Einsturzgefahr

Feuerwehr räumt Dutzende Berliner Dächer

Berlins Dächer ächzen unter der Schneelast. Schon am Mittwochvormittag musste die Feuerwehr das Dach eines Baumarktes an der Alboinstraße räumen. Eigentlich sollten die Dächer eine Schneelast von 40 Zentimeter Dicke aushalten. Doch das ist nicht immer der Fall: So musste in Marzahn-Hellersdorf jetzt eine Turnhalle gesperrt werden. Sie trägt gerade einmal drei Zentimeter Schnee.

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Die Berliner sollten im Moment jederzeit damit rechnen, dass sich Schneebretter oder Eiszapfen von den Dächern lösen und herunterstürzen. Die Feuerwehr ist ständig im Einsatz.

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Schnee und Eis auf Dächern und an Häuserfassaden drohen für Berlin zu einem ernsten Problem zu werden. Allein in den Stunden des Mittwochvormittags musste die Feuerwehr mehr als 60 Mal ausrücken, um die Gefahr herabstürzender Eiszapfen und Schneemassen zu beseitigen.

Die Einsatzkräfte konnten mithilfe von Spezialtechnik Dächer und Dachfirste räumen und die in einigen Fällen lebensbedrohlichen Situationen bereinigen, ehe Menschen zu Schaden kamen. Teilweise mussten Gehwege und Straßen aus Sicherheitsgründen bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte gesperrt werden. Am Dachfirst und der Fassade des Hauptbahnhofs hatten sich bereits in der Nacht schwere Eiszapfen und Schneebretter gebildet und drohten herabzustürzen. Sie konnten jedoch ebenfalls rechtzeitig von alarmierten Spezialkräften beseitigt werden.

Bereits am Vormittag gab es Alarm an einem Baumarkt an der Alboinstraße in Tempelhof-Schöneberg. Dort sperrte die Bauaufsicht ein etwa 500 Quadratmeter großes Lager wegen Einsturzgefahr. Feuerwehrleute spritzten von Drehleitern aus mit Wasser die Schneemassen vom Dach. Die Alboinstraße und umliegende Straßen waren während des Einsatzes gesperrt. Das Lagerhaus soll durch Stützen gesichert werden, sagte Tempelhof-Schönebergs Baustadtrat Bernd Krömer (CDU). Dann könne es wieder frei gegeben werden.

Stadtrat Krömer zufolge hat vor wenigen Tagen ein weiteres Gebäude im Bezirk die Schneelast nicht getragen. Ein Teil des Daches an einem denkmalgeschützten Haus in Alt-Marienfelde sei eingebrochen, so Krömer. Personen kamen nicht zu Schaden. Das Gebäude wurde gesichert.

Gemäß der Berliner Bauordnung müsse ein Dach für eine Last von 75 Kilogramm je Quadratmeter ausgelegt sein, sagt Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing (SPD). „Wir gehen davon aus, dass in Berlin die Schneelast diesen Wert nicht erreicht.“ Dazu müsste die Schicht auf dem Dach etwa 40 Zentimeter stark sein. Dass es im Einzelfall dennoch zum Einsturz überlasteter Gebäude komme, habe mit unsachgemäßer Ausführung der Bauarbeiten zu tun. „Dafür sind Architekt und Bauherr verantwortlich“, sagt Blesing. „Wir genehmigen nur die Pläne für Neubauten.“ Um alle Gebäudedächer im Bezirk nach statischen Gesichtspunkten zu prüfen, fehle das Personal.

Bezirksämter prüfen Schulhallen

Deshalb richten die Bezirksämter ihr Augenmerk auf öffentliche Gebäude wie Schulen und Turnhallen. Das Bezirksamt Marzahn-Hellersdorf hat vorsorglich eine Turnhalle an der Schönagelstraße in Marzahn gesperrt. „Sie hält nur eine Schneedecke von etwa drei Zentimetern aus“, sagt Schul- und Sportstadtrat Stefan Komoß (SPD). Die Serviceeinheit Immobilien des Bezirksamtes habe alle Schulen und Sporthallen auf ihre Tragfähigkeit untersucht und empfohlen, diese Halle zu sperren. „Es ist bedauerlicherweise ein Neubau aus den 90er-Jahren“, so der Stadtrat. In der Bauausführung seien Fehler gemacht worden.

In Steglitz-Zehlendorf sind Gutachter im Einsatz, um die aktuelle Tragfähigkeit von Turnhallen zu prüfen und die Dicke der Schneeschicht zu messen. Von etwa 20 Hallendächern sei Schnee geräumt worden, um jedes Risiko auszuschließen, sagt Baustadtrat Uwe Stäglin (SPD). In Charlottenburg-Wilmersdorf gab es zehn Steigereinsätze auf Dächern.

Vorsorge treffen auch Lebensmittelmärkte. Lidl-Sprecherin Petra Trabert sagt, im Januar seien in Berlin alle Flachdächer der Filialen begangen und geräumt worden. An einer Filiale sei ein beheizter Dachablauf eingerichtet. Vor kurzem seien erneut Dächer mit einer mehr als 20 Zentimeter dicken Schneedecke geräumt worden.

Zu einem tragischen Vorfall kam es am Mittwoch in dem Ort Heinersdorf bei Fürstenwalde (Oder-Spree). Dort brach das Dach eines Stallgebäudes unter den Schneemassen zusammen. Mehrere in dem Stall untergebrachte Kälber verendeten in den Trümmern, die Bergung überlebender Tiere zog sich über Stunden hin, bis sich die Einsatzkräfte durch die Gebäuderest zu ihnen vorgearbeitet hatten. Das gesamte Ausmaß des Schadens blieb zunächst noch unklar.