Städtebau

Zwanzig Berliner Brücken taugen nichts mehr

Zwanzig Brücken in Berlin sind in einem nicht ausreichenden oder mangelhaften Zustand. Das hat der Senat auf eine Kleine Anfrage der FDP im Abgeordnetenhaus eingeräumt. So gibt es Brücken, deren Tragfähigkeit sogar permanent überwacht werden muss.

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50.000 Autos rollen jeden Tag über die Heerstraße Richtung Spandau oder aus dem Außenbezirk in die Innenstadt. Die wenigsten Fahrer ahnen, dass sie dabei zwei der marodesten Brücken Berlins passieren. Denn Stößenseebrücke und Freybrücke, die zwei Havelarme überspannen, erhalten von den Prüfingenieuren das wenig schmeichelhafte Prädikat „nicht ausreichender“ beziehungsweise „ungenügender Bauzustand“. Die Tragfähigkeit der Freybrücke muss sogar permanent überwacht werden.

Insgesamt weisen von den 1050 Berliner Brücken, von denen sich 259 in der Verwaltung des Bundes und 791 in der Obhut des Landes Berlin befinden, 20 einen nicht ausreichenden oder ungenügenden Bauzustand auf. Das hat der Senat auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Klaus-Peter von Lüdecke mitgeteilt.

Nach dem katastrophalen Einsturz einer Autobahnbrücke über den Mississippi im US-Bundesstaat Minnesota wollte der Liberale wissen, wie es denn um die Standsicherheit der Berliner Brücken bestellt sei.

Die schlechteste Note auf der offiziellen Skala der Bauwerkszustände erhält die Monumentenbrücke, die die Bahntrasse zwischen Kreuzberg und Schöneberg überspannt. Mit einer 4,0 erhält diese Brücke die schlechteste mögliche Bewertung. Dies sei auf die nicht ausreichend tragfähigen Geländeranschlüsse zurückzuführen. Die Tragfähigkeit der Brücke sei jedoch gegeben, versichern die Prüfer.

Stößenseebrücke als "ungenügend" bewertet

In die Kategorie „Ungenügend“ fallen zudem im Bereich der Bundesverwaltung die Stößenseebrücke und in Berliner Verantwortung die Schönholzer Brücke über die Panke. Nicht ausreichend sind an Bundesstraßen die Freybrücke und die Rampenbrücke am Spandauer Damm bewertet; die Zufahrt zur Stadtautobahn wurde bereits für Lkws über 18 Tonnen Gewicht verboten. Im kommunalen Straßennetz trifft es die südliche Freiarmbrücke in Köpenick, die nördliche Kynastbrücke am Ostkreuz, die Rathausbrücke über die Spree in Mitte, die Elsenbrücke über die Spree zwischen Treptow und Friedrichshain, die Pankgrafenbrücke in Pankow, die Rhinstraßenbrücke in Friedrichsfelde Ost sowie neun Fußgängerbrücken.

Die Schäden, die nach Angaben der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung in keinem Fall die Sicherheit der Brücke beeinträchtigen, sind vielfältig. Korrosion, abgeplatzter Beton, Risse, undichte Stellen, zu große Sprossenabstände an Geländern, Spurrillen und Asphaltblasen in Fahrbahnen und Gehwegen.

Für die meisten der kritisierten Brückenbauten planen der Bund oder das Land Berlin für die nächsten Jahre Ersatzneubauten oder eine Grundsanierung. So sollen die Schönholzer Brücke und die Freiarmbrücke ab 2009 ersetzt werden, die Kynastbrücke noch eher im Zuge der Sanierung des Ostkreuzes. An der Stößenseebrücke wird derzeit der Korrosionsschutz erneuert, die Instandsetzung der Stahllager wird demnächst ausgeschrieben. Die Freybrücke will der Bund ab 2010 neu errichten.

Schon im Doppelhaushalt 2008/ 2009 hat der Senat 21 Millionen Euro für die Reparatur von zwölf Brücken eingeplant, pro Jahr 10,5 Millionen Euro. Für Brücken in Baulast der Bundesstraßenverwaltung in Berlin gibt der Bund jährlich zwei Millionen Euro aus, um Schäden zu beseitigen. Bund und Länder sind dabei, ein Bauwerks-Management-System aufzubauen. Dieses neue System soll 2009 eingeführt werden und Entscheidungshilfe bieten, ob eine Brücke saniert, instand gesetzt oder neu gebaut werden muss.