Kolumne Gründerzeit

Hilfe für Asyl suchende Menschen aus dem Netz

Aktivisten bauen in der digitalen Hauptstadt Websites und Apps für geflüchtete Menschen. Die Ergebnisse sind beachtlich.

Anke Domscheit-Berg hat den „Refugee Hackathon“ organisiert

Anke Domscheit-Berg hat den „Refugee Hackathon“ organisiert

Foto: Klaus-Dietmar Gabbert / dpa

Berliner packen nicht nur in der realen Welt mit an, um Geflüchteten zu helfen. Auch die in der Stadt gewachsene Digitalszene leistet wertvolle Beiträge, seien es Sach- und Geldspenden oder Dienstleistungen, von denen hier berichtet wird.

Die Initiative "Refugees on Rails" steht kurz vor dem Start ihres ersten Kurses, der 25 bis 30 Geflüchteten innerhalb von zwölf Wochen Grundzüge des Programmierens vermitteln will. Die Teilnehmer werden in Seminaren und geteilten Arbeitsräumen (Coworking Spaces) ihre Projekte entwickeln.

Kursteilnehmer bauen Webseiten

Die Namen der Gründer und Unterstützer stehen für Kompetenz und für Expertise in Start-up-Kultur. Zu ihnen gehören die Sozialunternehmerinnen Anne Kjaer Riechert (Stanford Peace Innovation Lab) und Joana Breidenbach (Spendenportal Betterplace.org), Weston Hankins (Ex-Technikchef des Zimmervermittlers 9flats), Ahmet Emre Açar (Design-Thinking-Experte) und Farhad Dilmaghani (Ex-Staatssekretär für Integration in Berlin).

"Der Einstieg wird das Erstellen einer Website mit einem Backend sein, aus dem Daten abgerufen werden können", sagt Özlem Buran, Sprecherin der Initiative Der Bau einer Smartphone-App in der Programmiersprache Ruby on Rails wurde verschoben.

180 Laptop-Spenden hat der Verein, der von der Telekom, dem Stanford Peace Innovation Lab und der Agentur Eobiont unterstützt wird, in den vergangenen acht Wochen erhalten. Momentan arbeitet die Initiative daran, als gemeinnütziger Verein anerkannt zu werden. Das ist eine Voraussetzung, um Spenden sammeln zu können.

Das Interesse an der Arbeit von Refugees on Rails ist groß. "Wir erhalten Anfragen aus ganz Europa von Menschen, die etwas ähnliches machen wollen", sagt Özlem Buran.

Interaktive Karte hilft bei Orientierung

Während die Rails-Aktivisten noch in der Vorbereitung stecken, hat die Initiative "Arriving in Berlin" der Stadtmission und des Hauses der Kulturen der Welt schon ein Ergebnis vorzuweisen: Ihre interaktive Berlin-Karte in Englisch, Arabisch und Farsi zeigt, wo es in der Stadt fremdsprachige Ärzte, Berater und Anwälte, Deutschkurse, Büchereien und Sportstätten gibt. Entwickelt und betreut wird das Projekt von vier Menschen aus Afghanistan, Syrien und dem Iran, die im Haus Leo der Stadtmission Zuflucht fanden.

"Arriving in Berlin" versteht sich als ein Projekt, das auf die Schwarmintelligenz des Netzes setzt. Initiativen, die ein Stück zur Willkommenskultur beizutragen haben, können ihre Angebote eintragen lassen. So ist ein Kompendium aus mehreren Hundert Orten entstanden, das in Berlin ankommenden Menschen Orientierung gibt.

18 Projekte beim "Regufee Hackathon"

Dieses Ziel verfolgt auch die Internet-Aktivistin Anke Domscheit-Berg, die zu einem Programmier-Marathon (Hackathon) nach Berlin eingeladen hatte. Mehr als 300 Software-Entwickler arbeiteten drei Tage lang an ihren Projekten. Die besten digitalen Lösungen sollen in einem "Baukasten für Kommunen" zusammengefasst werden, um Bürgerinitiative eine schnelle Professionalisierung zu ermöglichen.

Viele Ergebnisse stehen noch in einer frühen Entwicklungsphase: Die Onlineplattform home4refugees.org will Aylsuchenden Wohnraum vermitteln. Die Website volunteer-planner.org versteht sich als Mittler zwischen Helfern und Hilfe suchenden Initiativen. Die Plattform bedarfsplaner.org bietet eine Übersicht über Spendengüter. Und das Portal waslchiraa.com (arabisch: Geschenk) will eine Gutschein-Plattform für Firmenspenden an Geflüchtete im Stil von Groupon aufbauen. Interessant auch die MapFix, mit der Initiativen selber Karten wie "Arriving in Berlin" bauen können.

Die Kooperation mit dem Coworking Space "Migration Hub" an der Potsdamer Straße 144 steht bereits. Als nächstes sollen Spenden zum Kauf von Verschlüsselungszertifikaten für Webseiten eingeworben und gemeinsam mit einem Berliner Unternehmen ein sicheres Server-Hosting ermöglicht werden, wie Anke Domscheit-Berg berichtet.

"Mit Technologie lässt sich Politik nicht korrigieren", schreibt Ruth Miller, eine der Hackathon-Moderatorinnen, in ihrem Blog. Doch diese Beispiele zeigen, dass Gründergeist da weiterführen kann, wo Möglichkeiten der Politik enden.

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