Berliner Nahverkehr

S-Bahn will Kunden entschädigen - wie ist unklar

"Wir werden die Fahrgäste entschädigen". Das sagt Bahn-Vorstand Ulrich Homburg. Doch wie dieser Ausgleich für die monatelangen Beeinträchtigungen aussehen und wann er erfolgen soll, darüber herrscht weiter Unklarheit. Eines ist jedoch nach Aussage von Homburg sicher: Das S-Bahn-Chaos wird weitere personelle Konsequenzen haben.

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Mehr als 250.000 Euro verliert die Berliner S-Bahn pro Tag durch das anhaltende Chaos. Das Unternehmen will aber ihre leidgeprüften Kunden erneut entschädigen. Doch wann und wie ist noch offen.

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Die gute Nachricht für die leidgeprüften Kunden der Berliner S-Bahn lautet: Sie können mit einer weiteren Entschädigung rechnen. Die schlechte heißt: Wann sie kommt und wie hoch sie ausfällt, ist völlig offen. „Ja, wir werden die Fahrgäste entschädigen“, sagte Ulrich Homburg, Bahnvorstand für Personenverkehr, am Montag bei einer Anhörung im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses. Über die genaue Regelung werde die Bahn aber erst entscheiden, wenn „Dauer und Ausmaß der Beeinträchtigungen“ absehbar seien. Er versprach aber, nicht erst zu entschädigen, „wenn alles vorbei ist“.

Angesichts anhaltender Einschränkungen – am Montag war erneut weniger als die Hälfte der S-Bahn-Flotte im Einsatz – hatten Politiker aller Parteien im Berliner Abgeordnetenhaus zuvor weitere Kompensationen für die Kunden gefordert. Die Liste der Vorschläge reichte von zwölf Wochenenden Freifahrt für alle (FDP) bis zu einer zehnprozentigen Preissenkung für alle Tickets (Grüne).

Letzteres lehnte Homburg bereits ab. „Ich halte es für besser, wir entschädigen eher einmalig und über Aktionen“, sagte er. Befristete Fahrpreissenkungen hält auch der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) für den falschen Weg. Wenn anschließend die Tickets wieder teurer würden, drohe ein Fahrgastverlust für das gesamte Nahverkehrssystem, sagte VBB-Chef Hans-Werner Franz.

Zuletzt hatte die S-Bahn ihre Fahrgäste im Dezember entschädigt. Stammkunden fuhren den gesamten Monat kostenlos. An den Adventswochenenden galt der Einzelfahrschein als Tagesticket. Zudem startete die Bahn eine „Qualitätsoffensive“ für mehr Sauberkeit und bessere Fahrgastinformationen. Die Kosten für dieses Entschädigungspaket bezifferte die Bahn damals auf etwa 55 Millionen Euro.

Zukunft der S-Bahn weiter offen

Ähnlich umstritten wie die Entschädigungsregelungen blieb auch am Montag die Frage nach der Zukunft der S-Bahn. CDU-Verkehrsexperte Oliver Friederici sprach sich gegen eine Teilausschreibung des Netzes aus. Sie käme „einer Zerschlagung der S-Bahn“ gleich, sagte er. Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) bekräftigte ihren Willen, für die Zeit nach Ende des laufenden Verkehrsvertrages einen neuen Betreiber zumindest für einen Teil des Netzes zu finden. In einem Jahr könnten etwa 25 Prozent der S-Bahn-Linien europaweit ausgeschrieben werden. Weitere Optionen seien eine Übernahme des Teilnetzes durch die landeseigene BVG. Auch die Übernahme der S-Bahn durch das Land sei noch nicht vom Tisch.

„25 Prozent sind nicht genug“, kritisierte Grünen-Verkehrsexpertin Claudia Hämmerling und forderte, das gesamte Netz in den Wettbewerb zu bringen. Junge-Reyer widersprach ihr. Bis Ende 2017 habe kein neuer Betreiber die Chance, die nötigen Fahrzeuge für den Betrieb des gesamten Netzes zu beschaffen.

Die Senatorin sieht angesichts der Situation bei der S-Bahn zunehmend auch den Bund als Eigentümer des Mutterkonzerns Deutsche Bahn in der Pflicht. Die Krise im Berliner Nahverkehr bilde dabei nur einen Teil des Problems, sagte Junge-Reyer und forderte, die gesamte Bahnreform zu hinterfragen. Unter anderem sei eine stärkere Regulierung der Trassen- und Stationspreise durch die Bundesnetzagentur nötig. Der Bund habe zugelassen, dass die Bahn durch „nicht ausreichende Investitionen in ihr Schienennetz“ ihre Gewinne maximiere. „Es geht um die politische Frage, wer im deutschen Eisenbahnverkehr das Sagen hat“, so die Verkehrssenatorin.

Management-Fehlentscheidungen

Eine andere Frage soll in wenigen Wochen geklärt sein. Jene nach den Ursachen und Verantwortlichen für die seit Juni andauernde S-Bahn-Krise. Bahn-Vorstand Homburg kündigte für Ende Februar „abschließende Ergebnisse“ der internen und externen Ermittlungen an. Mehr als 100 aktive und ehemalige S-Bahner seien inzwischen befragt worden. Die Ermittlungen beschränkten sich nach Homburgs Angaben nicht auf die S-Bahn allein, sondern auch auf mögliche Verantwortliche im Aufsichtsrat und im Mutterkonzern. Der Bahn-Vorstand kündigte auch „personelle Konsequenzen“ nach Abschluss der Untersuchungen an.

Ein Verschulden von S-Bahn-Mitarbeitern in den Werkstätten schloss er erneut aus. „Nach allem, was wir bisher wissen, liegt die Ursache für die Misere eindeutig in Management-Fehlentscheidungen“, sagte er. "Wir sind nicht schuld“, betonte auch S-Bahn-Betriebsratschef Heiner Wegner und appellierte an die Fahrgäste, ihren „verständlichen Ärger“ über Verspätungen, Ausfälle und überfüllte Züge nicht an den S-Bahnern auszulassen.