Einzelhandel

Umstrittenes Shoppingcenter Alexa feiert Jubiläum

Immer wieder sorgte das Einkaufszentrum Alexa in Berlin-Mitte für negative Schlagzeilen, zuletzt mit Klaus Wowereits Äußerung "Ist das hässlich!". Wenigstens den Investoren gefällt der rosa Betonklotz, strömten doch Millionen Kunden in die Mall. Doch die ersten Mieter haben schon wieder aufgegeben.

Selbst auf einem Platz, gegen den das Märkische Viertel wie ein Meisterwerk vollendeter Architektur-Komposition wirkt, hat es Einkaufszentrum Alexa geschafft, permanent negativ aufzufallen. Von den 15 Verletzten in der ersten Verkaufsnacht bis zum jüngsten Wowereit-Bonmot („Ist das hässlich“). Ein Jahr liegt die Eröffnung am Alexanderplatz zurück. Die Betreiber zeigen sich zwar vom bisherigen Ergebnis begeistert und feiern gar die Zahl kritischer Berichte als „indirekten Marketingeffekt“. Aber nicht alle Kunden und Ladenbetreiber teilen diese Euphorie.

Zwölf Millionen Besucher zählte Alexa, das Projekt der portugiesischen Einkaufszentrum-Aufsteller Sonae Sierra, seit September 2007. Das seien neun Millionen mehr als erwartet, sagt deren Deutschlandchef Thomas Binder. Was dies in Umsatzzahlen heißt, behält er allerdings für sich. Damit ist der Wert der Alexa als Kaufhaus für Außenstehende nicht zu bewerten, denn bekanntlich ziehen Passagen gern Menschen an, die „einfach mal nur gucken“ kommen. Alexa jedenfalls sei laut Sonae Sierra nach Umsatz gemessen ein „Flaggschiff“ des Unternehmens.

Drei Geschäfte sind wieder raus

Nur zwei der 180 Läden stehen momentan leer, nicht mehr als drei Geschäfte haben sich seit der Eröffnung verabschiedet. Und viele arbeiten gern in der Alexa.

Verena Ortmann von der Parfümerie Douglas etwa freut sich über den großen Publikumsandrang, über internationale Kunden. Stets lieber im Einkaufszentrum als in einer früheren Station, einer Zweigstelle in Zehlendorf, würde sie verkaufen. Simone Karge, die in Mystica Fashion Gruftie-Mode und Accessoires verkauft, genießt die kleinen Freuden einer Passage, etwa das Klima – „keine Kleiderständer, die man wie in unserer Filiale an der Budapester Straße schnell hereinholen müsste“, sagt sie.

Bei manchem Händler dagegen, der – wie viele hier – seine Stunden weitgehend einsam verbringt, ist der Unmut groß. „Das haben sich die Betreiber der Alexa bestimmt anders vorgestellt“, sagt ein Verkäufer in CD-, DVD- und Merchandisinggeschäft Cover-Music. Sein Chef Nestoras Nicolaou klagt über „zu wenig Laufpublikum“ in seinem Flügel der Passage. „In so einem Einkaufszentrum kommen immerhin viele Kilometer zusammen.“ Zieht er Konsequenzen? „Leider haben wir hier noch sechs Jahre vor uns“ erwidert Nicolaou.

Viele haben Zehnjahresverträge

Die meisten in der Alexa hätten sogar Zehnjahresverträge unterzeichnet. Die Zahl der Kilometer mag jene jungen Besucher inspirieren, die bei McDonald's Schlange stehen, in ausgewählte Boutiquen massenhaft einfallen oder an Speisetheken sich Pizza und iPod-Köpfhörer teilen. Seniorenpaar Erika und Wolfgang Monsch jedoch ist ein Unbehagen anzumerken. „Uns ist das zu weitläufig“, sagt der 74-jährige Monsch. Wie bei TV-Einschaltquoten befinden sie sich außerhalb der Schwerpunktgruppe. Der Anteil der Kunden zwischen 16 und 44 Jahren beträgt in der Alexa 77 Prozent.

Da liegt Anja Papies mittendrin. Aber wohl fühlt auch sie sich nicht. Eilig schiebt sie ihr Baby im Kinderwagen durch die Flure. Eine Mutter auf der Flucht. „Diese Bedröhnung mit Musik ist für mich und meinen Sohn furchtbar.“ Manchmal bitte sie in Geschäften, die Lautstärke zu reduzieren.

Andererseits mag sie sich den Vorzügen des für sie in der Nachbarschaft liegenden 56000-Quadratmeter-Shoppinghauses nicht entziehen. „Man kann hier in kurzer Zeit viele Einkäufe abarbeiten.“ So wird sie also wiederkehren. Nicht so Ehepaar Monsch. „Ich denke, dass wir nicht zurückkommen“, sagt Wolfgang Monsch. „Höchstens mal mit Besuch von auswärts. Die Alexa ist für uns wie der Fernsehturm: den schaut man sich ja auch nicht mal so außer der Reihe an.“

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