Was macht eigentlich Marco Börries, eine Art Phantom der Berliner Gründerszene? Seit sechs Jahren fliegt der „deutsche Bill Gates“ („Spiegel Online“) unter dem Radar der Branchenöffentlichkeit. Ausgestattet mit 38 Millionen Dollar aus einer Finanzierungsrunde vom Juni 2013 entwickelt er mit seinem Team in Berlin, Hamburg und Palo Alto (Kalifornien) eine Software, mit der Käsehändler, Baristas, Schuhmacher, Köche und alle anderen 200 Millionen Kleinunternehmer weltweit ihr Geschäft organisieren können.
Es ist ein Geschäft, das tief in alten Strukturen verwurzelt ist. Von der digitalen Transformation, die in der mittelständischen Wirtschaft und in der Industrie zu greifen beginnt, sind kleine und mittelgroße Unternehmen Lichtjahre entfernt. Ihre Wertschöpfungsketten sind im Traditionellen verhaftet. Hier gibt es viel Potenzial für Projekte wie Börries’ NumberFour.
Chancengleichheit für kleine Unternehmen
Viel weiß man nicht über das Unternehmen. Auf der Webseite heißt es: „NumberFour ist eine offene Geschäftsplattform mit einer großen Sammlung von vielseitigen, einfach zu bedienenden Programmen, die auf Smartphones, Tablet-PCs und anderen Geräten laufen. Diese Lösung schafft Chancengleichheit, indem sie kleinen Unternehmen schnellen Zugang zu den Werkzeugen, Möglichkeiten und Einblicken gibt, die sonst nur großen Firmen möglich sind.“ Das klingt nach einer zeitgemäßen Neuerfindung von SAP oder Salesforce für den Händler an der Ecke.
Und die Frage, wann sich denn wohl der Schleier heben könnte, quittiert Börries gewöhnlich mit Schweigen und einem siegessicheren Lächeln. Ähnlich reagieren auch seine Investoren – wie Thomas Grota (T-Venture), der jetzt auf Facebook kommentierte: „Erfolg gibt am Ende recht – und man muss nicht der Erste, sondern der Beste sein in seiner Industrie.“
Von Lüneburg ins Silicon Valley
Dass Börries zu den Besten gehört, steht außer Zweifel: Seine Entwicklerkarriere begann in jungen Jahren in einer Garage in Lüneburg, wo er im Jahr 1985 das Programm StarWriter entwickelte, aus dem später StarOffice wurde – ein Mitbewerber des viel kostspieligeren Programmpakets Microsoft Office. Das Unternehmen Star Division wurde 1999 an Sun Microsystems verkauft, wo die Software zum Programm Open Office weiterentwickelt wurde. Danach erfand Börries die Finanzsoftware StarMoney.
Von 2001 an entwickelte er die Plattform Yahoo Go in seiner Firma VerdiSoft, die er 2005 an Yahoo verkaufte, wo Börries bis 2009 im Vorstand war. Yahoo Go war eine App aus der Ära vor dem iPhone, mit der Handynutzer Mails senden und Fotos hochladen konnten. Sie hatte eine Karten- und Suchfunktion. Man konnte Börsenkurse und Nachrichten lesen – wie auf einem Smartphone. Danach gründete Börries die NumberFour AG – sein viertes Projekt (daher der Name).
Namhafte Investoren gefunden
Diese Vita mag erklären, warum namhafte Investoren das Projekt unterstützen: Mike Volpi, Partner von Index Ventures (Genf, London), und T-Venture, die Wagniskapitaltochter der Deutschen Telekom. Auch Andreas von Bechtolsheim, Mitgründer von Sun Microsystems und einer der ersten Investoren in Google, Jerry Yang (Ex-CEO Yahoo), Skype- und Xing-Investor Klaus Hommels sowie Xing-Gründer Lars Hinrichs gehören zu den Geldgebern. Dass NumberFour jetzt die offene Entwicklerplattform N4JS veröffentlichte, mit der Programme für NumberFour geschrieben werden können, mag ein Hinweis darauf sein, dass der Start endlich bevorsteht.





