Mediaspree

Bar 25 – eine Clublegende kämpft ums Überleben

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Tina Molin

Foto: Michael Brunner

Vor fünf Jahren hatte die Bar 25 mit zwei Kästen Bier angefangen. Schnell wurde der Szenetreff am Spreeufer ein Magnet für Clubtouristen aus aller Welt – mit heute 100 Angestellten. Doch Grundstückseigentümer BSR will das Gelände räumen lassen – eigentlich bereits an diesem Freitag. Doch nun gibt es eine Schonfrist für Verhandlungen.

Die schillernde Discokugel zwischen den Bäumen dreht sich nicht mehr. Der Club ist zugesperrt, die Sauna außer Betrieb. Die legendäre Bar 25 an der Holzmarktstraße 25 in Friedrichshain, die weltweit bekannt ist und Clubtouristen aus Rio, Rom und Reykjavik anlockt, hat geschlossen. Das Grundstück soll geräumt und verkauft werden.

Am Mittwochabend ist dort über die Zukunft des Szenetreffs diskutiert worden. Es tagte der "Sonderausschuss Spreeraum" der Bezirksverordnetenversammlung (BVV), der nach dem erfolgreichen Bürgerentscheid "Spreeufer für alle!" im Juli gegründet wurde; 87 Prozent der Friedrichshainer und Kreuzberger Bürger hatten gegen den Verbau des Spreeufers gestimmt.

An den Holztischen in der Bar 25 sitzen Vertreter der BVV, der Initiative "Mediaspree versenken", Bezirksbürgermeister Franz Schulz (Grüne), und Wirtschafts-Staatssekretärin Almuth Nehring-Venus hat sogar ihren Urlaub verkürzt, um teilnehmen zu können. Im Kamin knistern Holzscheite, auf den Tischen stehen Körbe voller Erdnüsse und Mandarinen, eine dicke schwarz-weiße Katze streift über den Boden. "Das ist ja gemütlich hier", sagt die Staatssekretärin und schaut sich interessiert im hölzernen Raum um, der bisher im Sommer als Restaurant gedient hat.

Die Bar 25 kann man jetzt schon als "Club-Legende" bezeichnen. "Wir haben hier vor fünf Jahren mit zwei Kästen Bier begonnen, nun haben wir 100 Angestellte", sagt Juval Dieziger, einer der vier Betreiber. Idyllisch am Spreeufer zwischen uralten Bäumen steht die Holzhütte, die aussieht wie ein Country-Saloon. Die Betreiber haben die "Ranch" selbst gebaut, wohnen auch auf dem Gelände wie in einer Hippie-Kommune und haben ihr ganzes Herzblut in das Projekt gesteckt. Es gibt Theater- und Kinoabende, ein Sauna, ein Label und eine Radiostation. Man sitzt am Lagerfeuer und sieht den Schiffen auf der Spree zu, und das hauseigene Restaurant hat bereits Firmenfeiern von Hugo Boss, Universal Music und Adidas verköstigt.

Am Wochenende verwandelte sich die "Bar" zum Club. Drei Tage durchfeiern, Narrenfreiheit, Star-DJs, die hier wie selbstverständlich auflegen, und die Mischung aus Hippies, Ravern und Prominenten wie US-Regisseur Quentin Tarantino haben die Bar rund um den Globus bekannt gemacht.

Räumung ausgesetzt

Zu Beginn der Sitzung gibt es die erste Enttäuschung. Der Vertreter der Berliner Stadtreinigung BSR, Eigentümerin des Grundstücks, kann nicht erscheinen - außerdem möchte er nicht in der Bar 25 über die Bar 25 diskutieren. Ein Raunen geht durch den Raum, die Staatssekretärin wirbt um Verständnis: "Man befindet sich im Rechtsstreit, das müssen sie verstehen", sagt sie. Drei Kündigungen hat die BSR bereits verschickt, unter anderem wegen der Sanierung der maroden Kaimauer und der Altlasten auf dem Gelände. Am 12. Dezember wird die Rechtsmäßigkeit der ersten Kündigung am Landesgericht Berlin verhandelt.

Ursprünglich sollte das Gelände am Freitag geräumt werden, doch die Räumung wird bis zur Gerichtsverhandlung ausgesetzt. Bis dahin haben die beiden Parteien also noch Zeit, eine außergerichtliche Einigung zu erzielen, doch die Situation scheint verfahren.

Die BSR möchte das Grundstück veräußern. Investoren können jedoch nur angelockt werden, wenn das Gelände "besenrein" ist, also ohne Mieter. Die Bar 25 möchte hingegen so lange bleiben, bis gebaut wird - und da noch kein Investor gefunden ist, könnte das noch einige Jahre dauern. "Wenn ein Investor da ist, dann räumen wir mit dem Tag das Areal", sagt Juval Dieziger. "Können Sie das versprechen?", hakt der Vorsitzende des Ausschusses nach. "Ja", antwortet Dieziger, Zustimmung auch aus Richtung Bar. Dort stehen die anderen Betreiber, Bewohner und Mitarbeiter und nicken heftig.

"Will die Politik die Bar erhalten?"

Doch es bleibt die entscheidende Frage, die Michael Schmidt stellt, der bei der Clubcommission, dem Zusammenschluss Berliner Clubbetreiber, für juristische Belange zuständig ist: "Will die Politik die Bar 25 erhalten?"

Eine Frage, die man sich auch bei anderen betroffenen Clubs stellt. Die Strandbar des White Trash, die ebenfalls auf dem BSR-Gelände zuhause ist, steht vor dem gleichen Problem wie die Bar 25. Der Mietvertrag vom Yaam ist ausgelaufen, das Gelände an die spanischen Investoren Urnova verkauft. "Wir wollen verhandeln", sagt Betreiber Ortwin Rau, doch der Investor nimmt keinen Kontakt zu ihnen auf. Das Areal, auf dem sich der Club Maria befindet, gehört dem Liegenschaftsfond und ist noch nicht verkauft. "Wir hoffen, dass es noch lange so bleibt", sagt Inhaber Ben De Biel.

Wie es mit der Bar 25 weitergeht, ist auch am Ende der Sitzung noch unklar. Der Sonderausschuss wird sich am 12. November erneut mit dem Thema befassen, dann aber nicht auf dem Gelände. Wie die Grünen-Vertreter im Ausschuss mitteilen, wird dann auch ein Vertreter der BSR erscheinen.

Die Grünen fordern eine große Grünfläche auf dem Teil des BSR-Grundstücks zwischen Bahndamm und Spreeufer, auf dem sich Bar 25 und White-Trash-Strandmarkt befinden. Diese Forderung unterstützt der Initiativkreis "Mediaspree versenken".