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Berliner Kartendienst Here entwickelt digitalen Concierge

Der ehemalige Handyhersteller Nokia kauft einen US-Datenspezialisten. Die Übernahme soll den Berliner Kartendienst Here stärken. An der Invalidenstraße wird an Nokias Zukunft gearbeitet.

Foto: Jürgen Stüber

Nokia will seinen Berliner Kartendienst Here weiterentwickeln. Dafür übernimmt Nokia die US-Firma Medio Systems, die in Echtzeit große Datenmengen auswerten kann. Damit sollen Kartendienste entstehen, die sich besser auf die aktuelle Situation der Nutzer einstellen und Vorhersagen treffen können, sagte Here-Chef Michael Halbherr am Donnerstag. Das könnten zum Beispiel Restaurantempfehlungen passend zu Ort und Tageszeit sein, oder aktualisierte Anweisungen für eine Fahrtroute. Den Kaufpreis für Medio nennt Nokia nicht.

Here ist nach dem Verkauf der Handy-Sparte ein wichtiges Standbein von Nokia. Der Kartendienst ist für Verbraucher über Smartphone-Apps verfügbar, Here will mit seiner Plattform aber auch groß ins Geschäft mit Autoherstellern kommen. Dabei werden auch besonders genaue Karten für selbstfahrende Autos erstellt.

Here ist aus dem in Berlin gegründeten Start-up Gate5 entstanden. Nokia übernahm Gate5 2006, ein Jahr kaufte der Konzern den führenden Kartenanbieter Navteq, im Jahr darauf die Berliner Plazes.com. Mitgründer von Gate5 ist Christophe Maire, der heute als einer der führenden Berliner Investoren für junge Firmen gilt.

Here beschäftigt in Berlin mehr als 700 Menschen

Die Here-Zentrale mit mehr als 700 Beschäftigten ist in der Invalidenstraße angesiedelt. Weltweit arbeiten 6000 Mitarbeiter an dem Projekt. 3000 davon sind Geografen.

„Wir wollen das Wissen über die Welt mit Informationen der Nutzer verknüpfen“, sagte Halbherr. Dabei entstehe eine Art „digitaler Concierge“, der die Menschen begleite. Google arbeitet an einem ähnlichen Ansatz mit seinem Dienst Google Now und seinen vielgenutzten Karten.

Halbherr zeigt sich zuversichtlich, dass Nokia mithalten könne, obwohl Google Zugriff auf eine überaus breite Datenbasis habe. „Die Daten sind nicht das Problem, wichtiger sind die Algorithmen, mit denen man sie auswertet.“ Here verarbeite aktuell etwa 50 Milliarden Datenpunkte pro Monat.