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Warum Berlin neues Zentrum der Internet-Spieleindustrie wird

Die Industrie für Online- und Smartphone-Spiele in Berlin boomt und lockt sogar Experten von der US-Westküste an. Namhafte Entwickler haben Büros in der Stadt. Auch die Marketingbranche boomt.

Foto: Reto Klar

Berlin gewinnt als Standort der internationalen Spieleindustrie an Bedeutung. Namhafte Entwickler eröffnen Büros in der Stadt. Die lokale Branche boomt. Und selbst für Top-Experten aus dem Silicon Valley kommt Berlin als Arbeitsort in Betracht.

Todd Djureen war zuletzt beim Branchenriesen Electronic Arts in San Francisco für den Aufbau des Performance Marketing Teams verantwortlich und vermarktete Titel wie „Star Wars: The Old Republic“. Er wird künftig für den Berliner Spiele-Vermarkter ad2games die Echtzeit-Auktion von Werbeplätzen (Real Time Bidding, RTB) ausbauen.

Mit Andreas Weih stößt ein zweiter Performance Marketing-Experte zum ad2games-Team. Er kommt vom Mitbewerber GameGenetics – ebenfalls ein Berliner Vermarkter von Online-Games. Weih übernimmt die Position des Director Performance Marketing.

Werbeprofis für Spielebranche

ad2games ist ein Performance Marketing-Netzwerk für Online-Games. Das Unternehmen verkauft für mehr als 150 Spieleportale zielgruppengenaue Werbung auf Webseiten und Blogs. So finden die Entwickler für das jeweilige Spiel die passenden Nutzer. Bigpoint, Gameforge, ChangYou, Perfect World, Kabam, Goodgame Studios und Nexon gehören zu den Partnern. Das Unternehmen ist in über 50 Ländern aktiv. ad2games ist seit der Übernahme durch die HitFox Group 650 Prozent gewachsen.

Auch die HitFox Group wächst rasant. HitFox baut Unternehmen in den Feldern Big Data, Advertising und Games auf und hat 2013 profitabel um über 600 Prozent zugelegt. Für 2014 plant HitFox sein Unternehmensportfolio um zwei bis vier neue Start-ups zu erweitern. Der Inkubator mit mehr als 200 Mitarbeitern in Berlin, San Francisco und Seoul wurde 2011 von Jan Beckers, Hanno Fichtner und Tim Koschella gegründet.

Wooga seit 2012 profitabel

Auch der Berliner Spieleentwickler Wooga arbeitet trotz des schnellen Wachstums seit 2012 profitabel. "Wir sind also nicht auf eine weitere Investitionsrunde angewiesen", sagte Jens Begemann Anfang 2014. Wooga hatte 2009 fünf Millionen Euro von Investoren eingesammelt, im Mai 2011 noch einmal 24 Millionen Dollar (17,5 Millionen Euro). Mehr als 280 Beschäftigte arbeiten inzwischen im Unternehmen in der Backfabrik an der Prenzlauer Allee.

Erst Ende Februar 2014 sorgte der Fernsehkonzern ProSiebenSat.1 für Aufsehen, als er die Übernahme des in Berlin ansässigen Spieleentwickler Aeria Games Europe bekannt gab, der auf Online-Spiele für Computer und Mobilfunkgeräte spezialisiert ist. Mit dem Kauf verdreifacht der Konzern nach eigenen Angaben die Zahl der Spieler seiner Angebote auf 77 Millionen Nutzer und wird damit zur Nummer drei in Europa. Über die Kosten der Übernahmen machte ProSieben-Chef Thomas Ebeling keine Angaben.

King plant Studio in Berlin

Wie Branchenblogs schreiben, soll bald auch der Spielentwickler King ein Berliner Büro eröffnen. King ist Entwickler des Mobile-Puzzle-Spiels Candy Crush Saga, das 500 Millionen Mal heruntergeladen wurde und das täglich mehr als 120 Millionen Spieler hat. Das Unternehmen wurde zuletzt mit fünf Milliarden US-Dollar bewertet und plant einen Börsengang. „Deutschland ist die Heimat einer außergewöhnlichen Zahl an Spieleentwickler-Talenten und Berlin ist eines der führenden Kreativzentren in Europa“, wird King-Gründer Riccardo Zacconi vom Branchenblog Gamesindustry International zitiert.

Bereits in Berlin angekommen ist der Entwickler Kabam (Wartune, Dragons of Atlantis, Pirates: Tides of Fortune). Er eröffnete im vergangenen Jahr ein Büro und hat derzeit mehrere Stellen ausgeschrieben. „Die Zukunft bietet uns in Berlin viele spannende Möglichkeiten“, heißt es auf der Website. „Berlin ist so gut wie das Silicon Valley, mit technisch versierten, kreativen, mehrsprachigen Fachkräften, einer großen Gaming-Szene und führenden Medien“, schreibt Mitgründer Kevin Chou auf der Unternehmenswebsite.