Dirk Krischenowski sprach von einem historischen Moment. Zehn Jahre haben er und sein Team von der Berliner Firma Dot Berlin dafür gekämpft, dass Berlin einen eigenen Namen im Internet bekommt, eine sogenannte Domain. Seit Dienstag ist die Endung .berlin nun öffentlich verfügbar. „Mit .berlin hat nicht nur die Stadt einen Namen bekommen, sondern auch die Unternehmen und Bürger Berlins“, sagte Krischenowski bei der Veranstaltung im Roten Rathaus.

Mit neuen Adressen wie der (noch) fiktiven Adresse www.schmidt.berlin würden mehr Vielfalt und Gestaltungsmöglichkeiten im Netz geschaffen, ergänzte Krischenowski.

Mit dem Startschuss wurden die ersten Adressen freigeschaltet. Dazu gehören zum Beispiel dein.berlin, silicon.berlin und aperto.berlin. Die großen Anbieter hatten bereits in der Bewerbungsphase ein großes Interesse an den neuen regionalen Endungen verzeichnet.

Berlin steht ganz oben auf der Bestellliste

Damit ist Berlin die erste Metropole weltweit, die ihre Endung für ihr Publikum öffnet. Die Endung „.berlin“ wird zu einer sogenannten Top-Level-Domain, so wie die Endungen .de (Deutschland) oder .com (ursprünglich für commercial, als geschäftlich). Städte wie New York, London und Tokio wollen bald folgen. Wien ist zwar bereits seit Anfang März 2014 mit einer Städtenamen-Website, nämlich seestadt.wien, im Netz erreichbar, allerdings startet dort die offene Registrierung erst Mitte Juli.

Das Interesse an „.berlin“ ist nach Angaben der großen Internet-Provider groß. Unter den derzeit mehr als 40 neuen Endungen steht nach Angaben von Strato die Hauptstadt-Domain ganz oben auf der Bestellliste der Interessenten. Zum Start bieten einige große Provider Sonderaktionen an. Bei Strato gibt es die Domain-Endung im ersten Jahr für unter 1,90 Euro, 1&1 bietet eine Adresse mit der Berlin-Endung für die ersten zwölf Monate kostenlos an.

Eine eigene Domain hat vor allem zwei Vorzüge: Zum einen ist sie ein Marketinginstrument. Dort wo Berlin drin ist, soll es auch dran stehen. Die Domain soll ein Bekenntnis zu der Stadt sein. „Und es geht auch darum, dass gerade Touristen den Namen immer wieder lesen und schreiben“, sagt Krischenowski. Doch neben Werbung für die Stadt geht es um wirtschaftliche Aspekte. Denn sucht man einen Handwerker in Berlin und gibt diese Begriffe in eine Suchmaschine ein, werden ab sofort diejenigen weit oben gelistet, die eine Internetadresse mit der neuen Domain haben.

Chancen für Bürger und Unternehmen, vor allem das Handwerk

Einer, der seinen Firmennamen unter der neuen Domain registrieren ließ, ist Hermann Künst. Für den 77-jährigen Geschäftsführer der Firma Technomed Berlin war das ein logischer Schritt. „In unserem Logo ist Berlin ja sowieso drin, da war es für uns sofort klar, uns für die Domain zu registrieren“, sagt er.

Die Firma, die schon 1947 in Berlin gegründet wurde, stellt elektromedizinische Apparate her und entwickelt zurzeit ein Blutzuckermessgerät, mit dem die Messung ohne Blut vorgenommen werden kann. Spezielle Geräte, die gezielt von Kunden gesucht werden und vor allem von Mundpropaganda leben. Von einer Suchmaschinenoptimierung hat Technomed also nicht viel. „Die Domain ist natürlich zunächst mal ein Symbol, das zeigt, dass wir fest in Berlin verwurzelt sind“, sagt Künst, „wir sind ja eine Ur-Berliner Firma.“ Und trotzdem hofft er, dass ihm die neue Domain auf lange Sicht mehr Kunden bringt.

Auch der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Berlin, Jürgen Wittke, erhofft sich von .berlin Chancen für Bürger und Unternehmen, vor allem für das Handwerk. „Das Handwerk ist ja immer lokal verbunden und regional verwurzelt“, sagte Wittke. Es sei toll zu zeigen, dass man sich als Betrieb zu der Stadt bekenne in der man arbeite.

„Mit dem Namen Berlins wird nun geworben“

Eigentlich ist dotBERLIN ein privatwirtschaftliches Unternehmen, doch Richard Meng, Sprecher des Senats, ließ es sich nicht nehmen, auch ein paar Worte zu sagen. Die erste Städte-Domain weltweit, das macht stolz. Es sei erfreulich, dass die Initiative aus Berlin und nicht von auswärts gekommen sei, sagte er. „Mit dem Namen Berlins wird nun geworben.“

Die Domain .berlin ist eine von über 40, die die Firma ICANN, die weltweit alle Domains verwaltet, freigegeben hat. Im Juni 2011 hatte ICANN beschlossen, den Adressraum zu erweitern. Obwohl das Internet ein unendlicher Raum ist – es war zu eng geworden.