Wenn das Adventsgesteck zusammengebastelt wird, der Duft von Fichte und Tanne durch das Heim zieht und der Christbaum seinen Ehrenplatz bekommt, käme wohl keiner auf die Idee, dass diese Weihnachtsdeko nicht nur hübsch aussieht, sondern auch schmeckt. Nein, hier liegt keine Verwechslung mit Rosmarin vor, der Tannennadeln durchaus ähnelt.

Allerdings braucht man sich keine Hoffnungen zu machen, dass das lästige Entsorgen des nadelnden Baums nun entfällt und er zu Speisen verarbeitet werden kann. Die Nadeln sollten frisch vom Baum gezupft werden.

Koch-Legende Heinz Winkler etwa belegt einen Rehrücken mit den Nadeln von Latschenkiefern oder Tannen und zerdrückten Wacholderbeeren, rollt den Braten erst in Grünen Speck, dann in Salzteig ein und gart das Mahl im Ofen. Die Tannennadeln besorgt sich der Koch im Garten oder von einem Tannenzweig aus dem Blumenladen.

Würzig-pikante Note für Wildgerichte

Das kann man selbst ebenso halten. Wer die Zutaten allerdings bei einem Spaziergang im Wald ernten möchte, sollte sich vorab beim Eigentümer des Waldes erkundigen, ob Sammeln für den Eigenbedarf erlaubt ist, rät Linda Louis in ihrem kürzlich erschienenen Buch „Wilde Waldküche“.

Im Moment ist sowieso nur Erntezeit für Winklers Kiefern-Reh. Für Tannen-Gelee oder -Sirup werden die zarten Spitzen benötigt, die im Frühjahr austreiben. Im Mai sollte man also loslegen und kann dann im Winter Gäste mit Tannen-Leckereien beeindrucken.

So rät Biologe und Autor Markus Strauß, die im Hochsommer ausgereiften Nadeln von Fichte, Kiefer oder Douglasie nach der Ernte rasch zu trocknen, etwa in einem Dörrapparat oder im Ofen. Dann werden sie in einer Kaffeemühle fein gemahlen und in ein Glas mit Schraubdeckel gefüllt. Wild- und Bratengerichten, dunklen Saucen und Pilzgemüse geben sie eine würzig-pikante Note. Doch, so Strauß, sie seien sehr aromatisch und sollten sparsam dosiert werden.

Fichtengemüse nach indischer Art

Ist die Experimentierlust groß, ist das Fichtengemüse indischer Art à la Markus Strauß ideal: Dafür werden junge Fichtenspitzen mit gewürfelten Möhren angebraten. Frisches Kokosnussfleisch mit dem Gurkenhobel dazuraspeln, mit etwas Kuh- oder Sojamilch oder Kokoswasser ablöschen, etwa 15 Minuten zugedeckt köcheln lassen.

Mit Salz, Pfeffer, Kreuzkümmel, Currypulver und Cayennepfeffer abschmecken. Wer mag, kann auch etwas Bockshornklee zugeben. Dazu passt Basmati-Reis oder Süßkartoffelpüree. Optisch überzeugt die Mahlzeit allerdings nicht besonders. Aber das machen die frischen Tannenzweige im Heim glücklicherweise wieder wett.