Oberbürgermeister-Kandidat

Ex-Senator Kurth stellt sich einem Rheinlandtest

Der ehemalige Berliner Finanzsenator Peter Kurth (CDU) will Oberbürgermeister in Köln werden. Für den Wahlkampf bleibt nicht viel Zeit, denn das neue Stadtoberhaupt wird bereits am 30. August bestimmt. Morgenpost Online unterzog Kurth einem Rheinlandtest.

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Morgenpost Online: Wer kommt einmal im Jahr aus dem Bett?

Peter Kurth: Hm. Der Rhein.

Morgenpost Online: Nämlich dann…?

Kurth: …wenn er Hochwasser hat.

Morgenpost Online: Starker Auftakt. Wir wollen einen kleinen Rheinland-Test mit dem CDU-Kandidaten für das Oberbürgermeisteramt in Köln machen.

Kurth: Korrekt heißt es natürlich: Wenn hä Huhwasser hätt. Und Rhing. Schließlich bin ich in Siegburg geboren und habe die ersten 25 Jahre im Rheinland gelebt.

Morgenpost Online: Dann eine schwierigere Frage: Warum ist kölscher Klüngel besser als der Hinterzimmer-Filz der Berliner CDU-Kreisvorsitzenden?

Kurth: Kölscher Klüngel ist lange verstanden worden als, sagen wir mal, unbürokratische Kreativität unter Ausschluss der Öffentlichkeit zum Wohle des Gemeinwesens. Da ist etwas gekippt in den letzten Jahren. Immer häufiger ging es nicht um Gemeinwohl, sondern um Eigennutz.

Morgenpost Online: War nicht auch vorher schon „Ausschluss der Öffentlichkeit“ ein Synonym für Vetternwirtschaft?

Kurth: Natürlich sind die Grenzen gelegentlich etwas fließend. Aber es hat schon seine Ursachen, dass viele Jahre lang das Wort Klüngel in Köln in erster Linie positiv besetzt war. Da herrschte noch die Meinung vor: Es geht um das Gemeinwohl.

Morgenpost Online: Im Rheinland-Test liegen Sie bislang gut. Sie wissen sicher auch, was Bläck Fööss bedeutet.

Kurth: Klar. Nackte Füße.

Morgenpost Online: Die Frage, für welche Sportart der Hennes steht, müssen wir Ihnen dann wohl gar nicht stellen?

Kurth: Nein, müssen Sie nicht.

Morgenpost Online: Wissen Sie denn, der wievielte Hennes gerade dran ist?

Kurth: Nö.

Morgenpost Online: Wir auch nicht. Der 13.?

Kurth: Keine Ahnung, wirklich. Die Geißböcke des 1. FC habe ich nicht gezählt.*

Morgenpost Online: Können Sie mit Karneval etwas anfangen? Haben Sie sich schon mal verkleidet?

Kurth: Aber klar. Zuletzt bin ich als Pharao gegangen.

Morgenpost Online: Anders als der noch amtierende CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma wirken Sie aber nicht wie der personifizierte Karneval. Kommen Sie trotzdem bei den Menschen in Köln an?

Kurth: Die ersten Reaktionen auf meine Kandidatur sind klasse. Ich werde auch schon auf der Straße angesprochen, und zwar durchgängig positiv. Da ist dann oft der Tenor: Der Peter Kurth bringt Liebe und Verbundenheit zur Stadt mit, aber auch eine etwas professionellere Distanz. Er versteht etwas von Verwaltung, steckt aber nicht in den Kölner Verwaltungsstrukturen.

Morgenpost Online: Würde der Verwaltungsexperte die Kooperation Kölns mit der Landeshauptstadt Düsseldorf intensivieren?

Kurth: Ein erster Erfolg wäre sicher schon, wenn die Zusammenarbeit Kölns mit den Nachbarkreisen bei manchen Infrastrukturprojekten besser funktionieren würde.

Morgenpost Online: Der Kölner in spe sagt: Muss ja nicht gleich Düsseldorf sein.

Kurth: Ich würde mit den Nachbarkreisen anfangen. Ich habe schon einige Landräte getroffen. Da gibt es Optimierungsmöglichkeiten.

Morgenpost Online: Was würden Sie als Oberbürgermeister anders machen als Ihr Vorgänger?

Kurth: Mir ist Integration ein ganz wichtiges Thema. Das gilt nicht nur für Köln, das gilt für alle Großstädte. Und daneben ist Bildung ein ganz zentrales Thema. Wenn Sie in einer Schulklasse 50, 60, 70 Prozent Kinder haben, die nicht mehr Deutsch als Muttersprache haben, sehen Sie, wie eng verzahnt diese beiden Fragen sind.

Morgenpost Online: Sind Sie eigentlich ein Kämpfer? Im Jahr 2003 scheiterten Sie knapp bei Versuchen, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus und außerdem Chef der Landespartei zu werden. Danach haben Sie sich in der Berliner CDU zurückgezogen.

Kurth: Ich bin durchaus ein Kämpfer. Ich habe sieben Jahre lang in der großen Koalition in Berlin mitregiert, als Finanzstaatssekretär und als Finanzsenator. Danach wollte sich die CDU erkennbar ein Stück von diesem Zeitabschnitt emanzipieren, und das habe ich respektiert. Und vor allem habe ich mich acht Jahre im Vorstand um das Entsorgungsunternehmen Alba gekümmert. Wir haben viele Projekte angeschoben, vor allem in Polen, wo die Gruppe heute 250 Millionen Euro Umsatz macht.

Morgenpost Online: Ihr Parteifreund und ehemaliger Senatskollege Peter Luther sagt über Peter Kurth: „Partei ist nicht so sein Ding.“

Kurth: Naja. Die Frage ist doch wohl eher, welche Art von Partei wessen Ding ist. Seitdem ich Kreisvorsitzender in Pankow bin, hat dieser Kreisverband knapp 30 Prozent Mitgliederzuwachs. Wir haben als einziger größerer Kreisverband das Mitgliederprinzip eingeführt und das Delegiertenprinzip abgeschafft. Nicht mehr Delegierte bestimmen den Kreisvorstand, sondern die Kandidaten dazu werden von unseren Mitgliedern insgesamt gewählt. Die Arbeit dort hat mir wirklich Freude gemacht.

Morgenpost Online: Haben Sie eigentlich während Ihrer Zeit in Berlin daran gedacht, jemals wieder ins Rheinland zurückzukehren?

Kurth: Das hatte ich immer geplant, spätestens für den Ruhestand. Jetzt kehre ich früher zurück, und ich bleibe dort.

Morgenpost Online: Unabhängig vom Ausgang der Oberbürgermeister-Wahl am 30. August?

Kurth: Ja.

Morgenpost Online: Wer ist denn der wichtigere Zugang für Köln in diesem Sommer? Lukas Podolski oder Peter Kurth?

Kurth: Kein Politiker ist heute so vermessen, sich bei der Popularität mit Prinz Poldi messen zu lassen. Ich auch nicht.

* Die Autoren irrten – derzeit ist Hennes VIII. das Maskottchen des Fußballvereins 1.FC Köln.

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