Der Weihnachtsmann kann wieder lachen. Er hat einen neuen Job in den Potsdamer Platz Arkaden. Am Mittwochmittag saß er in einem schneeweißen Schlitten in der Einkaufspassage und befragte Kinder zu ihren Wünschen.
Nur den Sack mit den Geschenken hatte der weißbärtige, betagte Mann mit dem gebotenen Bauchumfang noch nicht parat. Schokolade und Bonbons, Mandarinen und Äpfel gibt es erst vom kommenden Montag an.
Dann erst tritt Peter Georgi – so heißt dieser Weihnachtsmann – offiziell seinen neuen Job als Santa Claus in den Arkaden in Tiergarten an. Und das, nachdem für ihn eine Welt zusammengebrochen war.
Fanpost aus aller Welt
Denn bis 2013 war der 72-Jährige der Weihnachtsmann des Kaufhaus des Westens (KaDeWe) am Wittenbergplatz in Schöneberg. Peter Georgi, gebürtiger Hamburger, spielte diese Rolle 13 Jahre lang mit Leib und Seele und liebte sie innig. Er bekam Fanpost sogar aus Japan. Er saß auf einem Thron, fragte Kinder aus, erklärte Erwachsenen den Weg und schüttelte dem Sänger Udo Lindenberg die Hand. Er unterhielt sich mit „Graf Faber, der mit den Stiften“ (Georgi) und begleitete Prominente wie die Moderatorin Verona Pooth auf Wunsch in die Kinderspielzeugabteilung. Doch seinen Thron bestieg in diesem Advent nun ein anderer. „Der Peter“, wie er sich selbst in der dritten Person nennt, wurde im KaDeWe nicht mehr gebraucht. „Anderthalb Wochen vor dem ersten Advent bekam ich einen Anruf, dass ich nicht mehr kommen soll“, sagte Georgi am Mittwoch. „Und das nach 13 traumhaften Jahren, für mich eine Katastrophe.“
Fans aus aller Welt nahmen die Kündigung persönlich. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens posteten zahlreiche Nutzer unter der Reklame für Georgis Nachfolger Fritz enttäuschte Kommentare und kündigten einen Einkaufsboykott an. Ihnen antwortete das KaDeWe, dass man „mit über 100.000 Besuchern täglich eine gute Kondition“ benötige, „um dem Weihnachtsandrang im KaDeWe gerecht zu werden“. Eine Sprecherin betonte am Mittwoch gegenüber der Berliner Morgenpost, dass Georgi freier Mitarbeiter gewesen sei und seine Agentur ihn schon im Sommer darüber informiert habe, dass es keine weitere Zusammenarbeit mit dem KaDeWe geben werde. Aus „datenschutzrechtlichen Gründen“ wollte sie sich auch nicht zu weiteren Ursachen für das Aus für Peter Georgi äußern.
Online-Petition für den Weihnachtsmann
Anfang der Woche setzten Peter-Freunde eine Online-Petition bei openPetition im Internet auf, die die Rückkehr des Vertriebenen auf den KaDeWe-Thron fordert und bis Mittwochabend mehr als 1500 Unterstützer hatte. Doch so wütend und traurig Georgi über die „Entlassung“ war, so glücklich macht er Lutz Heinicke, Center-Manager in den Potsdamer Platz Arkaden.
Bisher hat das Einkaufszentrum am Potsdamer Platz noch keinen professionellen, eigenen Weihnachtsmann. Der Manager erkannte gleich seine Chance: „Als ich am Sonntag las, dass dieser Weihnachtsmann zu haben ist, habe ich sofort versucht, Kontakt aufzunehmen.“ Man traf sich am Dienstag zu einem ersten Kennenlerngespräch. Georgi brachte seine Arbeitskleidung gleich mit. „Sehr gelungen“, sagte Heinicke mit Blick auf seinen neuesten Mitarbeiter, dem der rot-weiße Mantel fast bis zu den braunen Lederschuhen reicht und der unter der ebenfalls rot-weißen Mütze und im Scheinwerferlicht langsam ins Schwitzen geriet. „Der Peter“ kann nun wieder täglich in seine Lieblingsrolle schlüpfen: Montags bis freitags brummt er am Potsdamer Platz „Hohoho“, sonntags ist er dann auf dem Weihnachtsmarkt am Gendarmenmarkt in Mitte im Einsatz.
Am Mittwoch gab er bereits eine Kostprobe seines Könnens. „Setz dich zu mir in die Kutsche“, rief er der siebenjährigen Amelia Batou zu. Amelia betrachtete diesen bemützten, weißbärtigen Mann schweigsam und mit großen Augen, kletterte dann in sein Gefährt. „Wie geht es dir? Was hast du auf deinen Wunschzettel geschrieben? Kann der Weihnachtsmann zu euch zum Essen kommen?“, so lauteten seine Fragen. Vor allem die letzte brachte Mutter Tiia Batou zum Lachen. Und Lachen wärmt das Herz. Auch das vom Weihnachtsmann.



