Berlin Web Week

Die digitale Welt kommt nach Berlin

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Jürgen Stüber

Foto: re:publica

Die Blogger- und Netzkonferenz re:publica, die Medienkonferenz Media Convention und die Technologiekonferenz Next14, die in der kommenden Woche in Berlin stattfinden, stellten ihre Programme vor.

„Die digitale Welt wird in Berlin sein“, sagte Andreas Gebhard, Geschäftsführer der Blogger- und Netzkonferenz re:publica, die im Rahmen der Berlin Web Week in der kommenden Woche (6. Und 7. Mai) in der „Station“ an der Luckenwalder Straße stattfindet.

Zum ersten Mal wird die re:publica gemeinsam mit dem Medienkongress „Media Convention“ veranstaltet. „Wir haben zum ersten Mal eine Konferenz in der Konferenz“, sagte Gebhard zur Kooperation. „Teilnehmer aus der Medienwirtschaft sind dieses Mal im Herzen der re:publica anzutreffen.“ Im Anschluss findet auf dem Gelände die Android-Entwicklerkonferenz Droidcon statt sowie eine Linux-Entwicklerkonferenz. Insgesamt findet eine zweistellige Zahl an Kongressen und anderen Events im Rahmen der Berlin Web Week statt.

Unter dem Thema „Into the Wild“ will die re:publica zusammenfassen, „was uns im vergangenen Jahr bewegt hat “, sagte Gebhard. Zentrales Thema soll die Freiheit und Sicherheit in der digitalen Welt sein. Die Konferenz soll erarbeiten, was Politik, Gesellschaft und Wirtschaft unter diesen Rahmenbedingungen tun können.

Menschenrechtsaktivistin Bianca Jagger

Prominenteste Redner sind Jacob Appelbaum vom Tor-Projekt und Jilian Jork (Electronic Frontier Foundation), die Verschlüsselungstechnologien vorstellen werden. Ferner wird die Wikileaks-Anwältin Sarah Harrisson erwartet. Bianca Jagger wird ihre Menschenrechtsinitiative vorstellen.

Im Themenbereich Open Science soll erarbeitet werden, wie Erkenntnisse der Wissenschaft in die Gesellschaft gebracht werden können. Dazu wird es ein Science Lab geben. Gemeinsam mit dem Partner Daimler soll auf der re:publica das Thema Mobilität erörtert werden. Themen aus den Bereichen E-Learning und E-Health runden das Programm ab.

18 Veranstaltungen gleichzeitig

Auf einer Fläche von 30.000 Quadratmetern, die in dem früheren Paketbahnhof fast komplett bespielt wird, soll es 18 parallele Veranstaltungsstränge geben. „Das heißt, dass jeder Teilnehmer 17 nicht besuchen kann“, räumte Gebhard ein. Er verwies aber auf die Möglichkeit, Panels per Videopodcast nachzuverfolgen. Gebhard hob die „dramatische Zahl der Keynotes“ hervor. Insgesamt werde es 350 Sessions geben. Er kündigte mehr als 160 eigenständige englischsprachige Vorträge an. Die re:publica findet seit 2007 in Berlin statt. Er erwartet 6000 Besucher. Die Veranstaltung stoße an ihre Grenzen.

Tickets kosten zwischen 0 und 500 Euro. Zu den Finanzen sagte Gebhard, die Veranstaltung finanziere sich gleichermaßen aus Ticketverkäufen und Zuwendungen von Sponsoren. Ferner gebe es eine projektgebundene öffentliche Förderung. „Es ist unmöglich, die Veranstaltung durch Ticketverkäufe alleine zu finanzieren“, sagte Gebhard.

Medienkonferenz mit 80 Rednern

Elmar Giglinger, der Geschäftsführer des Medienboards, unterstrich die inhaltlichen und organisatorischen Synergien von re:publica und Media Convention. Dort werden 80 Speaker werden in 30 Sessions auftreten. „Wir sind Juniorpartner“, räumte Giglinger ein. Er fürchte aber nicht, im Wust der re:publica-Veranstaltungen unterzugehen. Die Medienkritiker „The Yes Man“ werden die Media Convention und die re:publica eröffnen.

Giglinger will mit der Media Convention die immer noch unterschiedlichen Medienwelten auf den unterschiedlichen Plattformen mit der digitalen Welt und ihren Vordenkern zusammenbringen. Das Hauptthema lautet „Media Rules“ – es solle um zeitgemäße Medienordnung und zeitgemäßes Urheberrecht gehen.

„Ganz wichtig ist auch das Start-up-Thema“, antwortete Gebhard auf die Frage eines Journalisten, ob auch die Region bei der re:publica eine Rolle spiele. Er hatte in der Pressekonferenz allerdings „vergessen“, das Thema vorzustellen.

Konferenz ohne Top-Politiker

Brigitte Zypries ist als Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium die prominenteste politische Vertreterin auf der re:publica. Die neue Bundesdatenschutzbeauftragte Andrea Voßhoff wird anscheinend nicht auf der Bloggerkonferenz auftreten – anders als in früheren Jahren ihr Vorgänger Peter Schaar.

„Edward Snowden hätten wir gerne als Sprecher gehabt“, sagte Gebhard auf die Frage nach seinem Wunschredner. Aber das habe aus politischen Gründen nicht geklappt.

Next14: Big Data und neue Firmenstrukturen

Die zweitägige Konferenz Next Berlin eröffnet bereits am 5. Mai die Berlin Web Week, zu der insgesamt 10.000 Teilnehmer der digitalen Wirtschaft und Kommunikationsbranche erwartet werden. Auf drei Bühnen im Kongresszentrum am Alexanderplatz (bcc) und in rund 30 Workshops erörtern 180 internationale Experten, welche Technologie- und Marketingtrends in den kommenden Jahren Industrie und Handel entscheidend transformieren werden.

Welche Trends für die digitale Wirtschaft in Europa größte Relevanz haben, zeigt die Next14 unter anderem in sechs thematisch gebündelten Sessions auf der Hauptbühne. Am ersten Tag wird es um Big-Data-Anwendungen und Sicherheitsaspekte sowie um neue Mobilität und die vernetzte Produktion gehen. Der zweite Konferenztag widmet sich der durch die Digitalisierung getriebenen Veränderung von Unternehmensstrukturen, dem Internet of Things und neuen Interfaces.

Prominente Redner und Roboter

Neben Panels und Keynotes renommierter Sprecher wie Brad Templeton, Cory Doctorow oder Peter Hinssen sind Demos aktueller Trendprodukte und Prototypen fester Programmbestandteil. So lässt Luftfahrt-Vordenker Bart Remes die kleinste Drohne der Welt durchs bcc fliegen; das vielbeachtete Headset Oculus Rift entführt in virtuelle Welten und ein Teilnehmer wird die Next14 indirekt mit einem ferngesteuerten Roboter besuchen. Außerdem treffen sich Nutzer der Datenbrille Google Glass zum Austausch auf der Konferenz, und das Fraunhofer Institut präsentiert sein Data Glass, das die Zeitschrift Wired schon als „die besseren Google Glasses” bezeichnet.

Zur digitalen Agenda der Bundesregierung hält Bundesinnenminister Thomas de Maizière nach Angaben der Veranstalter eine Keynote. Außerdem wird die deutsche Botschafterin für die digitale Agenda der Europäischen Kommission, Gesche Joost, die Frage erörtern, vor welchen Aufgaben Politik und Gesellschaft stehen, um auf die digitale Transformation vorbereitet zu sein.