Eigentlich wäre das „893 Ryōtei“ eine neue Frühstücksentdeckung: Das Omelette ist schlichtweg großartig. Doch die neue Gastro-Adresse an der Kantstraße hat mit morgendlichen Öffnungszeiten nichts am Hut, mit schnöder Frühstückskultur auch nicht. Vielmehr ist das japanische Restaurant ein Beispiel dafür, dass hippe Restaurants das alte West-Berlin entdecken, sich dabei aber in teils affektierter Mitte-Manier verhalten.
Kantstraße 135: eine lange, verspiegelte, mit Graffiti besprühte Fassade, die an alte Import-Export-Zeiten auf der Hauptverkehrsachse erinnert. Um 19.30 Uhr leuchtet über der Eingangstür eine Zahl auf, die 893. Es gibt einen kleinen Empfangstresen mit Garderobe. Eine der jungen Bedienung an den Tisch. Ob es schon eine Flasche Wasser sein dürfe, wird schnell gefragt. Die in Englisch gehaltene Karte liest sich spannend, bietet Sushi, Unerwartetes wie „Ceviche Mexiko“, Thunfisch mit Foie gras oder Tatar mit Ingwer, Chili, Crème fraîche und Saiblingskaviar.
Für zwei Kleinigkeiten reicht das Budget, für ein Omelett mit Käse und Tonkatsu Sauce aus der Rubrik „Empfehlungen des Chefs“ und drei kleine Sashimi Taquitos, Lachs mit Avocado auf weichen Tortilla-Kreisen. Es ist sehr dunkel rund um die große offene Küche, was nicht nur an der Beleuchtung, sondern an dem Faible für Schwarz beim Interieur liegt. Beide Gerichte hingegen sind in punkto Farbe und Anrichtung ein Genuss, dem der Geschmack in nichts nachsteht.
Passend zur modernen Japanküche sind auch die Weine. Dass Riesling bestens zu asiatischen Gerichten passt, weiß man hier. Die angeforderte Rechnung wird dann salopp in einem Schälchen fast schon auf den Tisch geknallt. Mit gutem Service hat das, auch in einem hippen Laden, nichts zu tun.
893 Ryōtei Kantstr. 135, Charlottenburg, Di– Sbd ab 18.30 Uhr, Tel. 91 70 31 21, 893ryotei.de





