Steglitzer Schloßstraße

So sieht es im neuen Karstadt-Kaufhaus aus

Nach zwei Jahren öffnet Karstadt an der Schloßstraße wieder. Das Kaufhaus soll fast so nobel wie das KaDeWe werden - keine risikolose Angelegenheit, mitten in der Finanzkrise. Morgenpost Online hat sich schon vor der Eröffnung in dem ganz und gar umgebauten Kaufhaus umgesehen.

Am frühen Morgen liegt die verführerische Warenwelt noch im Halbdunkel. Mit strammem Schritt führt Ina Lütke, Filialgeschäftsführerin des Karstadt-Kaufhauses an der Schloßstraße, durch die Gänge. Sie entschuldigt sich für das Schummerlicht und bedauert im selben Atemzug, dass das hochmoderne Lichtkonzept noch nicht zur Geltung komme. Es ist halb neun und der letztmögliche Termin für einen Rundgang durch das Haus. Ina Lütkes Zeit ist knapp – drei Tage vor der Eröffnung. Seit das Karstadt-Kaufhaus für die Umbauarbeiten geschlossen worden war, sind fast auf den Tag zwei Jahre verstrichen. Donnerstag wird es als Premium-Haus im klassischen Kaufhausstil und als Teil des neuen „Boulevard Berlin“ wiedereröffnet.

Insgesamt 390 Millionen Euro investiert das niederländische Unternehmen Multi-Development am Standort von Wertheim und Karstadt an der Steglitzer Schloßstraße. Während das Karstadt-Gebäude entkernt und neu aufgebaut wurde, soll das Wertheim-Haus zwar mit seiner historischen Fassade aus den 1950er-Jahren erhalten bleiben, aber als moderne Einkaufsgalerie mit einem Shop-in-Shop-System wiedereröffnen. Beide Häuser werden durch die Treitschkestraße, die ein Glasdach erhält, zum „Boulevard Berlin“ verbunden.

Karstadt ist nun als Mieter an die Schloßstraße zurückgekehrt. Im Untergeschoss wurde am Montag noch geschraubt, gefegt und eingeräumt – letzte Handgriffe, bevor es „als zweites Spitzenhaus nach dem KaDeWe seine Kunden empfängt“, sagt Ina Lütke. Bis Sonnabend hat das Haus von 9 bis 22 Uhr geöffnet, am Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

Eine Damenetage soll Frauen glücklich machen

Viele Stammkunden werden eine vertraute, wenn auch umfangreichere Warenwelt auf 22.000 Quadratmetern vorfinden. Es gibt gleich zu ebener Erde eine sogenannte Damenetage. „Von Schuhen über Handtaschen, Parfüm und Schmuck bis zu Süßigkeiten – dort gibt es alles, was Frauen glücklich macht“, sagt die Filialleiterin. Darunter, im Untergeschoss, breitet sich „Perfetto“ mit seinen Lebensmittelangebot aus, darüber in der 1. Etage geht es mit Damenbekleidung, Nagelstudio und Beautylounge weiter. Die Herren dürfen sich mit den Kindern die 2. Etage teilen, in der obersten ist das Restaurant „Le Buffet“ angesiedelt.

Neu im Vergleich zum alten Haus ist die Präsentation der Waren. Übersichtlichkeit und Licht seien die großen Themen in dem nun modernsten Karstadt-Kaufhaus Deutschlands, so Ina Lütke. Es gibt Sichtachsen wie Kreuzungen, die immer wieder den Blick auf die Kassen freigeben. Dazwischen gruppieren sich auf 173 Parzellen die einzelnen Marken mit ihren Angeboten. Aber es gibt, wie in klassischen Kaufhäusern üblich, immer noch Hosen-, Strick- und Blusenabteilungen, in denen die Kundin unabhängig von einer Marke einfach nach ihrer Größe suchen kann.

Karstadt wagt es, mit seinem eigenen, klassischen Warenhauskonzept, der Wirtschaftskrise zu trotzen. Und der Konkurrenz der Einkaufsgalerien die Stirn zu bieten, die Schlag auf Schlag in Berlin eröffnen. Fast 60 sind es mittlerweile im Stadtgebiet. Diesem Boom setzt das zum Arcandor-Konzern gehörende Unternehmen einen eigenen Trend – nämlich die Verbindung von Tradition und Moderne – entgegen. „In unserem Steglitzer Haus muss man nicht mehr durch das gesamte Warenhaus jagen, um ein komplettes Outfit zusammenzustellen“, sagt Karstadt-Sprecher Christian Treinies.

