Internetpreis

Google zeichnet Berliner Internet-Senioren aus

Google will älteren Menschen die Angst vor dem Internet nehmen und zeichnet Initiativen aus, die den Senioren das Netz erklären.

Digitale Berliner Senioren: Karola Krause, Günter Voß, Elisabeth Graff

Digitale Berliner Senioren: Karola Krause, Günter Voß, Elisabeth Graff

Foto: Jürgen Stüber / BM

Berlin.  Für ältere Menschen gewinnt das Internet an Bedeutung. Jeder zweite über 65 kann sich ein Leben ohne Netz nicht mehr vorstellen, so der Branchenverband Bitkom. Doch die andere Hälfte dieser Altersgruppe lebt ohne Datennetz. Das wollen Seniorenvereine wie „Deutschland sicher im Netz“ und „Wege aus der Einsamkeit“ ändern.

Als Partner haben sie den Softwarekonzern Google gewonnen, in dessen Deutschlandzentrale am Montag der mit 5000 Euro dotierte „Goldene Internetpreis“ verliehen wurde. Es wurden Vorbild-Initiativen ausgezeichnet, die ihre Generation beim souveränen Umgang mit der digitalen Welt unterstützen.

SeniorenComputerClub ausgezeichnet

Einer der Preisträger ist der Berliner Günter Voß. Vor sechseinhalb Jahren hat er mit Freunden den SeniorenComputerClub gegründet. Gemeinsam wollten sie in Berlin-Mitte ehrenamtlich ihr technisches Wissen teilen. Seitdem bieten sie Workshops und Vorträge an, bei denen sie ihrer Generation die Funktion von Tablets, Smartphones und Software erklären.

Der Club hat die Universität der Künste und die Stiftung Digitale Chancen als Partner gewonnen. Ganz neu ist die Mitarbeit im Projekt „Digitale Nachbarschaft“, das ein Netzwerk der Hilfe von Mensch zu Mensch in digitalen Fragen aufbauen soll.

Netz hilft gegen Einsamkeit des Alters

„Die Generation der mehr als 60-Jährigen ist die am stärksten wachsende Bevölkerungsgruppe“, erläutert Wieland Holfelder, Google-Entwicklungschef in München, das Engagement seines Unternehmens. Das Internet biete gerade Menschen, die nicht mehr mobil seien, Chancen, der Einsamkeit des Alters zu entrinnen und geistig fit zu bleiben.

„Sie müssen sich nur trauen, das einzugeben, was sie wissen wollen“, sagt Holfelder und spricht damit ein Problem älterer Menschen an, die Angst vor Datendiebstahl und Verlust der Privatsphäre. Dieses Problem kennt auch Martin Schallbruch, Abteilungsleiter für Cybersicherheit im Bundesinnenministerium.

Viele Sicherheitsprobleme lösbar

„Die digitale Welt ist eine Erweiterung des Lebenskreises“, macht er den Senioren Mut. „Handeln sie ohne Angst, denn Angst macht auch im digitalen Leben passiv.“ 80 bis 90 Prozent aller Sicherheitsprobleme könnten mit einfachen Maßnahmen wie Firewall und Virenscanner bewältigt werden.

Dagmar Hirche, Vorsitzende des Vereins „Wege aus der Einsamkeit“, schult sogar Demenzkranke mit Tablets. Sie fordert Altenheime mit WLAN auszustatten und eine Wissenplattform für digitale Seniorenangebote.

90-Jährigen WhatsApp beigebracht

Und sie hat Positivbeispiele aus der Praxisarbeit: Neulich hat sie vier Neunzigjährigen WhatsApp beigebracht. „Die haben gestaunt, wie schnell ihre Urenkel geantwortet haben.“