Weihnachten im Hotel – für Sonja Kardorf gehört das zu ihrer Kindheit. „In den Weihnachtsferien waren wir oft Skifahren, meist in Österreich“, sagt sie. Die Familie hat die Feiertage dann in einem Hotel verbracht. „Dort war immer etwas los. Das Wichtigste aber war: Es gab dort viele Kinder, mit denen ich Weihnachten feiern konnte.“
Die Bescherung fand damals entweder im Hotelzimmer statt oder in der Lobby unter einem großen Weihnachtsbaum. „Geschenke waren mir schon damals nicht so wichtig“, sagt Sonja Kardorf. „Mir ging es vor allem um das gemeinsame Feiern – und natürlich ums Skifahren.“
Sonja Kardorf, heute im Vorstand der Investitionsbank Berlin (IBB), ist als Einzelkind groß geworden. Sie mochte es deshalb sehr, mit anderen Kindern zusammen zu sein. Gemeinsam Geschenke auspacken, damit spielen, zwischendurch etwas Leckeres essen – so hat sie diese Weihnachtsfeste in Erinnerung. „Mit meiner eigenen Familie – meinen beiden Töchtern und meinem Mann – feiern wir inzwischen viel traditioneller“, sagt die 43-Jährige und lacht. Das sei ihr jetzt, beim Nachdenken über Weihnachten, erst so richtig aufgefallen.
Ein Weihnachtsfest mit internationalem Flair
„Wir sind zu Hause, haben einen Weihnachtsbaum, gehen vor der Bescherung in die Kirche, singen Weihnachtslieder und essen später gemeinsam.“ Verglichen mit den Weihnachtsfesten ihrer Kindheit, die wegen der Hotelgäste aus allen möglichen Ländern immer etwas sehr Offenes, manchmal sogar Internationales gehabt hätten, sei das fast schon ein wenig spießig.
Doch auch wenn sie Weihnachten anders feiert als früher, einen Brauch aus ihrer Kindheit hat Sonja Kardorf übernommen – das Plätzchenbacken. Früher hat sie das gemeinsam mit der Großmutter gemacht. „Sie war eine begnadete Köchin und Bäckerin.“ Sie haben Butterplätzchen gebacken, Vanillekipferl und Spritzgebäck. „So richtig mit Spritztüte“, sagt Sonja Kardorf.
„Wir haben 250 Plätzchen gebacken“
Mit der Geburt ihrer großen Tochter habe sie diese Tradition wieder aufgenommen. „Anfang Dezember lade ich Freundinnen ein und wir backen zusammen.“ Inzwischen macht sogar die kleine Tochter schon mit. Meist backen sie Butterplätzchen, die mögen alle in der Familie. In diesem Jahr waren sie besonders produktiv. „Wir haben 250 Plätzchen gebacken.“ Sonja Kardorf lacht: „Sämtliche Keksdosen, und davon gibt es in unserem Haushalt nicht wenige, sind gut gefüllt.“ Die Plätzchen seien diesmal zwar etwas süß geraten, die Töchter, zwei und elf Jahre alte, hätten sie sehr großzügig mit bunten Streuseln versehen. „Der Nachfrage schadet das aber nicht.“
Sogar nach New York sind Sonja Kardorfs Freundinnen gekommen, um mit ihr Plätzchen zu backen. Dreieinhalb Jahre hat sie dort mit der Familie gelebt und für die WestLB AG gearbeitet. „Ich mag diesen ganzen Weihnachtsschmuck in New York, diese überdimensionale Beleuchtung, auch wenn es oft richtig kitschig ist“, sagt sie. Das zeige die Begeisterungsfähigkeit der US-Amerikaner. Besonders schön sei jedes Mal der Weihnachtsbaum am Rockefeller Center. „Ein riesiges, glitzerndes Etwas.“
Doch auch Berlin habe in der Vorweihnachtszeit einiges zu bieten. „Ich mag die vielen Weihnachtsmärkte. In Düsseldorf hatten wir nur einen“, sagt die Bankerin. Sonja Kardorf lebt seit Juni dieses Jahres in der Stadt. Seitdem gehört sie zum Vorstand der Investitionsbank Berlin. Ihre Familie wohnt noch in Düsseldorf. Der Umzug ist erst für Februar geplant. Das Haus, in das sie dann einziehen wollen, muss noch hergerichtet werden.
Berlin kennen Sonja Kardorf und ihre Familie bisher nur von Kurzbesuchen. Damit sich das ändert, haben sie schon mal eine erste gemeinsame Exkursion geplant. Am vierten Advent wollen sie einen vorweihnachtlichen Hauptstadtausflug machen. „Ich habe mir sagen lassen, dass der Weihnachtsmarkt auf der Domäne Dahlem schön sein soll“, sagt Sonja Kardorf. Auch der auf dem Gendarmenmarkt ist ihr von Kollegen empfohlen worden. Am Ende werden wohl ihre Töchter entscheiden, wohin es geht und welcher dieser Märkte künftig der „Kardorfsche Weihnachtsmarkt“ sein wird.
Am Heiligabend stand der Fonduetopf in Flammen
Den Heiligabend wird die Familie in diesem Jahr nicht im eigenen Zuhause, sondern bei den Großeltern in Frankfurt feiern. Das hat mit dem bevorstehenden Umzug zu tun. In Düsseldorf ist vieles schon eingepackt. Doch schon im nächsten Jahr soll alles wieder so sein wie immer. „Dann treffen wir uns alle in unserem neuen Haus in Berlin. Großeltern, Onkel und Tanten“, sagt Sonja Kardorf. Nach der Bescherung wird es dann auf jeden Fall Fondue geben. Auch das ist eine Familientraditionen, an der die Bankerin festhält.
„Fondue ist eine gute Alternative für die, die es gern einfach und unkompliziert haben. Man muss nur die Zutaten zerschneiden und ein paar Soßen zubereiten“, sagt sie. Fertig sei ein festliches und gemütliches Abendessen, „bei dem man nicht hetzen muss und sich unterhalten kann, ohne dass man dauernd den Mund voll hat“.
Mit diesem Festessen ist für Sonja Kardorf eine besondere Weihnachtserinnerung verbunden. „Schon bei meinen Eltern gab es Heiligabend Fondue“, sagt sie. Jedenfalls immer dann, wenn sie mal nicht im Hotel gefeiert haben. „Einmal stand der ganze Topf in Flammen.“ Irgendwer hatte wohl zu viel Spiritus hineingegossen. „Mein Vater hat den Brand zum Glück schnell gelöscht.“ Einen gewaltigen Schreck haben sie trotzdem alle bekommen. Bis heute sind die Kardorfs deshalb besonders vorsichtig mit offenem Feuer, vor allem in der Weihnachtszeit. Seit die Kinder da sind, wird das Fondue außerdem auf einer Elektroplatte warm gemacht.
Vita: Sonja Kardorf hat nach dem Abitur eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Commerzbank AG in Frankfurt am Main gemacht. Danach studierte sie an der Bankakademie, die sie mit dem Diplom zum Bankfachwirt abschloss. Der ersten Anstellung im Privatkundengeschäft der Commerzbank AG Düsseldorf folgten Jahre bei der HypoVereinsbank AG und der WestLB AG, für die sie auch in New York tätig war. Im Juli 2014 ist sie in den Vorstand der Investitionsbank Berlin berufen worden.





