Start-ups

PayPal-Gründer - „Berlin braucht eine Erfolgsgeschichte“

Beim hy!summit hielt PayPal-Gründer Thiel ein Plädoyer für Innovation durch Technologie. Berlin sei „der viel versprechendste Ort für Start-ups im alten Europa.“ Doch die Stadt habe auch Defizite.

Foto: Jürgen Stüber

Er hat PayPal gegründet und als Erster in Facebook investiert. Nur wenige Personen in der schnelllebigen Internetbranche haben eine bessere Expertise als er: Peter Thiel. Ausgerechnet dieser Mann mahnt Berliner Gründer zu Geduld. Thiel war der Stargast des Start-up-Events hy!summit, das am Mittwoch Abend in Berlin begann.

Thiel fordert von der Start-up-Szene mehr Nachhaltigkeit. Das ist für den Investor anscheinend eine wichtige Tugend: „Der Mittelstand in Deutschland wurde über Jahrzehnte aufgebaut“, sagt er. Es sei merkwürdig, dass die Start-up-Szene in Berlin da eine ganz andere Einstellung habe und Erfolge über Nacht entstehen müssen.

Dabei könnten die Voraussetzungen kaum besser sein: Berlin ist für Thiel „der viel versprechendste Ort für Start-ups im alten Europa.“ Nach seinem Auftritt auf der großen Bühne des hy!summit wird er im kleinen Kreis präziser: „Berlin ist ein Ort großartiger Kreativität“, sagt er. Verglichen mit anderen europäischen Metropolen sei die Akzeptanz, in Berlin etwas Neues aufzubauen, am größten. „Hinzu kommt, dass Berlin sehr preiswert ist.“ Und die Start-up-Szene habe inzwischen eine kritische Masse erreicht, aus der Erfolge entstehen könnten.

Was kann ich? Was ist wertvoll? Was machen andere nicht?

Doch Berlin habe auch Defizite, diagnostiziert der PayPal-Gründer und Facebook-Investor. „Was Berlin am meisten fehlt, ist eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte“, sagt Thiel. Damit meint er einen großen Exit, also einen Unternehmensverkauf für eine hohe Summe oder den Börsengang eines Unternehmens. Was fehlt, ist Geduld – sowohl auf der Seite der Investoren als auch bei den Gründern. „Firmen wurden zu früh verkauft“, sagt der Investor.

Wenn Thiel auf sein Geheimnis zum Erfolg zu sprechen kommt, bemüht er die Mengenlehre und wirft drei sich überschneidende Kreise an die Wand. Der erste steht für die Frage: Was kann ich? Der zweite zielt auf die Frage: Was ist wertvoll? Und der dritte steht für die Frage: Was machen andere Gründer nicht? Nur wer sich in der Mitte aller drei Kreise bewegt, hat Erfolg. Er selbst hat mehrfach bewiesen, dass das stimmt.

Welche Eigenschaften braucht ein erfolgreiches Start-up, in das Thiel selbst investieren würde? „Erstens extrem leidenschaftliche und talentierte Gründer. Zweitens interessieren wir uns für große Technologien und drittens ist eine gute geschäftliche Strategie erforderlich“, sagt Thiel. Alle drei Bedingungen müssen erfüllt sein.

In Deutschland sei die Grundstimmung pessimistisch, aber gemütlich

Auch an diesem Abend hält Thiel ein Plädoyer für Innovation durch Technologie. „Viele Leute denken, Globalisierung sei der wichtigste Trend unseres Zeitalters. Aber ich finde, die Erfindung von Technologien ist wichtiger als Globalisierung. Letztere wird nur dann erfolgreich sein, wenn wir erfolgreiche Entwicklungen im Bereich der Technologie haben.“ Bei der Globalisierung würden nur Ideen vervielfältigt. Bei Innovation neue erschaffen.

„Technologie ist für manche Leute ein Sündenbock“, räumt Thiel ein. „Es ist doch sehr leicht, alle Probleme auf die Technologie zu schieben und sie für alle Probleme, die wir in der Gesellschaft haben, verantwortlich zu machen.“ Steigende Produktivität durch Technologie habe den Menschen immer die Freiheit gegeben, andere und neue und bessere Dinge zu tun. Da habe sich Karl Marx geirrt.

Anscheinend hält Thiel wenig davon, dass Berlin sich ständig mit dem Silicon Valley vergleicht und sehnsuchtsvoll auf die dortigen Erfolge schielt. „Wenn man Deutschland mit Kalifornien vergleicht, ist die Einstellung der Menschen bemerkenswert verschieden“, sagt er. In Deutschland sei die Grundstimmung sehr pessimistisch, aber gemütlich. „In Kalifornien dagegen sind die Menschen sehr optimistisch, aber auch sehr verzweifelt.“ Und das zeigt er an einem Beispiel: „In Kalifornien wollen jedes Jahr 20.000 Leute Schauspieler werden, aber nur 20 gelingt das. In Deutschland wäre das undenkbar.“ Bei Start-ups ist das kaum anders.

PayPal für 55 Millionen Dollar an eBay verkauft

Peter Thiel ist Partner des Risikokapitalunternehmens Founders Fund in San Francisco. Seine Investorenkarriere begann als Gründer und Chef des Bezahldienstleisters PayPal, den er an die Börse brachte und schließlich für 55 Millionen Dollar an eBay verkaufte. Im Jahr 2004 war er der erste Investor von Facebook und verkaufte seine Aktien an dem sozialen Netzwerk für mehr als eine Milliarde Dollar.

Peter Thiel wurde in Deutschland geboren. Als er ein Jahr alt war, wanderten seine Eltern in die USA aus, wo Thiel aufwuchs und an der Stanford Universität Philosophie und Jura studierte.