Risikokapital

Eran Davidson legt in Berlin Fonds mit 100 Millionen Euro auf

Eran Davidson hat viele Jahre das Risikokapitalunternehmen Hasso Plattner Ventures gemanagt. Jetzt startet er sein eigenes Produkt und bietet Technologieunternehmen Kredite an.

Foto: Jürgen Stüber

Wenn Start-ups Kapital für das Wachstum ihres Unternehmens brauchen, bleibt ihnen in der Regel nur der Gang zu einem Risikokapitalgeber (VC: für Venture Capitalist). Der gibt dann Geld und erhält als Gegenleistung Unternehmensanteile. Das hat für die jungen Firmen und ihre frühen Investoren den Nachteil, dass Anteile mit jeder Finanzierungsrunde verwässern und die Gründer am Ende nur noch begrenzt der Herr im eigenen Haus sind. Zu Banken müssen Start-ups in der Regel erst gar nicht gehen. Denn dort erhalten sie gewöhnlich keinen Kredit – wegen fehlender Sicherheiten und oftmals wenig Verständnis für Ihr Geschäftsmodell.

Eran Davidson hat jetzt ein hierzulande neues Finanzprodukt entwickelt, das jungen Technologieunternehmen einen Ausweg aus diesem Dilemma anbieten will. Sein Finanzdienstleister Davidson Technology Growth Debt vermittelt Kredite mit einer Laufzeit von 18 bis 36 Monaten und einem Volumen von typischerweise zwei bis fünf Millionen Euro.

„Die Phase kurz vor dem Exit ist oft kritisch für eine etablierte Technologiefirma“, sagt Davidson. Er strebt ein Fondsvolumen von 100 Millionen Euro an und verhandelt darüber zur Zeit mit Investoren, die sich für finanzielle Engagements in Technologiefirmen interessieren.

Kapital von Hasso Plattner verwaltet

Davisdon kennt sich in der Branche aus. Er hat in den vergangenen Jahren Risikokapitalfonds mit einem Volumen von 300 Millionen Euro gegründet beziehungsweise geleitet. Zudem führte er die private Vermögensverwaltung (Family-Office) des SAP-Gründers Hasso Plattner. Davidson hat namhafte Berater ausgewählt, die ihn bei der Arbeit unterstützen: Rolf C. Dienst vor allem, das Urgestein unter den deutschen VC, Gründer des Wagniskapitalunternehmens Wellington Partners, davor Chef des Münchner Investment-Unternehmens Matuschka Group und Mitgründer von TVM, des ersten VC aus Deutschland.

Ferner gehören dem Beratergremium (Advisory Board) der Wahl-Kölner VC Mehrdad Piroozram (Partner von iSteps App Ventures), der aus Dänemark stammende Serienerfinder und Investor Morten Sondergaard, der in den letzten 20 Jahren in 80 Firmen investiert hat, sowie der Berliner Hotelier Michael Zehden an.

Positiver Cash Flow erforderlich

Für Deutschland ist dieses Finanzmodell neu. „In den USA und in Israel ist es jedoch gang und gäbe“, sagt Eran Davidson. Facebook und Skype beispielsweise hätten auf diese Weise Kapital generiert. Dieses Finanzprodukt kommt für Start-ups in Frage, die profitabel arbeiten und wachsen wollen, also einen positiven Cash Flow aufweisen können. Sie müssen in der Lage sein, den Kredit zu tilgen und die Zinsen zu zahlen. Das sind in der Regel Firmen, die bereits seit drei bis vier Jahren auf dem Markt sind und mehr als 20 Millionen Euro Jahresumsatz generieren. „Bestimmte Erfolgsparameter müssen erfüllt sein“, sagt der Investor.

Natürlich gewährt Davidson Kredite auch nur dann, wenn die Kreditnehmer Sicherheiten bieten. Das können Patentrechte sein, Rechte am Quellcode einer Anwendung oder Aktienoptionen bei einer späteren Kapitalerhöhung, erläutert Davidson.

Namen von Kapitalgebern oder potenziellen Kreditnehmern nennt Davidson noch nicht. Nach der Sommerpause sei aber mit ersten Ankündigungen zu rechnen.