Technikprobleme

Berliner S-Bahn verliert 250.000 Euro - pro Tag

Das anhaltende Chaos bei der Berliner S-Bahn bringt dem Unternehmen nach Angaben des Bahn-Vorstandes Ulrich Homburg täglich ein Minus von mehr als einer viertel Million Euro. Homburg war vor dem Verkehrsausschuss im Abgeordnetenhaus erschienen und kündigte dort eine erneute Entschädigung der Kunden an.

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Die andauernde Krise bei der Berliner S-Bahn wird für das Tochterunternehmen der Deutschen Bahn teuer. Bahn-Vorstand Ulrich Homburg beziffert den täglichen Schaden auf weit mehr als eine Viertelmillion Euro. Schon deshalb habe das Unternehmen ein großes Interesse daran, den Verkehr so schnell wie möglich zu normalisieren, sagte Homburg am Montag im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses. Die derzeitige Situation bezeichnete er als nicht akzeptabel. Wann die Züge wieder planmäßig rollen werden, ließ Homburg offen.

Wesentliche Verbesserungen seien zumindest im Februar und März nicht absehbar, sagte Hans-Werner Franz, Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB).

Nach seinen Angaben waren am Montag nur 302 aus zwei Wagen bestehende sogenannte Viertelzüge unterwegs, weniger als die Hälfte der Flotte von 630 Fahrzeugen. Für das volle Zugangebot benötigt die S-Bahn nach eigenen Angaben 546 Fahrzeuge. Um mit verkürzten Zügen alle Linien planmäßig zu bedienen, wären 486 Viertelzüge nötig. S-Bahn-Betriebsratschef Heiner Wegner geht davon aus, dass erst Ende 2010 eine Rückkehr zum regulären Fahrplan möglich sein wird.

Tatsächlich dürfte der wirtschaftliche Schaden für das Unternehmen weit höher sein als die von Homburg genannten 250.000 Euro täglich. Eingerechnet sind dort nämlich nur die Verluste durch nicht gezahlte Zuschüsse des Senats und gesunkene Fahrscheineinnahmen. Nicht berücksichtigt sind unter anderem Entschädigungen für die Kunden und Kosten für zusätzliche Werkstattmitarbeiter. Die geschätzte Summe bilde ohnehin „die absolute Untergrenze“ des Schadens, bestätigte Homburg.

Ticketverkauf bricht um 20 Prozent ein

Allein bis Oktober ist der Ticketverkauf bei der S-Bahn nach VBB-Angaben um 20 Prozent eingebrochen. Der Senat zahlte wegen der erheblichen „Minderleistung“ bislang 37 Millionen Euro weniger an die Bahn.

Und immer noch steht ein Großteil der S-Bahn-Flotte in den Werkstätten, weil die Räder aufwendiger als bisher geprüft werden müssen. Nach Messfahrten im Herbst hatte die Aufsichtsbehörde, das Eisenbahn-Bundesamt (EBA), die zusätzlichen Sicherheitschecks angeordnet. Verschärft wird die Lage durch den anhaltenden Frost, wie Homburg und Wegner bestätigten. Bis zu sechs Stunden dauere es, bis ein Zug für die Wartungsarbeiten aufgetaut sei. Reserven, um die Ausfälle auszugleichen, hat die S-Bahn derzeit nicht.

Langfristig sollen 20 bereits ausgemusterte Viertelzüge reaktiviert werden. Kurzfristig soll die Wiedereröffnung der 2006 aus Kostengründen geschlossenen Betriebswerkstatt Friedrichsfelde Entlastung bringen. Pünktlich um 6 Uhr lief der Betrieb dort am Montag an, wie Wegner bestätigte. Zunächst wird noch unter provisorischen Bedingungen gearbeitet, teilweise mit mitgebrachtem Werkzeug. „Der Betrieb wird nach und nach hochgefahren“, so ein Bahnsprecher.

Die Kunden der S-Bahn müssen seit etwa einem Jahr zum Teil erhebliche Einschränkungen hinnehmen. Bereits im Januar 2009 waren bei Eis und Schnee zahlreiche Züge ausgefallen. Seit Juni bietet die S-Bahn wegen Problemen an Bremsen und Achsen nur einen eingeschränkten Betrieb an. Angesichts der Situation kündigte Homburg am Montag weitere Entschädigungen für die Fahrgäste an. Zu Termin und Umfang äußerte er sich aber noch nicht.

Wieder Einschränkungen durch Winterwetter

Weichen Eis und Schnee verursachten am Montag für weitere Einschränkungen im ausgedünnten Fahrplan. Am Morgen sorgte eine Weichenstörung in Charlottenburg für Verspätungen auf den Linien S3, S5 und S75. Weitere Störungen gab es in Heiligensee und Mahlow. Ebenfalls eine Weichenstörung behinderte am Ostbahnhof den Fern- und Regionalverkehr.

Verspätungen Der Fahrgastverband Igeb berichtete am Nachmittag zudem von erheblichen Problemen auf der Ringbahn. Zeitweise seien die Züge erst nach mehr als 20 Minuten gekommen und dann entsprechend überfüllt gewesen. Auslöser waren nach S-Bahn-Angaben das erhöhte Fahrgastaufkommen und die dadurch längeren Umsteigezeiten.

BVG Busse und Bahnen der BVG fuhren weitgehend planmäßig. Ausfälle habe es nicht gegeben, sagte eine Sprecherin. Am Morgen habe es lediglich eine Weichenstörung auf der Linie U1 gegeben, die aber schnell behoben worden sei. Es kann nach BVG-Angaben aber weiter zu kleineren Verspätungen kommen. Auf glatten Straßen müssen die Busse langsamer fahren.