Ansprüche aus Potsdam

Humboldt-Uni soll ihre Dach-Skulpturen verlieren

Noch schmücken sie das Dach der Berliner Humboldt-Universität in Mitte. Doch ursprünglich standen die acht Sandsteinfiguren auf dem Potsdamer Stadtschloss. In den 60er-Jahren wurden sie dort abgebaut, restauriert und nach Ost-Berlin gebracht. Jetzt könnten sie in die brandenburgische Landeshauptstadt zurückkehren.

Foto: ddp

Acht Frauen- und Männerskulpturen, die seit mehr als 40 Jahren das Dach des Hauptgebäudes der Humboldt-Universität zieren, sollen nach Potsdam zurückkehren. Wenige Wochen vor Baubeginn des Potsdamer Stadtschlosses wird die Rückführung der Sandstein-Figuren geprüft. In der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage bezeichnete Finanzminister Helmuth Markov (Linke) die Figuren als „Leihgabe“, die man dem neuen Landtag aufsetzen könne. Nach seinen Angaben waren die Figuren im Zuge der Abtragung der Potsdamer Schlossruine in den 60er-Jahren vom Dach entfernt, restauriert und schließlich nach Ost-Berlin gebracht worden.

Die Attika-Figuren zieren den östlichen und westlichen Kopfbau des Hauptgebäudes der Humboldt-Uni. Je vier werden den friderizianischen Barockbildhauern Heymüller und Storch zugeordnet, hat die Kustodin der Uni, Angelika Keune, recherchiert. Potsdam hatte die Attika–Figuren 1966 nach Berlin entliehen.

Die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg prüfe, ob diese Figuren „zurückgeführt werden können“, sagte Markov. „Wir sind an einer einvernehmlichen Lösung interessiert. Es gibt aber noch viel Beratungsbedarf“, bestätigte der Sprecher der Stiftung, Ulrich Henze, am Sonnabend das Vorhaben. „Die Humboldt-Universität wird sich konstruktiven Lösungen niemals verweigern“, sagte HU-Präsident Christoph Markschies. Vieles sei jedoch noch ungeklärt, beispielsweise, ob die Figuren nicht ohnehin aus konservatorischen Gründen durch Kopien ersetzt werden müssen.

Ursprünglich waren es 76 Skulpturen

Die CDU-Abgeordnete Saskia Ludwig hatte in ihrer Anfrage von 76 Attika-Skulpturen gesprochen, die einst das Potsdamer Stadtschloss krönten und von denen nun einige auf dem Hauptgebäude der Humboldt-Universität Unter den Linden stehen. Sie hatte gefragt, ob diese an ihrem Originalplatz wieder aufgestellt werden.

Laut Minister werden die Sandsteinpostamente entsprechend vorbereitet. Eine Aufstellung der Attika-Skulpturen werde also möglich sein. Laut Landtagsbeschluss soll – von wenigen Ausnahmen abgesehen – der Figurenschmuck für das Landtags-Schloss über Spenden finanziert werden. Denn selbst wenn alle Figuren aus Berlin wieder nach Potsdam gebracht würden, blieben dort immer noch viele Postamente unbesetzt. Zu einer Spenden-Angelegenheit zählte der Minister neben den Attika-Figuren auch Zinkgussfiguren und Vasen.

Auf die Frage nach noch vorhandenen Bauteilen und ihre mögliche Einbeziehung in den Neubau sagte Markov: „Alle bekannten Bauteile des Potsdamer Stadtschlosses, sowohl die Teile, die im Depot der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten lagern, als auch jene Teile, die durch die Untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Potsdam aufbewahrt werden, wurden katalogisiert und sind für den Einbau in die Fassaden des Landtagsgebäudes vorgesehen.“ Allerdings befänden sich einige Elemente bedingt durch die Zerstörung des Stadtschlosses in einem „sehr schlechten Zustand“. Daher müsse ihre Integration in den Neubau in jedem Fall gesondert betrachtet werden.

„Schaustelle“ auf dem Alten Markt

Der Planung für das historische Treppenhaus liegen laut Markov die vorhandenen Bauunterlagen zugrunde. Doch werde derzeit gemeinsam mit der Stiftung und der Stadt Potsdam nach weiteren Unterlagen gesucht, „um das Knobelsdorffsche Treppenhaus weitgehend dem historischen Vorbild anzunähern“. Auch hier werde vorhandener Wandschmuck integriert. Was den historischen Weinkeller betrifft, so seien dessen Fundamente und Bodenbeläge freilegt, fügte Markov hinzu. Teile dieser Bodendenkmäler würden in Zukunft über eine begehbare, etwa drei mal sechs Meter große Glasfläche im Fußboden des Erdgeschosses sichtbar gemacht. Geplant sei, dieses Sichtfenster im künftigen Besucher-Vortragsraum anzuordnen.

Der Minister kündigte an, dass mit Baubeginn eine „Schaustelle“ auf dem Alten Markt eröffnet werde, um die Öffentlichkeit über den Neubau zu informieren. Der Landtagsneubau wird in den Umrissen und mit der historischen Fassade des früheren Stadtschlosses auf dem Alten Markt in Potsdam entstehen. Baustart für die 120-Millionen-Euro-Investition soll im Frühjahr sein, die Fertigstellung ist für Ende 2012 geplant.