Havarie

Schwelbrand legt S-Bahn-Verkehr lahm

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Thomas Fülling

Neue Panne bei der S-Bahn: Ein qualmender Motor hat am Mittwoch zu einer mehrstündigen Unterbrechung des Verkehrs von und nach Blankenburg geführt. Ein Zug der schon mehrfach von Bränden betroffenen Baureihe 480 war mit einer Havarie in den Bahnhof Pankow eingefahren.

Immer wenn die Berliner hoffen, die S-Bahn findet zur Normalität zurück, passiert die nächste Panne. So nun auch in dieser Woche. Erst seit Montag kann die S-Bahn wieder mehr Züge einsetzen. Am Mittwochvormittag jedoch kamen erneut Tausende Fahrgäste aufgrund von Zugausfällen zu spät zur Arbeit

Grund dafür war eine Havarie an einem Zug der Linie S8 (Hohen Neuendorf–Grünau/Zeuthen). Während die Bahn eine Antriebsstörung als Ursache für die Rauchentwicklung bezeichnet, spricht die Feuerwehr von einem „Schwelbrand“ als Alarmierungsgrund. Der Triebfahrzeugführer hat laut Bahn um 9.27 Uhr eine Störung angezeigt bekommen und zudem Qualm am zweiten des aus insgesamt vier Wagen bestehenden Zuges bemerkt. Entsprechend den Anweisungen aus der S-Bahn-Leitstelle sei er mit dem Zug noch bis zum nächsten Bahnhof weitergefahren. In Pankow konnten alle Fahrgäste den Zug unverletzt verlassen. Nach Abschalten des Fahrstroms habe es nicht mehr gequalmt, so ein Bahnsprecher. Entgegen ersten Angaben musste die Feuerwehr auch keine Löschmittel einsetzten.

Da der Havariezug aber nicht mehr fahrtüchtig war und durch einen Werkstattzug nach Schöneweide abgeschleppt werden musste, stellte die S-Bahn den Zugverkehr zwischen Pankow und Blankenburg fast zwei Stunden lang komplett ein. S-Bahn-Nutzer mussten in Linienbusse der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) umsteigen. Erst ab 11 Uhr richtete die S-Bahn einen Pendelverkehr zwischen Bornholmer Straße und Blankenburg ein. Betroffen von den Einschränkungen waren die Linien S2 (Bernau–Blankenfelde) und S8 (Hohen Neuendorf–Zeuthen). Die S9 von Flughafen Schönefeld fuhr statt bis nach Pankow nur bis zur Schönhauser Allee. Erst nach 13 Uhr normalisierte sich der Zugverkehr auf den Nord-Süd-Strecken wieder.

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) bestätigte den Vorfall und kündigte eine eingehende Untersuchung an. Nach bisherigen Erkenntnissen soll eine Blockade in einem Fahrmotor des Triebwagens 480572 Ursache für den Schwelbrand gewesen sein. „Wir gehen bisher von einem Einzelfall aus, mit Konsequenzen für die Baureihe ist im Moment nicht zu rechen“, sagte EBA-Sprecher Ralph Fischer.

Der Unglückswagen gehört zur älteren S-Bahn-Baureihe 480, die wiederholt durch Havarien aufgefallen ist. Wegen der im Vergleich zu anderen Baureihen häufigeren Brände bezeichnen Bahn-Insider Fahrzeuge dieses Typs auch als „Toaster“. Besonders folgenschwer war ein Brand im August 2004, als ein Triebwagen im unterirdischen Anhalter Bahnhof in Flammen aufging. Nur durch das beherzte Handeln des Zugführers und der Feuerwehr konnte Schlimmeres verhindert werden. Als Konsequenz daraus dürfen Züge der für die Westberliner BVG entwickelten und von 1986 bis 1994 gebauten BR 480 nicht mehr mit Fahrgästen durch den Nord-Süd-Tunnel fahren.

Trotz technischer Änderungen kam es auch danach zu „Störfällen mit Feuer-, Rauch- oder starker Hitzeentwicklung“. So brannte vor fast genau einem Jahr ein am Bahnhof Wannsee abgestellter leerer Wagen komplett aus. Vor einem Monat musste ein mit Fahrgästen besetzter Zug der S8 in Mühlenbeck-Mönchmühle (Landkreis Oberhavel) aus dem Verkehr gezogen werden, weil an einem Wagen in Höhe des Stromabnehmers starker Rauch aufstieg. Auch dieser Wagen gehörte zur Baureihe 480.

Wegen verschiedener Sicherheitsprobleme ist der S-Bahn-Betrieb in Berlin seit mehr als einem Jahr stark eingeschränkt. Experten und Mitarbeiter machen den rigiden Sparkurs des Bahnkonzerns für die häufigen Havarien und Ausfälle bei der S-Bahn verantwortlich.