Architektenwettbewerb

Staatsoper-Sanierung – Der Sieger steht fest

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Stefan Kirschner

Monatelang hatte es Streit um den Umbau der Staatsoper gegeben. Die Berliner lehnten den Gewinner des ersten Architektenwettbewerbs als zu radikal modern ab. Das Projekt wurde neu ausgeschrieben – mit der Vorgabe, den alten Saal zu erhalten. Nun ist der neue Wettbewerb entschieden. Der Gewinner ist in Berlin kein Unbekannter.

Jetzt ist es amtlich: Das Stuttgarter Architekturbüro HG Merz hat den Zuschlag für die Sanierung der Staatsoper Unter den Linden erhalten. Das bestätigte eine Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Insgesamt hatten sich 21 Architekten um den Auftrag für den „denkmalgerechten Umbau, die Modernisierung und die Erweiterung der Staatsoper“ beworben. Im Sommer 2010 soll die auf drei Jahre angelegte Baumaßnahme, für die rund 240 Millionen Euro veranschlagt sind, beginnen. Die Staatsoper spielt dann vorübergehend im Schiller-Theater, das seit Anfang dieses Jahres zu einem Opernhaus umgebaut wird.

Der Gewinner der Ausschreibung ist kein Unbekannter in Berlin. Das von Hans-Günter Merz 1981 in Stuttgart gegründete Büro unterhält seit 1993 eine Niederlassung in der Hauptstadt. Bekanntestes Berliner Projekt war die Sanierung der Alten Nationalgalerie auf der Museumsinsel. Ein weiteres Großprojekt läuft noch: Voraussichtlich 2012 soll die Grundinstandsetzung der Staatsbibliothek (einschließlich eines Neubaus) beendet sein.

„Das freut uns sehr“, war die erste Reaktion von Hans-Günter Merz auf die Nachricht. Weil der Architekt weiß, dass die Sanierung der Staatsoper ein emotional hochaufgeladenes Thema in der Stadt ist, sandte er versöhnliche Signale aus. Er will demnächst mit Staatsopern-Generalmusikdirektor Daniel Barenboim und dem Landeskonservator Jörg Haspel sprechen, um die Lage zu sondieren und auszuloten, was möglich ist. Denn die beiden haben sehr unterschiedliche Vorstellungen vom künftigen Zuschauersaal. Während Barenboim sich aus akustischen Gründen für einen modernen Saal stark machte, favorisiert der Denkmalschutz eine „Pinselsanierung“. Im Rahmen dieser Maßnahme würde praktisch alles so bleiben wie es ist, aber frisch angestrichen.

Auf so eine „Pinselsanierung“ möchte sich Merz allerdings nicht beschränken: „Selbst Provinzopern wie die in Stuttgart kommen viel prächtiger daher als die Staatsoper in der Hauptstadt, das kann doch eigentlich nicht sein“, betonte der Architekt gegenüber Morgenpost Online. Die „größte Herausforderung“ der Baumaßnahme, die auch die Sanierung des benachbarten Intendanzgebäudes, des Magazins und einen unterirdischen Verbindungsgang umfasst, bleibt für Merz der Zuschauersaal, das Herzstück des Opernhauses. Sein Ziel ist „eine Verbesserung der Akustik und der Sichtverhältnisse“ – derzeit sieht man von einem Fünftel der Plätze nur eingeschränkt. Ob dazu viele „kleinere Maßnahmen wie die Verwendung geeigneterer Materialien ausreichen“, müsse man sehen. Auch eine Anhebung des Parketts will Merz nicht von vornherein ausschließen.

Auf sein frisches Grün verzichtete Merz nun

Rückendeckung bekommt Merz gleich von zwei Senatsverwaltungen. Die einstimmige Jury-Entscheidung sei „eine gute Nachricht für alle Freunde der Staatsoper und der Architektur Richard Paulicks“, betonte Kulturstaatssekretär André Schmitz. Das Architekturbüro HG Merz habe „mit seinem großartigen und hochsensiblen Wiederaufbau der Alten Nationalgalerie eine Symbiose zwischen denkmalgerechter Sanierung und den funktionalen Ansprüchen eines modernen Kulturbetriebes gefunden, auf die wir nun auch für die Staatsoper hoffen dürfen“. Und die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung stellt vorsichtshalber schon im Vorfeld klar, dass „die Akustik und die Sichtlinien im Rahmen einer denkmalgerechten Sanierung verbessert werden“.

Das ist nicht ohne Brisanz, denn an der offensichtlichen Unversöhnbarkeit dieser Verbesserungen mit den Erwartungen des Denkmalschutzes war der erste Wettbewerb zur Sanierung der Staatsoper im vergangenen Jahr gescheitert. Gewonnen hatte ein Entwurf des Berliner Architekten Klaus Roth, der einen neuen, modernen Saal vorsah. Nachdem es öffentliche Proteste hagelte, hob Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit das Verfahren im Juli auf. Es kam zu einer Neuausschreibung, bei der festgelegt wurde, dass der von Richard Paulick in den 50-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts in Anlehnung an die Formensprache des friderizianischen Rokoko neu geschaffene Saal denkmalgerecht saniert werden muss.

An dem ersten Wettbewerb hatte sich auch das Architekturbüro HG Merz beteiligt. Der damals eingereichte Entwurf kam allerdings nicht unter die ersten drei, was möglicherweise auch an der auffallend grünen Farbgebung lag. Auf den Ton lässt Merz nichts kommen, auch Paulick habe ursprünglich damit geplant, aber schließlich doch auf klassisches Rot gesetzt. Aber Merz hat keine Probleme damit, diesmal auf Grün zu verzichten, „obwohl es frischer aussieht“.

Problematischer als die Farbgebung dürfte allemal der Zeitplan sein. Den will Berlins Regierender Bürgermeister auf jeden Fall einhalten, auch wenn durch die Neuausschreibung im Prinzip ein Jahr verloren gegangen ist. Bis Mitte Juli, so die ehrgeizige Vorgabe, soll die Gesamtplanung der Baumaßnahme vorliegen. Vier Monate Zeit um 240 Millionen Euro zu verplanen – das dürfte ähnlich schwer fallen wie das Zerstreuen der Bedenken der Denkmalschützer.