Bauprojekt

Spandauer-Damm-Brücke wird früher fertig

An der Spandauer-Damm-Brücke wurde im Winter auch bei 16 Grad minus gearbeitet. Aber der Aufwand der Baufirmen hat sich gelohnt. Eines der größten Sanierungsprojekte Berlins wird drei Monate früher fertig als geplant. Das freut nicht nur die Autofahrer.

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Kurz nach Mittwochmittag fahren Senatorin und Bau-Polier auf einer Hebebühne nach oben. Die Schrift auf dem Bauschild an der Spandauer-Damm-Brücke ist noch mit Folie verdeckt. Als Ingeborg Junge-Reyer (SPD) und Jürgen Prüfer sie abziehen, wird die rote Schrift darunter sichtbar. „Verkehrsfreigabe: Dezember 2010“. Drei Monate früher als geplant soll die neue Brücke fertig sein. Den ganzen Winter haben Prüfer und seine Männer dafür durchgearbeitet. „Auch bei 16 Grad minus“, sagt der Polier. „Das war manchmal reine Kopfsache.“

Der kalte Aprilregen, der an diesem Mittwoch auf die Baustelle prasselt, ist vergleichsweise harmlos. Der Baustellenbetrieb läuft auf vollen Touren. 40, 50 Männer arbeiten am Oberbau, an den Stahlteilen, an Rampen und Verschalungen. Nur das unaufhörliche Rauschen der Autobahn tief unter der Brücke übertönt die Arbeiten.

Während die Stadtentwicklungssenatorin noch das geänderte Bauschild enthüllt, senken sich auf der anderen Seite der Brücke an den Eisenketten des Krans die letzten Fertigteilplatten in ihr Bett. Mehr als 100 der stahlgespickten Bauteile ruhen auf den mächtigen Trägern der Brücke. Auf ihnen wird im Frühsommer die Betonplatte gegossen. Die Verschalung wird schon vorbereitet. Nebenan kreischt von Zeit zu Zeit die Kreissäge.

Die mehr als 46 Jahre alte Spandauer-Damm-Brücke überspannt auf etwa 115 Metern Länge die Stadtautobahn A100 und die Gleise der Fern- und S-Bahn. Sie bildet neben der Heerstraße eine der wichtigsten Verbindungen für den Autoverkehr zwischen City West und Spandau. Täglich wird sie von bis zu 50.000 Autos passiert.

Arbeiten bei laufendem Verkehr

Seit Mai 2008 wird die alte Spandauer-Damm-Brücke abgerissen, die neue gebaut. Größtenteils bei laufendem Verkehr. Selbst Rollstuhlfahrer, darauf sind die Arbeiter besonders stolz, konnten zu jeder Zeit den S-Bahnhof Westend unter der Brücke erreichen. Nur an wenigen Wochenenden mussten der Spandauer Damm, die Stadtautobahn und die Bahntrasse gesperrt werden, weil mächtige Kräne die Brückenträger montierten. Anders als die alte Brücke wird die neue Konstruktion als Verbundbauwerk errichtet. Auf einem Stahluntergrund ruht später eine Betonplatte.

Und sie soll nicht nur stabiler als die alte Brücke sein, sondern auch schöner. Lutz Adam, Referatsleiter in der Senatsverwaltung, verspricht ein „gestaltetes Bauwerk“. Unter anderem werden die Rampenbauwerke für die Autobahnauffahrten verklinkert.

Seit Juni 2009 ist die nördliche Brückenhälfte fertig. Bis der Verkehr kurz vor Weihnachten wieder über beide Hälften rollen kann, bleiben für die Arbeiter aber viele knifflige Aufgaben.

Leitungen für ganz Spandau

Noch klafft etwa eine mächtige Lücke in der künftigen südlichen Fahrbahn. Unter dem Brückentorso, gleich neben der Stadtautobahn, rattert ein Bagger, um das zu ändern. Bis Dezember wächst die Rampe für die Autobahnauffahrt auf das Niveau der Brücke und schließt die Lücke. Streng genommen, erläutert Projektleiter Rolf Schumann, entstehen am Spandauer Damm nämlich zwei Brückenbauwerke. Eins überspannt die Bahngleise, ein zweites die A100 – verbunden durch die Rampen auf beiden Seiten.

Und jede Brücke hat wiederum zwei Hälften. Erst wenn die Hauptplatte auf der Südseite fertig ist, werden beide durch Beton verbunden. Dafür muss der Spandauer Damm noch einmal für einige Tage gesperrt werden, voraussichtlich im Juli oder August. Die gute Nachricht für Auto- und Bahnfahrer lautet aber: eine Vollsperrung von A100, S- und Fernbahn ist nicht mehr nötig. Seit Mitte März liegen alle Brückenträger, die Autobahn und Bahntrasse überspannen.

Wenn die Oberseite dann im Spätsommer fast fertig ist, beginnt für die Bauarbeiter eine letzte Herausforderung. Etwa 60 Leitungen verlaufen unterhalb des Bauwerks – Frischwasser, Abwasser, Gas, Strom, Fernwärme, Telefon- und Internetkabel. Eine Verbindung zu kappen, wäre fatal. „Hier hängt ganz Spandau dran“, sagt Projektleiter Schumann.

Nötig wurde der Neubau durch Versäumnisse in der Vergangenheit. Die alte Spannbeton-Konstruktion aus den 60er-Jahren war durch Tauwasser und Salz rissig geworden, die Stahlelemente verrostet. Bei einer ersten Sanierung im Jahr 1976 hatten die Planer auf die heute übliche Abdichtung verzichtet. „Wäre das passiert, hätte die Brücke noch 30, 40 Jahre halten können“, sagt Referatsleiter Adam. Angesichts der Schäden war die ursprünglich geplante zweite Sanierung aber nicht mehr möglich. 36 Millionen Euro kostet der Neubau. Die Hälfte zahlt der Bund, die andere das Land. Der Landesanteil wird zu 90 Prozent von der EU gefördert.