Noch 18 Tage. Dann ist Heiligabend. Wer bis jetzt noch kein Geschenk besorgt hat, kann außer am heutigen Sonnabend auch am morgigen Sonntag, den 2. Advent, loslegen.

Dann haben nach Schätzungen des Hauptgeschäftsführers des Handelsverbandes Berlin-Brandenburg, Nils Busch-Petersen, „5000 bis 6000“ Geschäfte in Berlin geöffnet. Allerdings müssen sich die Ladenbesitzer Mühe geben, die Kunden anzulocken. Denn die haben am Weihnachtskauf einiges auszusetzen.

Die Berliner Morgenpost mit Fragen und Antworten zum Shopping im Advent:

Was nervt beim Weihnachtseinkauf?

„Die Geschäfte sind zu voll“, sagen 55 Prozent der Kunden. Diese Zahl stammt aus einer repräsentativen Forsa-Umfrage zum Thema Weihnachtseinkäufe. Dafür wurden Ende Oktober 2014 rund 1000 Bundesbürger befragt. Dieser Wert bedeutet eine Gefahr für den Einzelhandel. Denn viele Menschen, in der Umfrage waren es 50 Prozent, weichen bei Geschenkbestellungen auf das Internet aus. Aus der Umfrage geht auch hervor, dass 43 Prozent gar nicht wissen, was sie überhaupt verschenken sollen. 26 Prozent finden keinen Parkplatz. 24 Prozent haben zu wenig Zeit. Und 19 Prozent wollen keine Geschenke einpacken. Auftraggeber der Studie war die ECE Projektmanagement GmbH & Co. KG, zu der auch die Potsdamer Platz Arkaden gehören.

Wie reagieren die Geschäftsleute?

Mit Service. „Wir haben jetzt eine Geschenkeberatung“, sagt Center Managerin Tanja Lewin in den Potsdamer Platz Arkaden. Trendscouts haben in den vergangenen Wochen in den Geschäften nach Tipps gesucht, sei es für die Ehefrau, die Großeltern, die beste Freundin oder die Teenager-Tochter. „Spezielle Geschenkeberater, ausgerüstet mit Tablets, können in der Ladenstraße Kunden beraten und Ideengeber sein. Die Tipps werden außerdem auf Geschenkewänden präsentiert“, so Lewin. Mehr Beratung und Hilfe bei der Suche sollen also die Kunden binden.

Und bequem dürfen sie sein: Es gibt einen Einpackservice, Pagen, die schwere Tüten zu Autos tragen, einen kostenlosen Lieferservice innerhalb Berlins und einen Paketversand direkt vor Ort. Das Unternehmen ist nicht das einzige, das auf veränderte Kundenbedürfnisse und die Konkurrenz aus dem Internet reagiert. So konnte bereits die Galeria Kaufhof am Alexanderplatz mit einem kulturellen Flashmob punkten. Besucher erlebten am Sonnabend vor dem 1. Advent beim Shopping einen Chor, der „Gloria in excelsis deo“ sang.

„Das war eine totale Überraschung, als plötzlich eine Passantin anfing zu singen, jemand auf der Rolltreppe einfiel und Bläser in der nächsten Etage dazukamen“, sagt Busch-Petersen, der sich diese Zusammenarbeit zwischen dem Unternehmen und der Stadtmission angesehen und angehört hat. „Mit diesem Chor-Flashmob will die Berliner Stadtmission Berlin eine neue Note verpassen und auf die Adventszeit einstimmen“, heißt es unter einem Video über die Aktion, das die Berliner Stadtmission auf YouTube eingestellt hat.

Was kaufen die Kunden?

„Süßigkeiten“, sagt Busch-Petersen, seien in dieser Woche teilweise ausverkauft gewesen. Denn am heutigen Sonnabend ist Nikolaus, viele wollten Eltern ihren Kindern etwas zum Naschen in die Stiefel stecken. Für das diesjährige Weihnachtsgeschäft kann der Experte noch keinen Trend erkennen. „Allerdings geht es stark in Richtung Smartphones und Tablets, wohl weil Neuigkeiten auf dem Markt sind.“ Sicher ist: Spielwaren, Parfüm, CDs, DVDs, Bücher und Schmuck sind Klassiker. „Weihnachten ist die wichtigste Zeit, diese Produkte machen mehr als 30 Prozent des Jahresumsatzes aus“, sagt Busch-Petersen.

Es geht genauer: 43 Prozent der Bundesbürger wollen Bücher kaufen. 33 Prozent suchen Kleidung und Spielzeug. 27 Prozent verschenken Gutscheine, 25 Prozent Bargeld. Und 24 Prozent stehen auf Spirituosen. Diese Zahlen stammen aus einer Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) von Ende Oktober bis Anfang November 2014. Befragt wurden 4376 Personen zwischen 14 und 75 Jahren.

Warum kauft man wirklich etwas?

Egal, was letztlich auf dem Gabentisch landet: Das Wenigste war geplant. „Nur maximal 30 Prozent der Käufer haben einen Einkaufszettel dabei oder im Kopf, wenn sie stationär oder online einkaufen“, sagt Doreén Pick, Professorin im Marketing-Department des Fachbereichs Wirtschaftswissenschaften der Freien Universität Berlin. Das heißt umgekehrt: „70 Prozent der Kunden lassen sich erst in den Geschäften inspirieren.“

Das Kundenverhalten hat unterschiedliche Ausprägungen. Manche lassen sich ausführlich beraten und wollen sich vergnügen. Andere kaufen aus Frust, Dritte wollen Schnäppchen. Doch eine fixe Typologisierung gibt es laut Professorin Pick nicht.

Die Motive dahinter listet Professor Claas Christian Germelmann von der Universität Bayreuth auf. Manche Kunden wollen preiswert kaufen und gehen auf Schnäppchenjagd. „Andere reagieren auf Stimulation, sie lassen sich anregen von Musik, Farbe, Geruch und haben sogar richtig Lust auf Trubel“, sagt Marketingexperte Germelmann.

Dritte orientieren sich an Marken, Zeichen oder Gütesiegeln. Vierte haben vor allem Gesprächsbedarf: „Sie reden gern mit Verkäufern und anderen Kunden. Das ist in Zeiten einer alternden Bevölkerung ein wichtiger Faktor“, so Germelmann. Die fünfte Triebkraft für Käufe sei der Wunsch nach Handeln und Feilschen. Eine letzte Gruppe wolle schließlich Einkäufe vor allem schnell auf kurzen Wegen erledigen.

Wie viel Geld geben die Kunden aus?

Verhältnismäßig viel. 91 Prozent der Deutschen wollen etwas verschenken und dafür im Schnitt 285 Euro ausgeben. Die GfK geht von einem bundesweiten Umsatz von 15 Milliarden Euro im Weihnachtsgeschäft 2014 aus. Busch-Petersen nennt für Berlin keine exakten Zahlen, doch in der Regel werden etwa fünf Prozent des bundesweiten Umsatzes zum Weihnachtsgeschäft in Berlin gemacht. Das wären, die GfK-Zahl zugrunde gelegt, 750 Millionen Euro. Was Busch-Petersen immerhin sagt: Bereits am ersten Adventswochenende hätten die Verkäufe im „einstelligen Prozentbereich über denen des Vorjahres“ gelegen.