Die deutsche Hauptstadt wird für Niklas Adalberth immer wichtiger. Der Gründer des schwedischen Bezahldienstleisters Klarna hat Büros in Köln und in der Hauptstadt eröffnet, um von dort den deutschen Markt zu erobern.

Das sei sein wichtigster Markt, sagt er. Zehnmal so groß wie der in Schweden. Klarna bietet Kunden die Möglichkeit, Onlinekäufe nach Erhalt der Lieferung per Rechnung zu bezahlen. Adalberth ist einer von mehr als 50 Referenten, die zur Technologiekonferenz „TechCrunch Disrupt“ nach Berlin gekommen sind.

„Berlin ist die angesagteste und dynamischste Stadt der Welt“, sagt Adalberth. „Das zieht Talente an.“ Von diesen Talenten will das Unternehmen profitieren, weiter wachsen, um in Deutschland bald so groß zu sein wie im Mutterland des Unternehmens: In Schweden würden 30 Prozent aller Online-Käufe mit Klarna abgewickelt, sagt der Gründer. 50 Prozent seines Geschäfts macht das Unternehmen dort. 2012 setzte Klarna 140 Millionen Euro um.

Auch für TechCrunch, das weltweit größte Onlineportal für Technologie, Internet und Start-ups, gewinnt Berlin immer mehr an Bedeutung. Schon zum zweiten Mal in diesem Jahr hat die Plattform zu Veranstaltungen hierher eingeladen. Am Montag begann die zweitägige Konferenz Disrupt Europe in der Treptower Arena. Bereits im Januar hatte TechCrunch in Berlin die „Europas“ an ausgezeichnete Start-ups verliehen. Die Preise gelten als „Oscars der Tech-Branche“.

Auch die sonst scheuen Samwer-Brüder zeigen sich

Wenn TechCrunch nach Berlin kommt, zeigen sich auch die sonst scheuen Samwer-Brüder, Gründer der größten Start-up-Fabrik der Welt, Rocket Internet, in der Öffentlichkeit. Marc Samwer, der mit seinen Brüdern Oliver und Alexander zu den Gründern der Berliner Start-up-Szene gehört, riet den Gründern von heute zur Globalisierung. „Es gibt kaum ein Geschäftsmodell, das nicht international funktioniert.“ Aufstrebende Märkte seien faszinierend, dort gebe es wenige Konkurrenten. „Das ist eine faszinierende Gelegenheit“, sagte Samwer. „Geht da noch heute hin. Wenn ihr zu lange wartet, ist die Gelegenheit weg“, riet er und präsentierte beim Verlassen der Bühne noch den Start von Rocket Internets Gebrauchtwagen-Plattform in weitere fünf Schwellenländer.

Samwer verteidigte das oft als Klon-Fabrik geschmähte Geschäftsmodell seines Unternehmens. „Die Idee ist wichtig“, gab Samwer zu. Rocket Internet habe sich darauf konzentriert, Onlinehandel zu ermöglichen – lokal und international. „Wir machen Geschäfte erfolgreich“, sagte der Unternehmer. Und dabei greife man großartige Ideen aus den USA oder aus Asien auf und transformiere sie für neue Märkte. Zu einem Börsengang des Mode-Onlinehändlers Zalando wollte sich Samwer nicht äußern. „Fragen Sie die Direktoren von Zalando. Sie haben in den vergangenen fünf Jahren Phänomenales geleistet. Wir werden sehen.“ Ein Börsengang sei zudem nur ein Schritt auf dem langen Weg, ein nachhaltiges Unternehmen aufzubauen, sagte er.

Bundeskanzlerin Merkel solle „mehr Geld in junge Unternehmen stecken“

Was er Bundeskanzlerin Merkel raten würde, fragte Moderator Mike Butcher dann noch. Samwer dachte nach, schwieg. Dann sagte er: „Mehr Geld in junge Unternehmen stecken.“ Das sei auch für den Staat ein profitables Geschäft. Berlin sei die wahre Gründerstadt, sagte Samwer. Er muss es wissen. Vor 15 Jahren bauten er und seine beiden Brüder hier ihr Imperium auf: erst das Internet-Auktionshaus Alando (verkauft an Ebay), den Klingeltonanbieter Jamba (verkauft an VersiSign), später Rocket Internet mit zahllosen Unternehmen – allen voran Zalando.

Ohne die Samwers gäbe es die Berliner Startup-Szene nicht. Sie holten Talente in die Stadt und investierten. Berlin wurde im Laufe der Jahre als Start-up-Zentrum interessant. Die Attraktivität der Stadt stieg, sogar Investoren wie Ashton Kutcher machten hier Station und hinterließen einige Millioneninvestments und viele Schlagzeilen. Immer mehr Gründer versuchten in Berlin ihr Glück.

Einer von ihnen ist Marco Börries – ein erfahrener Serienerfinder (Star Office, Star Money, YahooGo). Bei der „TechCrunch Disrupt“ plauderte er über seine vierte Erfindung (NumberFour), ein Allzweckwerkzeug für kleine Unternehmen, an dem er seit vier Jahren in Berlin und Hamburg arbeitet. „Ich kann mit dem Smartphone mein Geschäft führen“, beschrieb der Gründer sein Projekt. Investoren stellten 38 Millionen Dollar (26 Millionen Euro) dafür bereit. „Das ist für uns eine Startbahn. Das Kapital ermöglicht uns, das Produkt so entwickeln, dass es funktioniert.“

Berlin soll „auf dem Teppich bleiben“

Berlin habe das Zeug, „Sweet Spot“, also der ideale Ort für Technologie zu werden. „Die Stadt ist ein so interessanter und dynamischer Ort, und wird das auch bleiben“, sagte Börries. Doch er mahnte, auf dem Teppich zu bleiben: „Berlin ist Berlin. Man solle mit den Vergleichen mit London oder gar dem Silicon Valley aufhören.

„Das Silicon Valley ist eine nette Gegend und der beste Ort, um smarte Leute zu treffen. Und smarte Leute ziehen immer mehr andere smarte Leute an.“ Das geschehe im Moment auch in Berlin. „Deshalb gefällt mir die Stadt“, sagte Börries. In Zukunft werde es eine Vielzahl solcher Orte geben.

Niklas Adalberth, der anfangs erwähnte schwedische Erfinder, sieht das ähnlich. Es gebe viele Parallelen zwischen Stockholm und Berlin: das intakte Netzwerk von erfahrenen Gründern, die erfolgreichen Vorbilder (Rocket Internet in Berlin, Skype in Stockholm), Kapital für Gründer und den Markt für Talente.