S-Bahn

Das müssen Sie über die Entschädigung wissen

Am Donnerstag hat die S-Bahn bekanntgegeben, wie sie ihre Kunden für den monatelangen Ausfall der Bahnen entschädigen will. Morgenpost Online hat die wichtigsten Fragen zusammengetragen. Etwa: Was müssen Sie eigentlich tun, um entschädigt zu werden?

70 Millionen Euro gibt die Deutsche Bahn zusätzlich aus, um die krisengeplagten Kunden der Berliner S-Bahn bei Laune zu halten. Seit fast acht Monaten ist der Verkehr wegen fehlerhafter Räder und Wartungsmängeln stark eingeschränkt. Erst Ende 2010 soll der Normalfahrplan wieder gelten. Bereits im Dezember hatte die S-Bahn ihre Kunden mit Freifahrten im Gegenwert von 35 Millionen Euro entschädigt. Am Donnerstag veröffentlichte sie nun die Details des zweiten Entschuldigungspaketes, das im November und Dezember umgesetzt wird. Morgenpost Online beantwortet die wichtigsten Fragen.

Wer fährt kostenlos?

Die meisten Regelungen des Entschädigungspaketes betreffen Stammkunden. Inhaber von Abo- oder Jahreskarten fahren im November und Dezember kostenlos. Das gilt für Umweltkarten des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), für Schüler- und Geschwisterkarten, für Monatskarten für Auszubildende oder Schüler, Semestertickets der Hochschulen in Berlin, Potsdam und Wildau, Firmentickets oder Seniorentickets VBB-Abo 65plus. Voraussetzung ist allerdings, dass das entsprechende Ticket im November und/oder Dezember noch gilt und mindestens ein Jahr gehalten wird.

Kann ich auch profitieren, wenn ich noch kein Stammkunde bin?

Ja. Auch Neukunden, die ihre Jahres- oder Abokarte vor dem 1. November kaufen, fahren zwei Monate kostenlos. Wer bis zum 1. Dezember einsteigt, fährt immer noch einen Monat umsonst. Auch dabei gilt: Die entsprechenden Abo-Monatsraten werden nicht abgebucht. Wer eine Jahreskarte an einer Verkaufsstelle von BVG oder S-Bahn kauft, zahlt schon vom 1. April an nur den reduzierten Preis.

Werden nur S-Bahn-Kunden entschädigt?

Nein. Auch Kunden anderer Verkehrsunternehmen – etwa der BVG – erhalten die Freifahrten, sofern ihr Ticket in den Berliner Tarifbereichen AB, BC oder ABC gilt.

Wo gelten die Freifahrten?

In den öffentlichen Verkehrsmitteln des VBB, also allen S-Bahnen, U-Bahnen, Straßenbahnen, Bussen und Regionalzügen, die im jeweiligen Tarifbereich fahren.

Was muss ich tun, um entschädigt zu werden?

Am einfachsten ist die Abwicklung für Abonnenten mit eingerichtetem Dauerauftrag. Ihre Monatsbeträge werden im November und Dezember nicht abgebucht. Wer jährlich zahlt, erhält eine Rücküberweisung des Anteils für zwei Monate. Bei Jahreskartenverträgen, die im November oder Dezember beginnen, wird zunächst der volle Betrag abgebucht. Gleichzeitig wird jeweils ein Monatsbetrag gesondert gutgeschrieben. Schwieriger wird es für Fahrgäste, die ihre Jahreskarte bar am Schalter oder am Automaten bezahlt haben. Sie müssen zu einer Verkaufsstelle des S-Bahn oder der BVG und bekommen für November und Dezember jeweils einen Monatsbetrag bar ausgezahlt. Die Wertabschnitte für diese Monate müssen zurückgegeben werden. Die Kunden erhalten speziell gestaltete Abschnitte für die Freifahrt-Monate. Vorteil für die Barkäufer. Sie können früher als alle anderen von den Regelungen profitieren, weil die Rückzahlungen schon am 1. April beginnen. Für Inhaber von Firmentickets gelten grundsätzlich die gleichen Regelungen wie für Abonnenten. Je nach Vertrag übernimmt die Firma oder das Verkehrsunternehmen die Abwicklung. Ungeklärt ist, wie Studenten in den Genuss der Freifahrten kommen. Die Verhandlungen zwischen S-Bahn und Studentenvertretungen laufen noch.

Gehen andere, ebenfalls regelmäßige Fahrgäste leer aus?

Nein. Auch wer seine Monatskarte nicht im Abo kauft, wird entschädigt. Gleitende Monatskarten, deren Gültigkeit im November beginnt, gelten 14 Tage länger. Nutzer von festen Monatskarten oder Inhaber von Sozialtickets erhalten eine Bar-Erstattung von zweimal 15 Euro. An den Verkaufsstellen und Automaten von S-Bahn, BVG und Deutscher Bahn werden feste Monatskarten für November und Dezember vom 1. Oktober an 15 Euro billiger verkauft. Offen ist noch, ob auch andere VBB-Verkehrsunternehmen das günstigere Monatsticket verkaufen können.

Gibt es auch Angebote für Gelegenheitsfahrer?

Ja. An allen Wochenenden im November und Dezember gelten Einzelfahrscheine der Berliner Tarifbereiche AB, BC oder ABC als Tagesticket. Das gilt auch für Fahrrad-Einzeltickets.

Mein Abo läuft vor November aus. Werde ich trotzdem entschädigt?

Nein. Kunden, deren Jahreskarte bis Ende Oktober ausläuft oder die ihr Abo – womöglich aus Ärger über den Notfahrplan – kündigen, gehen tatsächlich leer aus.

Warum wird so spät entschädigt?

Nach Bahn-Angaben dauern die Vorbereitungen für die Abwicklung mehrere Monate. Unter anderem müssen Ticketautomaten umgerüstet werden. Vor allem sind aber teilweise komplizierte Absprachen mit den übrigen betroffenen Verkehrsunternehmen des VBB nötig. Außerdem sollten die Entschädigungsleistungen nicht in die Sommermonate fallen, wenn viele Kunden gar nicht in Berlin sind.