Wochenendtipp

In Berlin führen viele Wege durch das Blütenmeer

Privatleute öffnen am Wochenende an 65 Orten in Berlin und im Umland wieder ihre Pforten. Eine gute Möglichkeit, gemeinsam mit der Familie die Gärten der Hauptstadt zu genießen. Der Eintritt kostet nur zwei Euro.

Foto: Irene Moessinger

Gartenlust hat viele Gesichter. So verschieden wie ihre Besitzer sind auch die 65 privaten Gärten in Berlin und Brandenburg, die an diesem Wochenende ihre Pforten für Besucher öffnen. Von kleinen, begrünten Höfen und Schulgärten über Haus- und Villengärten bis zu Gartendenkmalen reicht das Angebot.

Malen mit Blüten

Zum ersten Mal bei den "Offenen Gärten" sind Uta und Fritz Bail in Hermsdorf. Als ihre Kinder noch klein waren, gab es viel Obst und Gemüse aus den eigenen Beeten. Nach und nach wurden die Pflanzungen zu einem richtigen Ziergarten verändert. "Die Gartenarbeit ist für mich so, als ob ich ein Bild male", sagt Uta Bail. Deshalb spielen Farben eine ganz wichtige Rolle. Blau ist bei ihr überall zu finden, im vorderen Bereich ergänzt durch die Rot- und Rosatöne der Tulpen. Hinter dem Haus wachsen viele gelbe Pflanzen, wo sich schmale Wege durch ein Blütenmeer schlängeln. Kröten, Frösche und Molche finden in zwei Teichen und einem Bach ein Zuhause. Das ganze Haus ist mit verschiedenen Kletterpflanzen bewachsen, sogar auf dem Garagendach und dem Balkon wächst und gedeiht es: Nun wird hier Obst und Gemüse gezogen.

Hausgarten Bail, Klaushager Weg 32 in Hermsdorf. Geöffnet: Sbd./So., 10-18 Uhr.

Der Sammlergarten

Eine Größenordnung für sich ist der Garten von Marianne und Detlef Lüdke in Spandau. 1981 war es nur ein Hobby auf der Wochenendparzelle, inzwischen bearbeitet das Ehepaar fünf Grundstücke und hat große Staudenbeete, zwei Teiche mit Bachlauf, einen formalen Rosengarten und in Form geschnittene Gehölze angelegt. Stolz ist Marianne Lüdke auf einige Raritäten: Zurzeit blühen noch blaue Buschwindröschen und verschiedene Elfenblumensorten. Die Lenz- oder Christrosen, von denen sie über 100 Sorten besitzt, verblassen schon. Im Schattengarten wachsen viele Funkien- und Walddreiblattsorten – ein echter Sammlergarten.

Garten von Marianne und Detlef Lüdke, Eiskeller 95/96 in Spandau. Geöffnet: Sbd./So., 10-18 Uhr. Parkplätze nur an der Steinernen Brücke.

Verborgene Höfe

Überraschungen anderer Art bieten acht Hausbesitzer in Neuköllns Böhmischem Dorf: die Entdeckung verborgener Gärten mitten in der Stadt und einen Ausflug in die Stadtgeschichte. In der Nachbarschaft des Comenius-Gartens befinden sich die ehemaligen Bauerngehöfte, die zur Zeit Friedrich Wilhelms I. für die böhmischen Siedler errichtet wurden. In den individuell als Bauerngärten angelegten Innenhöfen zeigen die heutigen Besitzer alte Fotos der Anlagen. Sie erzählen von ihren Vorfahren und wie die nun restaurierten Häuser und früheren Scheunen und Ställe genutzt wurden. Monika und Wolfgang Matschat können auf acht Generationen zurückblicken. Bei Beate Motel, die auch das kleine Museum im Böhmischen Dorf betreut, trifft sich die Nachbarschaft in einer "Kulturscheune". Ulrich Krystek, er spielt im Posaunenchor der Gemeinde, lässt alte Trompeten und Posaunen aus den Sträuchern wachsen. Der Spaziergang beginnt bei Brigitta Polinna, Kirchgasse 11. Sie hat zusätzlich zu den Stauden im Hof noch einen formalen Garten hinter dem Haus angelegt. Alle geöffneten Höfe sind mit orangefarbenen Fähnchen markiert.

