Bodemuseum

100.000. Besucherin bei Renaissance-Schau

Das Bode-Museum begrüßt seine Jubiläums-Besucherin der Sonderausstellung mit Blumen und geführter Extratour. Bis zum Ende der Ausstellung rechnet das Museum noch einmal mit 100.000 Besuchern.

Foto: Glanze

Über die Brücke vor dem Bode-Museum, um die Ecke, entlang des Flusslaufs. Bis weit in die angrenzende Straße stehen die Kunstinteressierten. Wie jeden Tag warteten am Mittwoch Hunderte, um endlich die Ausstellung „Gesichter der Renaissance“ sehen zu dürfen. Eine Stunde harrten die Besucher in der Herbstsonne aus, bis sie beim Kassenhäuschen angekommen waren. Carolin Bartsch musste nicht warten. Sie wurde von den Kuratoren der Ausstellung persönlich mit einem Blumenstrauß aus der Warteschlange geholt – denn sie ist die 100.000. Besucherin der Ausstellung.

Zeitfenstertickets limitiert

Die Porträt-Gemäldesammlung aus dem 15. Jahrhundert ist seit Wochen stark gefragt. Die VIP-Tickets, mit denen sich Besucher im Internet einen Zeitpunkt reservieren konnten, sind längst vergriffen. „27.000 Stück davon haben wir ungefähr verkauft“, sagt Sprecherin Theresa Lucius. Die Zahl der Zeitfenstertickets sei limitiert, damit die Ausstellung nicht schon ausverkauft ist, bevor sie zu Ende ist. Jetzt nutzen die Veranstalter ein System, das die Wartezeit so kurz wie möglich halten soll und gleichzeitig auch Kurzentschlossenen noch bis zum letzten Ausstellungstag die Möglichkeit gibt, zu kommen. An der Kasse kaufen die Besucher ein Ticket mit einer Nummer. Wenn diese Nummer auf einem Monitor angezeigt wird oder per SMS-Benachrichtigung kommt, ist man an der Reihe. „Dieses System ist effizienter als starre Zeitfenster, weil die Ausstellung dann immer gefüllt ist und niemand unnötig lange warten muss“, sagt Theresa Lucius. In die Räume passen nur 300 Personen gleichzeitig. Geht jemand raus, darf ein anderer hinein.

Die 100.000. Besucherin, Carolin Bartsch, ist mit ihrem Bruder Felix Klötzke aus Brandenburg angereist, um die Porträtsammlung zu sehen. Über die überraschende Ehrung mit Blumenstrauß und Ausstellungskatalog freut sich die 28-Jährige. „Jetzt bekommen wir auch noch eine Spezialführung von den Kuratoren“, sagt Carolin Bartsch. Für Kunst interessiert sie sich schon seit ihrer Schulzeit, erzählt sie, aber im Museum sei sie schon länger nicht mehr gewesen. „Seit ich Mutter bin, komme ich zu so etwas nicht mehr so oft.“ Jetzt hat sie Urlaub, ihre Kinder sind in der Kita und ihr Bruder und ihre Mutter hatten auch Zeit. „Also haben wir uns gedacht, wie machen mal wieder etwas Kulturelles.“ Die meisten Berliner Museen haben sie schon gesehen, also sollte es die Sonderausstellung sein. Und nun betraten sie das Bode-Museum sogar als Ehrengäste.

Noch mal so viele Gäste erwartet

Die Zeit der Ausstellung wird bis zum 20. November optimal genutzt. Dann zieht die Sammlung weiter ins New Yorker Metropolitan Museum of Art. „Wir rechnen bis dahin noch mal mit 100.000 Besuchern“, sagt Theresa Lucius. Den Erfolg der Ausstellung führt sie vor allem auf die Qualität der Exponate zurück. „Wir haben die besten Renaissance-Portraits aus den besten Museen der Welt bekommen“, sagt sie. So habe das „Porträt einer Dame“ von Antonio del Pollaiuolo das Mailänder Museum für die Ausstellung zum ersten Mal seit 80 Jahren verlassen. „Es sind viele Ikonen dabei, viele weltbekannte Bilder.“

Damit meint sie vor allem das Bild am Ende des Rundgangs. Die „Dame mit dem Hermelin“ von Leonardo da Vinci. Das berühmte Gemälde aus dem späten 15. Jahrhundert ist nur noch bis zum 31. Oktober in Berlin, dann reist es nach London.

Die „Dame mit dem Hermelin“, um die sich stets eine ganze Traube Besucher schart, zeigt Kuratorin Sabine Hoffmann Carolin Bartsch auch bei ihrer Privatführung als 100.000. Besucherin. „Das Bild markiert das Ende der Geschichte des Porträts, die wir hier erzählen“, sagt Sabine Hoffmann. Die Ausstellung beginne dort, wo das Porträt in der Renaissance begonnen hat, eigenständige Kunstform zu sein. „Und sie endet mit der Hermelin-Dame. Einem Bild, das in seiner Dynamik schon sehr dem entspricht, was wir heute von einem Porträt erwarten.“