Verkehrsbetriebe

Finanzsenator stellt neue BVG-Chefin vor

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Jetzt ist es offiziell: Ab 1. Oktober wird erstmals eine Frau die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) führen. Finanzsenator Ulrich Nußbaum stellte die Bahn-Managerin Sigrid Evelyn Nikutta als neue BVG-Chefin vor. Die 41-Jährige hatte sich auf eine Stellenanzeige um den Job beworben.

Vom 1. Oktober an steht erstmals eine Frau an der Spitze der landeseigenen Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Die bisherige Bahn-Managerin Sigrid Evelyn Nikutta wurde am Freitag einstimmig vom Aufsichtsrat zur neuen Vorstandsvorsitzenden von Europas zweitgrößtem Nahverkehrsunternehmen berufen. Das gab Berlins Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos) als Vorsitzender des Aufsichtsrates bekannt. Mit der 41-jährigen Managerin hätten die BVG und das Land eine „hochkompetente, engagierte und dynamische Persönlichkeit“ gefunden, die bestens geeignet sei, das Unternehmen nach vorne zu führen.

Er freue sich besonders, dass jetzt eine Frau diese Spitzenposition innehabe, sagte der Senator mit Blick auf die lange Diskussion in Berlin, mehr Frauen in Führungsämter zu berufen. Der Vertrag Nikuttas läuft zunächst über drei Jahre.

Nikutta betonte, sie habe diesen Spitzenjob nicht wegen eines Frauenbonus bekommen. „Diese Entscheidung ist aufgrund von Leistung und Kompetenz gefallen. Das Geschlecht war zweitrangig.“ Sie habe sich auf eine Stellenanzeige beworben, weil die Leitung eines der größten Verkehrsunternehmen in Europa eine „wirkliche Herausforderung“ sei.

„Außerdem spielt meine Verbundenheit zur Schiene eine große Rolle. Ich bin eine überzeugte Nutzerin und Verfechterin des öffentlichen Nahverkehrs“, sagte die Mutter von drei kleinen Kindern. Von ihrem Arbeitgeber Bahn werde sie im besten Einvernehmen scheiden.

Die 41-Jährige löst den bisherigen BVG-Chef Andreas Sturmowski ab, dessen Amtszeit eigentlich bis Ende Oktober läuft. Sein Vertrag war nicht verlängert worden, weil vor allem Nußbaum mit dessen Geschäftsführung unzufrieden war. Die nachhaltig hohe Schuldenlast des Unternehmens von immer noch 740 Millionen Euro, der vom Rechnungshof als zu teuer kritisierte Umzug der BVG-Zentrale aus Schöneberg in die Trias Towers in Mitte, risikoreiche Wertpapierspekulationen und zu üppige Gehälter der Führungsriege werden Sturmowski angelastet.

Die künftige BVG-Chefin arbeitet seit Anfang 2010 als Produktionsvorstand der polnischen Tochter des Bahn- Güterverkehrsunternehmens DB Schenker Rail. Zuvor war Nikutta von 2007 an Produktionsleiterin des Transportbereiches Ganzzugverkehr bei der Bahn in Mainz, verantwortlich für den Einsatz von rund 6000 Mitarbeitern und 1700 Lokomotiven. 1996 war die promovierte Psychologin und Pädagogin von einem Mittelstandunternehmen zur Bahn gewechselt und dort vor allem für Mitarbeiter-Fortbildung und personalplanung und - controlling zuständig.

Nikutta äußerte sich vor nur zurückhaltend zu ihren Plänen für die BVG. Angesprochen auf die hohe Schuldenlast des Unternehmens betonte sie: „Ich will kein Unternehmen führen, dass immer weiter in die Schulden rutscht. Unternehmen sind dazu da, sich selbst zu tragen.“ Die derzeit diskutierten Tariferhöhungen zum Januar 2011 wollte Nikutta nicht kommentieren. Es gebe jedoch mit Sicherheit nicht nur eine Maßnahme, um die BVG wirtschaftlicher zu machen.

( dpa/ap )