Grundschule

Lehrer beraten über Boykott von Vergleichstests

Anfang Mai sollen sich alle Berliner Drittklässler einem Vergleichstest in Deutsch und Mathe stellen. Lehrer haben in einem Brandbrief an Senator Zöllner gefordert, diese Prüfungen abzuschaffen. Doch die Bildungsverwaltung will daran festhalten. Nun könnte es zum Boykott der Tests kommen.

Der Streit um die Vergleichstests an Berliner Grundschulen geht weiter. Am Montag wollen mehr als 1000 Lehrer, Erzieher und Schulleiter über die nächsten Schritte beraten. Die Initiative Grundschulen in sozialen Brennpunkten hatte Anfang vergangener Woche in einem Brandbrief gegen die Tests protestiert und einen Boykott angeregt. Die Kritiker der Tests für Drittklässler in Mathematik und Deutsch glauben, dass die Kinder, die bei hohem Ausländeranteil oft Sprachprobleme haben, mit den Tests überfordert sind, schlecht abschneiden und frustriert zurückbleiben. Sie fordern, die Prüfung abzuschaffen. Die Bildungsverwaltung will indes an dem Vergleichtest festhalten.

Für die Eltern ist der Brandbrief der Lehrer, Erzieher und Schulleiter ein Offenbarungseid. „Die Schule ist ihrem Auftrag nicht gerecht geworden“, sagte André Schindler, Vorsitzender des Landeselternausschusses. Die Lehrer hätten zwei Jahre lang Zeit gehabt, die Kinder so zu fördern, dass sie in der Lage sind, die Aufgaben des Tests zu verstehen. Das sei aber nicht geschehen. Hinzu käme, dass viele Kitas bei der Sprachförderung versagt hätten. „Lehrer wie Kitaerzieher müssen sich fragen lassen, was sie gemacht haben.“ Schindler forderte „den Einsatz von jungen, durchsetzungsfähigen Schulleitern, die die Lehrer entsprechend anleiten.“

Manuela Gregor vom Vorstand der Interessenvertretung Berliner Schulleiter, Inge Hirschmann vom Grundschulverband sowie Uta Schröder von der Vereinigung Berliner Schulleiter sprachen sich für den Test aus, kritisierten aber die verantwortlichen Politiker. Die Grundschulreform sei angesichts der Reform im Oberschulbereich vernachlässigt worden, hieß es. Grundschulen seien nicht so ausgestattet worden wie versprochen. Es fehle an Personal, Räumen und Unterstützung für die Lehrer.

Manuela Gregor, selbst Schulleiterin, kritisierte die schwierigen Rahmenbedingungen. „Oft lernen 28 Kinder in einer Klasse, es fehlt an Raum für die Einrichtung von Förderecken, meist findet der Hort im Klassenraum statt.“ Hinzu käme, dass die Grundschullehrer die höchste Lehrverpflichtung hätten. An vielen Schulen würden zudem dauerhaft 7 bis 10 Kollegen aus Krankheitsgründen fehlen. „Die anderen sind überaltert, ausgebrannt, können das Pensum nicht mehr schaffen.“ Uta Schröder von der Vereinigung Berliner Schulleiter bemängelte das Fehlen von Sonderpädagogen und Sozialarbeitern. Die Lehrer müssten ohne Unterstützung wie etwa Supervision zurechtkommen. „Individuelle Förderung ist da nicht möglich.“