Untreue-Verdacht

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen BVG-Chef

Im August 2008 ist die BVG aus ihrer alten Zentrale in Schöneberg in die Trias-Türme in Mitte gezogen. Der Landesrechnungshof rügte, dass die mit dem Umzug BVG weniger eingespart habe als angegeben. Daraufhin ermittelte die Staatsanwaltschaft - und BVG-Chef Sturmowski geriet unter Untreue-Verdacht.

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Kurz vor Ende seiner Amtszeit hat der Chef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), Andreas Sturmowski, nun auch noch Ärger mit der Berliner Justiz. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Vorstandsvorsitzenden des landeseigenen Verkehrsunternehmens wegen des Verdachts auf Untreue. Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch einen Bericht des Landesrechnungshofs, sagte Martin Steltner, Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Die Rechnungsprüfer hatten in einem im Sommer 2009 veröffentlichten Bericht gerügt, dass die BVG durch Umzug ihrer Zentrale in die Trias-Towers in Mitte sehr viel weniger Geld eingespart hätten als zuvor angegeben. Eine erste Überprüfung habe einen Anfangsverdacht auf Untreue bestätigt, sagte Behördensprecher Steltner. Daraufhin seien bei der BVG Geschäftsräume durchsucht und mehr als hundert Aktenordner sichergestellt worden. Die Auswertung der Unterlagen dauere noch an.

Die Ermittlungen und die Durchsuchung wurden nun auch vonseiten der BVG bestätigt. „Alle angeforderten unterlagen wurden der Staatsanwaltschaft übergeben“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die Verkehrsbetriebe hatten im Spätsommer 2008 ihre Hauptverwaltung von der Potsdamer Straße in Schöneberg an die Holzmarktstraße nach Mitte verlegt. Dafür wurden langfristig zwei Hochhäuser, die sogenannten Trias-Towers, am Bahnhof Jannowitzbrücke angemietet. Die alte Firmenzentrale am Kleistpark sowie mehrere andere, nicht mehr gebrauchte Immobilien wurden verkauft. Mit den Umzügen und Verkäufen wollte das Unternehmen bis 2020 Kosten in Höhe von 44 Millionen Euro einsparen.

Diese Berechnungen sah der Rechnungshof jedoch als „wenig wahrscheinlich“ an. Die Prüfer bemängelten die langfristige Anmietung der damals leer stehenden Trias-Tower. Es sei nicht nachgewiesen, dass dies die wirtschaftlichste Immobilie sei. Auf Kritik stieß auch, dass der Platz im neuen Firmensitz für die Mitarbeiter nicht ausreichte, sodass ein Teil der verkauften Bürogebäude wieder zurückgemietet werden musste. Dabei geht es insbesondere um die Leitzentrale der BVG, die in der alten Hauptverwaltung in Schöneberg verblieb. Dadurch soll es zu erheblichen finanziellen Schäden für die BVG gekommen sein, heißt es. Gegen Sturmowski richten sich die Ermittlungen, weil er als Vorstandsvorsitzender für den Umzugsbeschluss gerade stehen muss. Eine persönliche Bereicherung wird ihm nicht vorgeworfen.

Sturmowski, der heute 56 Jahr alt wird, ist seit 2005 Chef des größten Nahverkehrsunternehmens in Deutschland. Seinen Ende Oktober auslaufenden Vertrag hatte der von Finanzsenator Ulrich Nußbaum (für SPD) geleitete Aufsichtsrat der BVG nicht verlängert. Ihm wurden vor allem Kreditabsicherungsgeschäfte zu Last gelegt, die der BVG finanzielle Risiken von fast 157 Millionen Euro bescherten. Allerdings hat es sowohl für diese Geschäfte, als auch für den umstrittenen Umzug der BVG-Zentrale die ausdrückliche Zustimmung des damaligen BVG-Aufsichtsratschefs Thilo Sarrazin (SPD) gegeben.