Parkraum-Bewirtschaftung

Studie empfiehlt Parkzonen für Prenzlauer Berg

Bald könnten auch in den Szenekiezen von Prenzlauer Berg überall Parkscheinautomaten stehen. Dies rät eine Studie, die im Auftrag des Bezirksamts Pankow erstellt wurde. Das kostenpflichtige Parken soll aber vergleichweise günstig bleiben. Die Experten empfehlen einen Euro pro Stunde.

Foto: dpa / DPA

Prenzlauer Berg braucht eine Parkraumbewirtschaftung, zumindest in den Szenekiezen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die das Verkehrsplanungsbüro LK Argus im Auftrag des Bezirksamtes Pankow angefertigt hat.

Die Experten untersuchten ein Gebiet, das im Norden und Nordosten von der S-Bahn-Strecke begrenzt wird und bis zur Torstraße und Mollstraße reicht. Etwa 19.000 öffentliche Stellplätze gibt es laut LK Argus in diesem Areal. Die Verkehrsplaner haben zwei Varianten entwickelt. Die eine schlägt das kostenpflichtige Parken nur in einem Kernbereich vor. Dazu gehören die Gebiete am Helmholtzplatz, im Umfeld von Sredzkistraße, Belforter Straße, der nördlichen Torstraße und Oderberger Straße. Betroffen sind fast 77.00 Stellplätze. 44 Mitarbeiter müsste das Ordnungsamt zur Kontrolle einsetzen. 280 Parkscheinautomaten müssten aufgestellt werden.

Parken soll von Montag bis Freitag, 9-20 Uhr, und sonnabends, 9-18 Uhr, kostenpflichtig sein. Die Planer von LK Argus gehen davon aus, dass schon die geringstmögliche Gebühr von einem Euro je Stunde eine ausreichende Wirkung zeigen wird. Anwohner können Vignetten für 20,40 Euro erwerben. Sie gelten zwei Jahre.

In der zweiten Variante kommen noch die Gebiete am Falkplatz, an der Christburger Straße, Immanuelkirchstraße und Am Prenzlauer Berg hinzu. Betroffen sind dann 12700 Stellplätze. 70 Kräfte wären für die Kontrolle erforderlich, 460 Automaten aufzustellen. Ohne Parkscheinautomaten sollen das Bötzowviertel, die Grüne Stadt an der Greifswalder Straße und der Thälmannpark bleiben.

„Die Studie ist überzeugend“, sagt Jens-Holger Kirchner (Grüne), Pankows Stadtrat für öffentliche Ordnung. „Und sie ist sicher hinsichtlich der Einnahmen und Ausgaben.“ Die jährlichen Einnahmen könnten für Variante eins bei 1,4 Millionen Euro liegen und für Variante zwei bei 2,3 Millionen Euro. Der Überschuss, den das Bezirksamt erzielen kann, liegt der Studie zufolge bei 250000 bis 470000 für Variante eins. Für Variante zwei wurden 740000 Euro bis 1,1 Millionen Euro errechnet.

Die Parkgebühren sollen bewirken, dass Berufspendler darauf verzichten, das Auto zu nutzen und stattdessen mit öffentlichen Verkehrsmitteln an den Arbeitsplatz in Prenzlauer Berg fahren. Dadurch werden Stellplätze für Anwohner und für Besucher frei. Die Studie empfiehlt neben der Parkraumbewirtschaftung auch, mehr Carsharing-Stellplätze auf öffentlichem Straßenland zu schaffen und mehr Abstellplätze für Fahrräder.

Jetzt beraten die Fraktionen der Bezirksverordneten-Versammlung die Untersuchung. Ein Aktionsbündnis aus Vereinen, Anwohnern und Betroffenenvertretungen unterstützt die Einführung der Parkraumbewirtschaftung. Bis Mitte Mai wollen die BVV und das Bezirksamt Pankow einen Beschluss fassen. „Dann beginnen wir mit der Umsetzung“, sagt Stadtrat Jens-Holger Kirchner. „Ich vermute, es wird eine erweiterte Variante eins.“ Ein Dreivierteljahr bis zu einem Jahr werde es dauern, bis alle Vorkehrungen getroffen seien. „Im Frühjahr 2010 könnte die Parkraumbewirtschaftung beginnen.“ Jetzt liegt die mittlere Auslastung der Stellplätze bei 110 Prozent. Sie könnte dann auf 85 Prozent sinken.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) lädt am 5. März, 19 Uhr, zur Diskussion über die Machbarkeitsstudie ein. Der Verkehrsingenieur Eckardt Heinrichs wird die Untersuchung im BVV-Saal, Fröbelstraße 17, den Anwohnern und Gewerbetreibenden vorstellen.