Stadtplanung

Warum Wowereit den Alexanderplatz hässlich findet

Sein Amtssitz, das Rote Rathaus in Mitte, steht nur wenige Hundert Meter vom Alexanderplatz entfernt. Doch erst jetzt fällt dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit auf, wie unattraktiv das Areal ist. "Hässlich" findet er nicht nur die Fassade des Einkaufszentrums Alexa.

Beim Anblick des Alexanderplatzes von der Dachterrasse im „Haus des Reisens“ an der Alexanderstraße hielt es den Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) nicht mehr. „Ist das hässlich“, entfuhr es ihm mit Blick auf die massive Betonfassade des im Bau befindlichen Geschäftshauses „die neue mitte“ und auf das rosafarbene Einkaufszentrum Alexa.

Der Bürgermeister hatte am Donnerstag die parlamentarische Sommerpause genutzt, um sich auf einer „städtebaulichen Busrundfahrt“ gemeinsam mit Stadtentwicklungssenatorin und Parteifreundin Ingeborg Junge-Reyer einen Überblick des Baugeschehens in der Stadt zu verschaffen. Zur Tour zählten neben dem Alex unter anderem auch das Entwicklungsgebiet Mediaspree in Friedrichshain-Kreuzberg.

Am Alex, daraus machte der Regierende also gar keinen Hehl, entspricht das, was dort im Entstehen ist, keinesfalls seinem Geschmack. „Dem Gebäude fehlen zur Straßenseite die Fenster“, kritisierte er beim Anblick der hoch aufragenden Betonwand. Im Zusammenspiel mit dem benachbarten „Alexa“, das sich ebenfalls auf seiner Kehrseite durch „massive Hässlichkeit“ auszeichne, entstehe ein Ensemble, das „um die Attraktivität des gesamten Alex fürchten lasse“. Er hoffe, so der Regierende weiter, dass künftig so etwas nicht mehr genehmigt werde.

Wowereit will mit den Anrainern eine Lösung finden

Die Stadtentwicklungssenatorin überließ es ihrem Abteilungsleiter Manfred Kühne, dem Regierenden die Planungen für den Platz nahe zu bringen. „Die massive Betonwand wird noch mit Scheinfestern verkleidet“, erklärte der Stadtplaner. Und die Rückseite des Alexa-Gebäudes sowie auch das Projekt „die neue Mitte“ hätten jeweils zu einer Seite deshalb so abweisend wirkende Brandwände, weil dort Planungsrecht für den Bau von Hochhäusern bestünde. Die Planungen dafür gingen auf das städtebauliche Leitbild aus den 1990er Jahren zurück, das den Bau mehrerer Hochhäuser vorsieht. Für die jedoch, räumte Kühne ein, gebe es keine konkreten Bauabsichten.

Auch die mangelnde Sauberkeit des Platzes gab dem Regierenden Anlass zur (Selbst-)Kritik: „Da haben wir eine neue Pflasterung mit hellem Granit, die mit Millionen alter Kaugummis verunziert ist“, so der Bürgermeister. An diesem touristisch so wichtigen Ort sei das nicht akzeptabel. „Wir sind derzeit dabei, mit den Anrainern, der BSR und allen Beteiligten eine Lösung für das Problem zu finden“, versprach Wowereit.

Bei der anschließenden Besichtigung des Entwicklungsgebietes Mediaspree – dem dortigen Bauvorhaben hatten die Anwohner in Friedrichshain-Kreuzberg per Bürgerentscheid im Juli mehrheitlich eine Absage erteilt - war Wowereit hingegen voll des demonstrativen Lobes. „Hier haben wir einen zentralen Ort in der Stadt, der bislang kaum erschlossen und nicht öffentlich zugänglich war“, so der Bürgermeister. Dem Freizeitbedürfnis der Bevölkerung werde mit der geplanten durchgängigen Öffnung des Uferbereichs Rechnung getragen. „Den Uferstreifen auf einer Breite von 50 Metern freizuhalten“, wie mit Bürgerentscheid gefordert, sei „einfach unsinnig“.

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