Sanierung

Bahn lässt Reisende am Ostkreuz im Regen stehen

Vom nächsten Jahr an werden sich Reisende im S-Bahnhof Ostkreuz wetterfest anziehen müssen. Denn dort wird der Ringbahn-Bahnsteig abgerissen und für vier Jahre durch ein Provisorium ersetzt. Der Ausweichbahnsteig hat allerdings kein Dach - obwohl täglich bis zu einhunderttausend Fahrgäste in Ostkreuz umsteigen.

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Im Zuge der Modernisierung des S-Bahnhof Ostkreuz soll im Herbst der altersschwache Bahnsteig für die Ringbahn abgerissen werden. Vom letzten August-Wochenende an werden die Züge der Linien S41, S42, S8, S85 und S9 am künftigen Bahnsteig für die Regionalbahn halten. Der Ausweichbahnsteig, der erst noch gebaut werden muss, wird allerdings einen Makel haben: Er hat kein Dach. Lediglich einige Unterstände in der Größe von Bus-Wartehäuschen hat die Bahn für das „Provisorium“ vorgesehen, das allerdings bis 2013 oder 2014 – also mindestens vier Jahre lang – von der S-Bahn so genutzt werden soll.

„Bei einem so stark frequentierten Bahnhof wie dem Bahnhof Ostkreuz geht so etwas einfach nicht“, kritisiert Jens Wieseke vom Berliner Fahrgastverband Igeb das Konzept der Deutschen Bahn. Zumal es gerade auf den in einiger Höhe liegenden Bahnsteigen für die Ringbahn stets sehr zugig ist. Das Fahrgastverband fordert von der Bahn einen deutlichen besseren Witterungsschutz für die bis zu einhunderttausend Fahrgäste, die täglich in Ostkreuz ein-, aus- oder umsteigen. „Wenigstens ein Wetterdach von 30 bis 40 Metern Länge müsste es auf dem Ringbahnsteig geben“, fordert Jens Wieseke.

Bahn hält Wartehäuschen für ausreichend

Die Bahn sieht dafür keine Notwendigkeit. „Da hält sich ja keiner ewig auf“, sagt ein Bahnsprecher. Der provisorische Bahnsteig werde nach dem Vorbild von Adlershof und Baumschulenweg ausgestattet, wo die S-Bahn während der laufenden Modernisierung der Haltepunkte ebenfalls ausweichen muss.

Die ursprüngliche Planung der Deutschen Bahn für den Ostkreuz-Umbau sah durchaus ein durchgehendes Dach auch für den Bahnsteig für den Regionalverkehr vor. Doch da zunächst nach den Bestellungen der Länder Berlin und Brandenburg nur wenige in Nord-Süd-Richtung fahrende Regionalzüge in Ostkreuz halten sollen, stellte die Bahn die bereits in Info-Broschüren eingezeichnete Überdachung zurück. Stattdessen sollen nun nur ein Handvoll Wartehäuschen aufgestellt werden. Auf diese Weise ließen sich Baukosten in Höhe von acht Millionen Euro sparen.

Für den Fahrgastverband ist die Gleichsetzung des Bahnhofs Ostkreuz mit Stationen wie Baumschulenweg und Adlershof nicht nachvollziehbar. Schon jetzt würden täglich bis zu 80000 Fahrgäste den Ringbahnsteig nutzen. Ab Sommer 2009 sollen zudem mehr S-Bahn-Züge als zuvor auf der Ringbahn fahren. Denn da zeitgleich die Gleise der Südkurve am Ostkreuz demontiert werden, will die Bahn-Tochter ihr Linienkonzept entsprechend ändern. So wird die Linie S9 vom Flughafen Schönefeld ab Ende August nicht mehr über die Verbindungskurve bis Spandau, sondern über den Ring bis nach Blankenburg geführt. Auf dem Ostring ergebe sich daraus tagsüber ein Mehrangebot, so die S-Bahn.

Zumindest ab 2014 können die Fahrgäste dann mit deutlich mehr Bequemlichkeit rechnen. Spätestens dann soll der neue S-Bahnsteig für die Ringbahn stehen. Dieser wird dann von einer 132 Meter langen und 40 Meter breiten Bahnhofshalle überdacht.

Finanzierung der Bahnhofshalle gesichert

Auch dieses Vorhaben stand zeitweise auf der Kippe. Wollte der Bund doch weniger als ein Drittel der mit zehn Millionen Euro veranschlagten Baukosten tragen. In fast einjährigen Verhandlungen hat sich die Bahn jetzt mit dem Senat über die Restfinanzierung geeinigt. Im Ergebnis will das Land drei Millionen Euro und der Bund zwei Millionen Euro der Baukosten begleichen. Die Bahn bezahlt den Rest.

An den Gesamtkosten für den bis 2016 geplanten Komplett-Umbau des Bahnhofs Ostkreuz in Höhe von 411 Millionen Euro soll sich dadurch aber nichts ändern.