Berliner Verkehrsbetriebe

BVG-Direktor muss nach Pannenserie gehen

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Thomas Fülling

Busse fehlten, standen lange in den Werkstätten oder gerieten gar in Brand. Nun hat die BVG aus den Pannen der vergangenen Monate weitere Konsequenzen gezogen: Omnibus-Direktor Johannes Müller muss seinen Posten räumen - und einen anderen einnehmen.

Bei den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ist kurzfristig ein weiterer Führungsposten vakant. Denn nach dem BVG-Vorstandschef Andreas Sturmowski muss nun auch Omnibus-Direktor Johannes Müller seinen Hut nehmen. Hintergrund sollen zahlreiche Probleme im Busbetrieb sein. So war Ende März wegen eines erheblichen Reparaturstaus jeder fünfte BVG-Bus nicht einsatzbereit. Auf mehreren Linien vor allem im Südwesten Berlins kam es dadurch zu Ausfällen und damit zu überfüllten Bussen. Aber auch auf wichtigen Innenstadt-Linien häuften sich Ausfälle und Verspätungen.

Offiziell wurde die Personalentscheidung am Montag von der BVG nicht bestätigt. Nach Informationen von Morgenpost Online soll aber die Ablösung Müllers bereits vom Aufsichtsrat des landeseigenen Verkehrsunternehmens bestätigt worden sein. Die gut dotierte Direktoren-Stelle wird demnach in Kürze neu ausgeschrieben. Müller wiederum soll an die Spitze der weniger bedeutsamen BVG-Tochter Berlin Transport (BT) wechseln. Bei der BT sind rund 2000 Mitarbeiter angestellt, die von der BVG als Fahrer von Bussen, U- und Straßenbahnen eingesetzt werden.

Die BVG-Führungsspitze soll dem Vernehmen nach schon seit längerem unzufrieden mit der Entwicklung ihrer Bussparte sein. So gab es etwa eine Häufung von gefährlichen Bränden bei Citaro-Bussen, zudem mehrten sich zuletzt die Beschwerden von Fahrgästen über Ausfälle und Verspätungen. Müller sei als Fachmann sehr anerkannt, mit dem Management des faktisch größten Busunternehmens in Deutschland aber wohl überfordert, sagte ein BVG-Insider.

Zugleich waren Äußerungen aus dem Personalrat laut geworden, in denen der BVG vorgeworfen wird, dass sie – wie die Berliner S-Bahn – aus Kostengründen die Instandhaltungskapazitäten zu stark reduziert habe. Die Zahl der Mitarbeiter in den Bus-Werkstätten soll in den vergangenen Jahren um ein Drittel von 600 auf 400 gesunken sein. Gleichzeitig sei – ebenfalls zwecks Einsparung von Lohn-Zuschlägen – die Zahl der Nacht- und Wochenendschichten reduziert worden. Da aber tagsüber die Busse meist im Einsatz sind, fehle Zeit für notwendige Wartungen, heißt es etwa vom Personalrat Axel Schröder. Dadurch käme es häufiger unterwegs zu Defekten, die wiederum zu Bus-Ausfällen führten. Diese Vorwürfe werden indes von der BVG entschieden zurückgewiesen. Die Werkstatt-Kapazitäten seien ausreichend, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Hauptursache für den aktuellen Reparaturstau sei der harte Winter, der nicht nur die Fahrzeuge überdurchschnittlich beansprucht, sondern auch zu vielen kleineren Schäden geführt habe, die nun repariert werden müssten.

Auch bei der U-Bahn hakt es

Ein Teil der aktuellen Probleme bei der Busflotte ist zudem nicht durch die BVG zu verantworten. So muss etwa ein Großteil der modernen Doppeldecker-Busse vom Typ Lion’s City in die Werkstatt, weil der Hersteller sie zurückgerufen hat. Bei einem Bus desselben Typs, der nach Dubai ausgeliefert werden sollte, waren bei einem Rütteltest Risse festgestellt worden. Vorsorglich lässt MAN nun bei allen vergleichbaren Bussen die Vorderachse erneuern. Außerdem hatte sich gezeigt, dass bei den 100 Bussen des ersten Lieferloses einige Fenster nicht dicht hielten. Auch diese Busse werden vom Hersteller nachgebessert.

Technische Mängel sorgen derzeit aber nicht nur im Busbetrieb für Probleme. Auch bei der U-Bahn, speziell auf den Kleinprofil-Linien (U1 bis U4) fehlen Wagen, kritisiert der Berliner Fahrgastverband Igeb. So hätten auf der wichtigen Ost-West-Linie U2 einige Züge nur sechs statt der üblichen acht Wagen. Von der BVG hieß es am Montag dazu, dass lediglich noch zwei Züge verkürzt fahren würden.

Auslöser für den aktuellen Fahrzeug-Engpass sind bereits seit längerem bekannte Probleme mit den Achslagern an Zügen der modernen HK-Baureihe. Die BVG hat aufgrund von Auflagen der Technischen Aufsichtsbehörde (TAB) bei diesen Zügen Schwingungsmessungen veranlasst. Dabei sind in der Vorwoche mehrere „auffällige Lager“ identifiziert worden. Bei den betroffenen Wagen seien die Achslager aber sofort gewechselt worden. Die TAB sehe keinen Grund zur Besorgnis, das Handeln der BVG werde ausdrücklich begrüßt, heißt es in einer internen Notiz der Aufsichtsbehörde.

Probleme gibt es auch mit gerade erst modernisierten U-Bahn-Wagen der alten DDR-Baureihe Gisela. Einige Getriebe würden Undichtheiten aufweisen und müssten deshalb zurück in die Werkstatt. Bis Ende nächster Woche sollen aber alle Mängel behoben sein. Eine Überschreitung von Wartungsfristen habe es entgegen anderslautender Aussagen zu keiner Zeit gegen, sagt BVG-Sprecher Klaus Wazlak.