Verborgene Hofgärten im Böhmischen Dorf, Kirchgasse 11 in Neukölln. Geöffnet: Sbd, 10-18 Uhr, So., 12-18 Uhr. Museum im Böhmischen Dorf: So., 12-14 Uhr.

Englische Inspiration

Ihre Begeisterung für Gärten führt Rosemary Bischoff auf ihre englischen Wurzeln zurück. Aus England brachten sie und ihr Mann Rainer ihre Ideen für die Gestaltung des Gartens in Zehlendorf mit. Vom Wintergarten aus sollte eine Sichtachse über den landschaftlichen Teil mit Rasenfläche, Rhododendron und Staudenpflanzungen zum formal angelegten Rosengarten reichen. Dieser Teil wurde von der Gartenarchitektin Mona Kerkow entworfen, die am Sonntag, 12 und 14 Uhr, bei Führungen die Gestaltung erläutert. Zu sehen sind mit Buchsbaum eingefasste Rosen- und Staudenbeete, Keramikvasen, blubbernde Wasserbecken und zwei lebensgroße chinesische Terrakottakrieger, die eine erhöhte, berankte Pergola flankieren. Der so natürlich wirkende Teich in der Nähe des Hauses ist nicht nur zum Anschauen, man kann darin auch richtig schwimmen – gerahmt von Wasserpflanzen, aber sicher vor ihren Wurzeln.

Rosengarten von Rosemary und Rainer Bischoff, Prinz-Handjery-Straße 32a in Zehlendorf. Geöffnet nur So., 10-18 Uhr.

Asiatischer Stil

Bei aller Verschiedenheit - die Begeisterung für ihre grünen Paradiese verbindet sie, die Gartenbesitzer und die Besucher. "Im vergangenen Jahr habe wir an die 10 000 Gäste gezählt", berichtet Sandy Wolf, eine der Organisatorinnen der Initiative Offene Gärten. Auch in ihrem eigenen Garten in Mahlow will sie Besucher empfangen, allerdings nur am Sonntag. Bei ihr windet sich ein trockener Bachlauf aus Erzgebirgsschiefer durch eine asiatisch anmutende Miniaturlandschaft. Hinter dem Haus sind ein kleiner Kräutergarten und ein pflegeleichtes Staudenbeet zu finden. "Die Begegnungen unter Gartenfreunden haben ihren ganz besonderen Reiz. Jeder Garten ist individuell und ganz persönlich", meint Sandy Wolf. "Es ist immer einer dabei, der auch den eigenen Geschmack trifft."

Garten im asiatischen Stil, Marienfelder Straße 40 in Mahlow. Geöffnet nur So., 10-18 Uhr.

Vielerorts gibt es Kuchen, Kunst und Kaffee

Eintritt: Für zwei Euro gibt es zusammen mit einem Aufkleber als Beleg eine Broschüre, in der die teilnehmenden Gärten und Öffnungszeiten verzeichnet sind. Diese sind im ersten besuchten Garten erhältlich und gelten auch für alle anderen. Kinder bis 16 Jahre haben freien Eintritt.

Öffnungszeiten: Die Gärten sind am Sonnabend, 8. Mai, oder am Sonntag, 9. Mai, teilweise an beiden Tagen, von 10-18 Uhr geöffnet. Abweichende Öffnungszeiten sind in der Broschüre vermerkt.

Organisatoren: Die Urania Potsdam, die 2002 diese Aktion ins Leben gerufen hat, und die Initiative Offene Gärten betreuen die Gartenbesitzer.

Zusatzangebote: In den meisten Gärten wird Kaffee, Tee und Kuchen angeboten. Es gibt musikalische Darbietungen, Kunstausstellungen, Führungen und Lesungen. Es werden teilweise Pflanzenableger gegen kleine Spenden abgegeben oder Gartendekorationen verkauft. Alle Teilnehmer sind offen für interessante Gartengespräche und geben gerne ihre Erfahrungen weiter.

Online: Die Beschreibung aller Gärten ist auch im Internet zu finden, ebenso die Zusatztermine im Juni, Juli und September, weitere zu besichtigende Gärten und die Vorverkaufsstellen. Infos unter offene-gaerten-berlin-umland.de , urania-potsdam.de oder open-garden.de .

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