Sanierung

Die Berliner Museumsinsel wird erst 2026 fertig

Über Jahrzehnte war das Neue Museum eine jämmerliche Kriegsruine. Jetzt ist es fertig, die Schlüssel wurden an die neuen Hausherren übergeben, Tausende strömten zu den Tagen der Offenen Tür ins Haus. Doch das größte Sanierungsprojekt auf der Museumsinsel steht erst noch an.

Für die Museumsexperten hat nun der Alltag begonnen - sie tüfteln an der Ersteinrichtung und Ausstellungskonzeption. So kehrt das berühmte Exponat, die schöne Nofretete, in den nächsten Monaten dorthin zurück, wo ihre Erfolgsgeschichte begann.

Für Dietrich Wildung, Chef des Ägyptischen Museums, ist das nicht nur ein entscheidender Höhepunkt im Masterplan, sondern vor allem das Symbol für die Wiedervereinigungen der Sammlungen auf der Museumsinsel. "Diese Wiederherstellung des Gebäudes gehört auch zur Wiederherstellung politischer Identität" im zwanzigsten Jahr des Mauerfalls, findet er.

Der Masterplan ist ein Meilenstein in der Identitätsgewinnung der Hauptstadt, doch für viele wird das Zentrum erst mit dem Wiederaufbau des Schlosses vollendet sein. Welche Zukunft und welche Perspektiven das Humboldt-Forum haben wird - das ist noch ungewiss.

Die Sanierung des Neuen Museums war mit 230 Millionen Euro eine der teuersten Investitionen auf der Museumsinsel und mit Sicherheit die umstrittenste. Mit dieser Fertigstellung sind erstmals seit 70 Jahren alle fünf Häuser der 60.000 Quadratmeter umfassenden Insel zugänglich. Nur einmal, zwischen 1930 und '39, waren alle für das Publikum geöffnet. Als letztes in der Riege wurde 1930 das Pergamon fertiggestellt.

Vier Millionen Besucher pro Jahr

Eine Etappe des milliardenschweren Masterplans ist also geschafft, doch die komplette Wiederherstellung der Insel ist erst für 2026 geplant. Schlusspunkt bildet die unterirdische Verbindung der Häuser über eine "Archäologische Promenade". Das Publikum durchwandert darin 6000 Jahre Menschheitsgeschichte auf einem "Pilgerweg". Dieser "Kanal" ist notwendig - die Stiftung rechnet dann mit einem Besucherstrom von vier Millionen Gästen jährlich. Sie ist nicht nur ein architektonisches, sondern vor allem auch ein inhaltliches Bindeglied, das über das Alte Museum hin zum Neuen Museum und das Pergamon bis zum Bode führen soll. So können gewisse Themenachsen erarbeitet werden.

Ob Zeit- wie Kostenplan zu halten sind, ist fraglich. Erschwerend kommt hinzu, dass der denkmalgerechte Umgang mit historischer Substanz oft Probleme aufwirft, die nicht abzusehen sind. Der vor zehn Jahren vom Stiftungsrat der Stiftung Preußischer Kulturbesitz abgesegnete Masterplan ist die Basis für die Wiederherstellung und Modernisierung der fünf historischen Häuser. Das Ensemble der Gebäude soll als Einheit fungieren, wobei die Autonomie der einzelnen Museen gewährleistet bleiben soll. Mit der Alten Nationalgalerie (75 Millionen Euro) und dem Bode-Museum (152 Millionen) an der Inselspitze, 2001 und 2006 wiedereröffnet, sind bereits zwei prominente Gebäude saniert und auf dem allerneusten Stand internationaler Museumstechnik. Bislang flossen eine Milliarde Euro in die Museumsinsel, die seit zwanzig Jahren auf der Liste des Unesco-Weltkulturerbes steht.

Als nächstes Projekt folgt die Realisierung der gläsernen James-Simon-Galerie im nächsten Jahr, dem zentralen Eingangsgebäude und Besucherzentrum der fünf Insel-Häuser, angelegt zwischen Neuem Museum und Kupfergraben. Nach einer Überarbeitung seines ersten Entwurfes durch David Chipperfield genehmigte der Deutsche Bundestag 2006 schließlich die Kosten von 73 Millionen. Fertigstellung: voraussichtlich 2013.

2012 soll mit der Restaurierung des Alten Museums gegenüber dem Berliner Dom begonnen werden. Die veranschlagten Kosten belaufen sich 128 Millionen Euro. Die imposante Freitreppe wurde bereits ausgebessert.

Die Generalsanierung des Pergamonmuseums läuft bereits seit einem Jahr - mit einer Million Besuchern jährlich Berlins attraktivstes Haus. Für dieses Projekt sind 350 Millionen Euro veranschlagt - eine Summe, die die Sanierungskosten aller anderen Häuser in den Schatten stellt. Die Krux der Sanierung: Jeweils zwei der drei Museumsflügel bleiben während der Baumaßnahmen fürs Publikum geöffnet.

Die Museumshöfe schaffen Platz

Allein Zustandsanalysen einzelner Exponate und Sofortmaßnahmen wie die Sanierung des Nordfrieses des Pergamonaltars und des Markttors von Milet schluckten drei Millionen. Das Architektenteam um O. M. Ungers plante, den Hof am Kupfergraben durch einen transparenten Verbindungsbau zu schließen, dort wird Monumentalarchitektur zu sehen sein. Die Eingangshalle der Achtziger soll ersetzt werden durch einen modernistischen Portikus. Beschlossen wird die Sanierung mit einem Neubau, dem vierten Museumsflügel.

Bescheiden mutet dagegen das Projekt "Museumshöfe" an - dieser Ergänzungskomplex liegt auf der gegenüberliegenden Uferseite des Bode. Der Bund stellt die rund 20 Millionen Euro zur Verfügung. Die denkmalgeschützte ehemalige Friedrich-Engels-Kaserne dient als "Kompetenzzentrum" der Staatlichen Museen, hier finden Archivare, Wissenschaftler, Restauratoren und die Verwaltung künftig ihren Platz. Auch ein Neubau ist in Planung. Durch diese Rochade gewinnen die Museen mehr Platz für ihre Ausstellungen.