Open-Air-Ausstellung

300 Meter erinnern an Sturz des SED-Regimes

Mit einer großen Open-Air-Ausstellung erinnert Berlin ab dem 7. Mai an die friedliche Revolution in der DDR vor 20 Jahren. Die 24 Stunden geöffnete Präsentation auf dem Alexanderplatz ist schon im unfertigen Zustand unübersehbar. Und der Ort wurde nicht zufällig gewählt.

Noch blockieren Bauzäune das östliche Drittel des Alexanderplatzes. Doch es sind nur Metallgitterelemente, und so kann man mühelos erkennen, dass dahinter zahlreiche Ausstellungstafeln errichtet werden. Am 7. Mai, auf den Tag genau 20 Jahre nach der von der SED massiv gefälschten Kommunalwahl in der DDR, werden Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) und Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) die zentrale nationale Ausstellung zur Erinnerung an die friedliche Revolution eröffnen. Die eben keine „Wende“ war, wie Egon Krenz behauptete, und wie es leider bis heute üblich ist. Am Mittwoch schon stellte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit die Schau vor, die auf Berliner Seite von der Kulturprojekte GmbH betreut worden ist.

Sie ist schon im unfertigen Zustand unübersehbar: Fünf lange Ausstellungswände von 2,50 Meter Höhe und insgesamt etwa 300 Metern Länge füllen wie ein „Fächer der Revolution“ den erst kürzlich sanierten Platzteil zwischen dem neuen „Saturn“ und dem Alexanderhaus, dem Sitz der Landesbank Berlin. Zusätzlich gibt es dort einen runden Pavillon, in dem zusätzlich Informationen sowie ein Buchshop untergebracht sind. Und überdimensionale „Demonstrationsplakate“ aus Leichtmetall, die in den kommenden Monaten alle Bilder vom Alexanderplatz dominieren werden. Auf ihnen stehen – allerdings aufgelöst in einzelne Wörter – bekannte Parolen der Revolution wie „Wir sind das Volk“, „Keine Gewalt“ oder „Privilegien für alle“.

Die Stasi griff hart durch

Gerade damit soll die Open-Air-Ausstellung an die Demonstrationen auf dem Alexanderplatz ab Juni 1989 erinnern. Dort trafen sich am 7. jedes Monats DDR-Kritiker, um gegen die Wahlfälschungen zu demonstrieren.

Für die SED, zu deren Renommierprojekten der Alexanderplatz gehörte, eine doppelte Provokation. In den ersten Monaten griff die Stasi dort besonders hart durch. Erst nach dem Sturz von Erich Honecker Mitte Oktober 1989 änderte sich das. Die Tafeln zeigen in großen Fotos, die in der Weite des Platzes eher klein wirken, in drei Kapiteln die Hauptabschnitte der friedlichen Erhebung: Aufbruch, Revolution und Einheit.

Die Robert-Havemann-Gesellschaft verantwortet die Darstellung inhaltlich und garantiert für deren Seriosität – angesichts des in Prenzlauer Berg angesiedelten Archivs der DDR-Opposition ist das eine sehr gute Wahl. Der private Verein bewahrt die Materialsammlungen von zahlreichen Bürgerrechtlern – und stellt sie, anders als staatliche Archive das können, jedem interessierten Benutzer ohne Benutzungsbeschränkungen zur Verfügung.

Projektleiter Tom Sello, selbst als Mitarbeiter der oppositionellen Umweltbibliothek ein wichtiger Akteur der friedlichen Revolution, zeigte sich zufrieden mit der Ausstellung. „Vor zehn Jahren hätten wir mit dieser Idee überhaupt nicht zu kommen brauchen“, sagte er. Noch vor zwei Jahre wäre die Realisierung utopisch gewesen. Erst die Unterstützung durch Rainer Klemke, in der Senatskanzlei zuständig für Zeitgeschichte, und verschiedene Förderer wie die Lotto-Stiftung, den Kulturstaatsminister und die Kulturprojekte Berlin habe die Ausstellung ermöglicht.

Großes Eröffnungsprogramm

Bei einem einzigen Besuch kann man den ganzen Umfang der riesigen Tafelflächen sicher nicht lesen, geschweige denn komplett aufnehmen. Aber damit rechnen die Ausstellungsverantwortlichen und sind sich sicher, dass der rührige Verkehrsknotenpunkt Alexanderplatz sogar zum Vorteil werden kann, denn hierher kommt man leicht – und kann mehrfach eine halbe Stunde für die Erinnerung an den Umsturz vor 20 Jahren investieren.

Für das Eröffnungswochenende ist ein vielseitiges Programm fast rund um die Uhr vorgesehen, mit Open-Air-Kino, kostenlosen Führungen, einem Lesemarathon und vielem mehr. Für alle Berliner ist die Schau am 7. Mai ab 14 Uhr zugänglich. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen.