Sternfahrt

Rund 600 Berliner Taxifahrer protestieren gegen App-Anbieter

Rund 330 Berliner Taxifahrer sind am Mittwochmittag zu einer stadtweiten Sternfahrt gestartet, weil sie ihr Geschäft in Gefahr sehen. Zu Verkehrsbehinderungen kam es zunächst nicht.

Hunderte Taxifahrer haben am Mittwoch in Berlin gegen neue Konkurrenz aus dem Internet demonstriert. Zu Beginn der Sternfahrt starteten zunächst etwa 330 Taxen von drei Punkten aus zum Olympischen Platz. Laut Polizei gab es zunächst keine negativen Auswirkungen auf den Stadtverkehr.

Auch in Städten wie Hamburg, London, Paris, Madrid oder Mailand waren Taxi-Proteste geplant. In Berlin hatten die Veranstalter bis zu 1000 Taxis angemeldet.

Seit 12.30 Uhr waren Chauffeure vom Hauptbahnhof, Bahnhof Südkreuz und dem Flughafen Tegel aus in Richtung Olympiastadion unterwegs. Dort war eine große Kundgebung des Taxigewerbes gegen Billig-Anbieter aus dem Internet geplant. Laut Uwe Gawehn, Vorsitzender der Innung des Berliner Taxigewerbes, beteiligen sich rund 600 Taxifahrer an der Protestfahrt. Etwa 150 Fahrer seien bereits am Olympiastadion eingetroffen. „Wir hoffen auf bis zu 1000 Teilnehmer“, sagte Gawehn der Berliner Morgenpost. Trotz des Protestes dürften die Berliner kein Problem haben, ein Taxi zu bekommen. „Normalerweise sind tagsüber 3500 Taxis im Einsatz – wenn da 1000 Fahrer demonstrieren, dürfte es eigentlich keine Engpässe geben“, so Gawehn.

Die Taxifahrer sehen ihr Geschäft von Anbietern bedroht, die über Handy-Apps Fahrer vermitteln. Aus ihrer Sicht gibt es einen unfairen Wettbewerb, weil für die neuen Rivalen aus dem Internet die strikte Regulierung des Taxi-Gewerbes ausgehebelt sei. Ein rotes Tuch ist für sie vor allem die US-Firma Uber, die in rund 20 europäischen Städten aktiv ist. Vergangene Woche besorgte sich Uber 1,2 Milliarden Dollar frisches Geld von Investoren, das Unternehmen aus San Francisco wurde dabei insgesamt mit 17 Milliarden Dollar bewertet.

Bis zu 12.000 Taxifahrer wollen in London protestieren

In London wollen Tausende Taxifahrer langsam durch das Zentrum fahren, die Veranstalter erwarten 10.000 bis 12.000 Teilnehmer. In Mailand wird mit rund 5000 streikenden Fahrern gerechnet, auch in Madrid sind tausende Taxifahrer zum Streik aufgerufen. In Paris wollen rund 3000 Fahrer die Flughäfen Orly und Charles de Gaulle blockieren. Proteste sind auch in Lissabon, Sao Paolo und Chicago geplant. Vor allem in London und Paris hatte es bereits mehrfach Proteste von Taxifahrern gegen die neuen Wettbewerber gegeben.

Private Fahrer seien oft nicht für die Beförderung versichert, absolvierten keine regelmäßigen Gesundheitschecks, ihre Ausbildung und der technische Zustand des Autos würden nicht geprüft, kritisierte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP, Michael Müller, zum Aktionstag. Uber entgegnet stets, man überprüfe die Fahrer und sorge für die Sicherheit der Fahrgäste.

Der Dienst musste in Europa bereits Rückschläge hinnehmen. In Brüssel wurde Uber der Betrieb untersagt, in Frankreich gibt es Einschränkungen. In Berlin erwirkte ein Taxifahrer im Frühjahr eine einstweilige Verfügung gegen Uber, vollstreckte sie jedoch unter Hinweis auf wirtschaftliche Risiken nicht.

Uber kann Kritik nicht nachvollziehen

Uber reagierte gelassen auf die europaweiten Proteste. Er könne die Kritik nicht nachvollziehen, sagte Patrick Studener, der für die Expansion des Dienstes in Europa zuständig ist. Man biete eine zusätzliche Möglichkeit zur Fortbewegung an. „Wir sind eine weitere Wahl.“

Auch die Uber-Fahrer müssten verschiedene Überprüfungen durchlaufen, bevor sie für die App zugelassen werden. Führerschein, Versicherung und polizeiliches Führungszeugnis würden geprüft, sagte Studener am Mittwoch. Uber spreche mit jedem Fahrer und setze sich in jedes Fahrzeug. Wie viele Fahrer mit Hilfe von Uber Menschen durch die Stadt kutschieren, wollte Studener nicht sagen.

Uber war am Mittwoch auf der Eröffnung des Startup-Hauses „Factory“ an der Bernauer Straße vertreten, wo mehrere Internetunternehmen Büros haben. Der Taxidienst startete vor eineinhalb Jahren in Berlin.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit plauderte auf einem Rundgang über das Factory-Gelände auch mit Vertretern von Uber. Zu dem Protest der Taxifahrer wollte er sich nicht äußern: „Dazu sage ich erstmal gar nichts.“