozent.

Das Berliner Landeskriminalamt sieht keine Anzeichen, dass die Berliner Gastronomie von Kriminellen unterwandert wird. Bernd Finger, Leitender Kriminaldirektor der Abteilung organisierte und Bandenkriminalität sagte gestern, Restaurants seien zu kleinteilig für die italienische Mafia. Damit lasse sich kein Geld verdienen, so Finger, der von 75 Fällen organisierter Kriminalität im Jahr 2006 in Berlin spricht. "Die N'drangheta steht nicht im Fokus. Der Schwerpunkt jüngster Kontakte mit der italienischen Polizei, Steuer- und Zollbehörde bezieht sich auf Autoschieber und Falschgeldkriminalität." Gleichwohl begrüßt Finger die Initiative der UIM: "Der beste Schutz gegen organisierte Kriminalität im Wirtschaftsleben ist eine aufgeklärte Unternehmerschaft."

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.