Allerdings ist die finanzielle Lage des Konzerns seit Jahren angespannt, allen Sanierungskonzepten zum Trotz. Die Mitarbeiter verzichten bereits zum zweiten Mal auf einen Teil ihrer Bezüge, um das Unternehmen am Leben zu erhalten. Karstadt verkaufte vor vier Jahren bereits 75 von damals fast 170 Häusern. Die daraus entstandene Kette Hertie steckt bereits in der Insolvenz. 22 Hertie-Häuser werden auf jeden Fall geschlossen. Nils Busch-Petersen, Chef des Berliner Einzelhandelsverbandes, sieht Karstadt dennoch auf dem richtigen Weg, um mit einem neuen Konzept wie jetzt an der Schloßstraße auch in schwierigen Zeiten zukunftsfähig zu sein. „Ich bin davon überzeugt, dass das klassische Kaufhaus, wenn es gut gemacht ist, eine gute Zukunft hat“, sagt Busch-Petersen. Früher hätten die Warenhäuser eher Dunkelkammern geglichen. Da hätte man heute dazugelernt. Außerdem sei es nach den großen Neueröffnungen in den vergangenen Monaten, wie den Einkaufszentren Galeria, Alexa und Die Mitte am Alexanderplatz, an der Zeit gewesen, dass Karstadt zeige, was es könne.

Investition in die Schloßstraße

Es wurde tatsächlich Zeit, an der Schloßstraße zu investieren. Die Baugenehmigung für das Karstadt-Haus datiert aus dem Jahre 1966, so fand das Bauamt des Bezirks Steglitz-Zehlendorf heraus. Seitdem ist dem Haus immer mal wieder eine Schönheitskur verpasst worden, aber der veraltete Charme ließ sich damit nicht wegschminken. So standen bei Wertheim und Karstadt lange die Uhren still, während an den beiden Enden der 1,4 Kilometer langen Einkaufsmeile kräftig gebaut wurde.

Allein drei große Einkaufsgalerien sind nach der Jahrtausendwende an der Schloßstraße entstanden: Kurz nacheinander eröffneten das „Schloss“ (2006) am Rathaus Steglitz, das Schloss-Straßen-Center (SSC) am Walther-Schreiber-Platz (2007) und das umgebaute Forum Steglitz an der Schloßstraße 1 (2007). Die Center sehen die Wiedereröffnung von Karstadt offenbar gelassen. „Wir freuen uns, dass Karstadt mit seinem Premium-Haus zurückkehrt“, sagt Werner Gresens, Centermanager vom SSC und Forum Steglitz. Schließlich gehöre das Haus zur Schloßstraße.

In der Mitte rund um die Tiburtiusbrücke tat sich bislang wenig. Im Gegenteil, die Gastronomie im Bierpinsel ist seit Jahren geschlossen – die Unterführung unter der Brücke weiterhin ein dunkler, unwirtlicher Schandfleck. Das ändert sich jetzt, mit der Wiedereröffnung von Karstadt, zu der übrigens am Donnerstag um 9 Uhr auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit und Model Eva Padberg erwartet werden. „Die Mitte der Schloßstraße lebt endlich wieder“, sagt Giorgio, Inhaber eines Schuhgeschäftes direkt gegenüber von Karstadt. Er ist sichtlich begeistert von dem sanierten Warenhaus, dass er für die Sehenswürdigkeit in der Schloßstraße halte.

Tatsächlich drohte die Straße in der Mitte zu sterben, erzählt Giorgio. Neues Publikum sei weggeblieben, viele Händler hätten schon geklagt. Jetzt hofften alle auf noch mehr Kunden, vor allem aus dem Umland.

Etwas später auf dem Rundgang durch das neue Karstadt-Haus geht dann doch noch das Licht an. Es blende niemals, so erläutert Ina Lütke. Dafür würden die Waren ins rechte Licht gerückt. Sie will noch die Terrasse zeigen. Die ist neu: Auf 400 Quadratmetern Dachterrasse gibt es etwa 150 Plätze mit Blick bis zum Potsdamer Platz und zum Kreisel-Hochhaus.

Die Arbeiten sind beinah abgeschlossen

Während unten in der Schloßstraße der Verkehr tost, liegen die Arbeiten drin in den letzten Zügen. Ute Timm hat sich bereits mit ihrem Kosmetik-Stand der Marke Clinique eingerichtet. Sie rückt noch ein paar Cremetöpfe zurecht, bereit zum Verkauf. Sieben Jahre hat sie schon im benachbarten Wertheim verkauft. Jetzt ist die Beauty-Beraterin einfach nur begeistert von ihrem Arbeitsplatz mit Blick nach draußen. „Jetzt sehen wir sogar, wenn die Sonne scheint“, sagt Ute Timm. Ganz oben im Restaurant „Le Buffet“ sorgt Regionalleiter Hans-Dieter Bauer für alle Zutaten, damit es beim hausgemachten Eis und selbst gebackenen Kuchen an nichts fehlt. Noch sind sie verwaist – die Plätze im Restaurant und die Sitzecken mit Espresso-Maschine. Bis Donnerstag.

Was das Karstadt-Haus hinter sich hat, hat Wertheim jetzt vor sich. Das Warenhaus ist bereits geschlossen – der Name Wertheim in Berlin damit verschwunden. Die 400 Mitarbeiter sind in das neue Karstadt gewechselt. Zwei Jahre lang wird Multi-Development an dem Standort eine neue Einkaufsgalerie bauen, mit einem dahinter angrenzenden Quartier, das aus einzelnen Gebäuden und individuellen Fassaden besteht. Läuft alles nach Plan ist der „Boulevard Berlin“ 2011 fertig. Und damit die neue Mitte der Steglitzer Schloßstraße.