Das machen wir nächste Woche aber anders!

Neue Namen braucht die Stadt

Der alte Name war nicht mehr zeitgemäß. Denn er brachte naive Menschen auf die Idee, dass die Dinge, die dort verkauft werden, einen gewissen Wert haben. Wertheim heißt jetzt nicht mehr Wertheim. Und dass ein Kaufhaus für die Menschen in einer Stadt ein Stück Heimat bedeutet. Beides passt nicht mehr ins moderne Marketing.

Wird Hertha jetzt auch umbenannt? Uli Hoeneß denkt schon darüber nach - wie dieses weltexklusive Protokoll einer Hertha-Geheimsitzung beweist: "Ein Fußballverein, der wie eine Frau heißt - das geht heute nicht mehr. Wir brauchen etwas Machomäßigeres, etwas, was mehr Blutgrätschen klingt. So wie Energie Cottbus. Aber natürlich muss es Englisch sein wegen des Asiengeschäfts. Berlin Tigers, Berlin Warriors..." Fürs Asiengeschäft wären allerdings "Berlin Panzers" oder "Berlin Blitzkriegers" noch besser, denn damit verbindet man auch in Tokio und Peking sofort traditionelle Kerntugenden deutscher Männlichkeit.

Immerhin muss Wertheim jetzt nicht Arcandor heißen. So nennt sich ja seit knapp zwei Jahren der Mutterkonzern, der vorher KarstadtQuelle hieß. Konzernboss Middelhoff wollte mit dem neuen Fantasienamen signalisieren, dass seine Firma jetzt zu den großen internationalen "Playern" gehört. Doch leider klingt Arcandor auf Englisch nach Geheimtür. Kein Wunder, dass immer weniger Kunden den Eingang zu den Karstadtwarenhäusern fanden.

Erinnert sich noch einer, wie früher die Kontrolleure aussahen? In Berlin trugen sie Anfang der Neunziger noch respektheischende Uniformen. Heute hat sich das geändert. Damit mich keiner missversteht: Ich habe Respekt vor diesen Leuten, die für wenig Geld vom Abschaum der Menschheit anpöbeln, bespucken oder schlagen lassen müssen. Und ich verstehe auch, dass sie sich tarnen müssen. Aber man kann es auch übertreiben. Ich jedenfalls frage mich, immer wenn ein neuer Fahrgast an der Tür stehen bleibt, ob der mir gleich eine Obdachlosenzeitung verkaufen will oder ob ich ihm meine Fahrkarte zeigen muss.