Inventur

Immer mehr Lehrer finden gefährliche Säure an Schulen

Nachdem bereits in den Chemieräumen zweier Berliner Schulen kristallisierte und somit hoch explosive Pikrinsäure gefunden worden war, nutzten viele Lehrer den Ferienbeginn, um die Chemikalienbestände ihrer Schulen zu durchforsten. Evakuierungen, Straßensperrungen und zahlreiche Einsätze der Techniker des Landeskriminalamtes waren die Folge.

Dreimal mussten die Spezialisten allein am Donnerstag ausrücken und gefährliche Substanzen zum Sprengplatz Grunewald bringen. An der Ernst-Abbe-Oberschule in Neukölln fand ein Lehrer bei der Inventur Donnerstagvormittag überlagerte Pikrinsäure und alarmierte Polizei und Feuerwehr. Als die Einsatzkräfte gegen 10 Uhr in der Sonnenallee eintrafen, fanden sie dort Behälter mit der Säure im flüssigen, aber auch in bereits kristallinem Zustand vor – und kristallin ist Pikrinsäure hochexplosiv. Die Polizisten alarmierten ihre Kollegen vom Landeskriminalamt, Sprengstoffexperten sicherten die hochexplosive Chemikalie und brachten sie zum Sprengplatz. Acht Menschen mussten das Schulgebäude verlassen, die Sonnenallee war zwischen Elbe- und Fuldastraße in Richtung Hermannplatz gesperrt.

Gegen 11 Uhr 25 heute Vormittag alarmierte dann der Chemiebeauftragte der Rheingau Oberschule in Schöneberg Polizei und Feuerwehr. Er hatte etwa 100 Gramm unsachgemäß gelagerter Pikrinsäure in der Schule in der Schwalbacher Straße festgestellt. Die Einsatzkräfte räumten den linken Flügel des Gebäudes, die Spezialisten des Landeskriminalamtes übernahmen die gefährliche Flüssigkeit und brachten sie ebenfalls zum Sprengplatz nach Grunewald. Während des Einsatzes war die Schwalbacher Straße zwischen Homuth- und Rheingaustraße von 11.45 Uhr an für etwa eine Stunde gesperrt.

Der nächste Einsatz folgte um 14 Uhr erneut in Neukölln. Lehrer der Hermann-von-Helmholtz-Schule in der Wutzkyallee hatten ebenfalls mehrere Flaschen mit Pikrinsäure gefunden. Die Säure war wieder einmal überlagert und bereits teilweise in kristalline Form übergegangen. Die Spezialisten brachten zwei Behälter mit jeweils 200 Mililitern Flüssigkeit zum Sprengplatz. Die Wutzkyallee war während des Einsatzes zwischen Fritz-Erler-Allee und Joachim-Gottschalk-Weg gesperrt.

Säure in Flaschen und Plastikbehältern

Bereits am Mittwochvormittag hatte eine Lehrerin der Robert-Blum-Oberschule die Einsatzkräfte in die Kolonnenstraße in Schöneberg gerufen, wo sie nicht sachgerecht gelagerte Säure gefunden hatte. Die Einsatzkräfte räumten Schule und Hof sowie ein angrenzendes Wohnhaus und zwei Geschäfte, rund 60 Personen waren betroffen. Kriminaltechniker der Polizei übernahmen die Behälter mit bereits kristalliner Säure und brachten sie zum Sprengplatz. Die Kolonnenstraße war von 12.30 Uhr bis 13.50 Uhr zwischen Naumannstraße und Loewenhardtdamm.

Gleich im Anschluss rückten die Techniker dann nach Lichtenberg in die Lückstraße aus, wo die stellvertretende Schulleiterin des Imanuel-Kant-Gymnasiums drei Flaschen kristallisierter Pikrinsäure entdeckt und Feuerwehr und Polizei alarmiert hatte. Wieder transportierten die Sprengstoffspezialisten die Behälter zum Sprengplatz. Da das Gebäude derzeit umgebaut wird, war es leer und musste somit nicht geräumt werden.

Auch die Manfred-von-Ardenne-Schule in Lichtenberg war fast leer, als eine Chemielehrerin dort am Mittwochnachmittag nach den gefährlichen Funden an anderen Schulen den Bestand an Chemikalien überprüfte. Sie fand zwei Flaschen zu je einem halben Liter kristallisierter Säure, insgesamt 2,5 Liter der gefährlichen Flüssigkeit in drei Flaschen sowie einen Plastikbehälter mit etwa Gramm angefeuchteter Säure. Kriminaltechniker sicherten die Substanzen. Während des Abtransportes musste die Werneuchener Straße zwischen Große-Leege-und Küstriner Straße ab 17.30 Uhr für etwa 20 Minuten gesperrt werden.

Kundige Lehrer brachten Stein ins Rollen

Begonnen hatte die Aufregung wie berichtet am Freitag, als eine Lehrerin der Herder-Oberschule beim Aufräumen des Chemieraumes fünf Ampullen mit kristallisierter Pikrinsäure entdeckte. Sie wusste, dass sie Substanz so explosiv ist und rief Polizei und Feuerwehr. Die Schule und anliegende Häuser mussten evakuiert die Straße gesperrt werden, da die Experten die Substanz auf dem Schulhof kontrolliert sprengten.

Am Dienstag fand dann ein Lehrer am Diesterweg-Gymnasium in der Putbusser Straße in Mitte ebenfalls kristallisierte Prikrinsäure, die zum Sprengplatz gebracht wurde.