Start-ups

Berliner Founders Academy gibt Gründern Starthilfe

Man bracht nicht immer gleich selbst die zündende Idee für ein Unternehmen. Wer gern für ein Start-up arbeiten möchte, hat viele Möglichkeiten. Für alle anderen gibt es die Founders Academy.

Foto: Christian Kielmann

Nur wenige Deutsche bestellen heute ihre Lebensmittel im Internet. Die meisten gehen in den Supermarkt und lassen die Produkte für ihr Schnitzel oder Thai-Curry allenfalls nach Hause liefern. Das junge Berliner Unternehmen Kochzauber will genau das ändern.

Bei Kochzauber kann man sich seine Waren nicht selbst aussuchen, sondern entscheidet sich für ein bestimmtes Gericht und bekommt alle erforderlichen Zutaten in der richtigen Menge und das Rezept direkt an die Haustür gebracht.

Was in der Theorie überzeugend klingt, hat in der Realität einen Haken. Wie bekommt man die Kunden dazu, regelmäßig bei Kochzauber zu bestellen? Die Gründer haben dazu zwar einige Ideen, aber die perfekte Lösung auch noch nicht gefunden. Genau darüber sollten sich daher die Teilnehmer eines Workshops des Berliner Internetinvestors Project A Gedanken machen. So könnte man beispielsweise ähnlich einer Stempelkarte Punkte für jeden Einkauf vergeben und ab einer bestimmten Zahl eine Prämie verteilen.

Das Team hinter der Idee ausschlaggebend für Investition

Kochzauber muss keine der Ideen hinterher übernehmen. Darum ging es bei der zweittägigen Veranstaltung auch gar nicht. Gründungsinteressierte sollten vielmehr ein Gefühl dafür bekommen, mit welchen Herausforderungen man als Start-up konfrontiert sein kann. „Anfangs ist es für ein junges Unternehmen vor allem entscheidend, nach bestimmten Kennzahlen zu wachsen“, sagt Thies Sander, der Project A im vergangenen Jahr mitgegründet hat. „Später im Lebenszyklus reicht Wachstum allein aber nicht mehr und der zu erzielende Gewinn wird stattdessen wichtiger.“

Sander und seine Kollegen unterstützen Firmengründer, damit sie aus ihrer Idee später im Idealfall ein erfolgreiches Unternehmen machen. Dabei schauen sie sich sehr genau an, wer ihnen ein Projekt vorschlägt und mit welcher Leidenschaft die Gründer ihren Einfall vertreten. „Die Idee für ein Unternehmen muss gut sein, aber am Ende ist das dahinter stehende Team ausschlaggebend für unsere Investmententscheidung“, sagt Sander.

Schon zum vierten Mal hielt Project A die sogenannte Founders Academy ab. Neben Fallstudien wie der von Kochzauber gab es Vorträge zu Bereichen, die für den Erfolg eines Unternehmens besonders wichtig sind wie beispielsweise Marketing. Rund 15 Studenten mit unterschiedlichen Schwerpunkten nahmen daran teil. Sie konnten dadurch auch ein wenig einschätzen lernen, ob solch eine Tätigkeit in einem Start-up überhaupt etwas für sie ist.

Interessante Einstiegsmöglichkeiten für Angestellte

Dabei muss man nicht immer gleich selbst die zündende Idee haben. „Die Startup-Branche hat sich professionalisiert“, sagt Nora Heer, Personalchefin bei Project A. „Nicht nur für Gründer selbst, sondern auch für Angestellte gibt es hier immer mehr interessante Einstiegsmöglichkeiten.“

Doch daran dachten die wenigsten der anwesenden Studenten. Sie interessierte vor allem, wie sie selbst Gründer werden können. „Ich würde später gern mal mein eigener Chef sein und selbst etwas ganz Neues schaffen“, sagt Philipp Günther, der sich an der Technischen Universität Berlin zum Wirtschaftsingenieur ausbilden lässt. Unmittelbar nach dem Studium würde der 23-Jährige gern Erfahrungen in der Beratung sammeln und sich dann mit einer eigenen Idee selbstständig machen.

Auch Luise Penter stellt es sich „spannend vor, ein eigenes Unternehmen von Beginn an aufzubauen“ Die 23-Jährige studiert Japanologie und Betriebswirtschaft an der Freien Universität Berlin. Da sie noch keinerlei Erfahrung mit Start-ups hat, meldete sie sich bei der Founders Academy an. „Mit irgendetwas muss man ja anfangen“, sagt sie.

Manche Gründer sind vom Wachstum überfordert

Diesen Mut zum ersten Schritt muss man selbst mitbringen. Bei allem, was danach kommt, können die Mitarbeiter von Project A zumindest in Ansätzen weiter helfen. Denn viele Gründer sind mit den wachsenden Aufgaben schnell überfordert. Je größer das Unternehmen wird, desto mehr steigen die Anforderungen an Personal, Finanzierung. Dazu kommen rechtliche und steuerliche Probleme.

Gernot Halbleib ist seit Juli 2012 als Entrepreneur in Residence bei Project A und wird hier zum Gründer ausgebildet. So darf er die Räume nutzen und wird bei seinen Schritten hin zum eigenen Unternehmen beraten. Der 30-Jährige hat sich schon sein Jurastudium an der Bucerius Law School durch eine eigene Webdesignfirma mitfinanziert.

„Als Rechtsanwalt bleibt man in einer beratenden Rolle“, sagt Gernot Halbleib. „Während des Referendariats habe ich gemerkt, dass ich gern selbst mehr gestalten und Business-Entscheidungen treffen möchte.“ Über sein Projekt möchte er nicht reden. Wenn es gut läuft, soll es im kommenden Frühjahr online gehen.

Am Schluss wollte ein Teilnehmer wissen, welches Start-up sich im Portfolio von Project A denn am besten entwickle. Doch dieses Erfolgsgeheimnis wollte Thies Sander erwartungsgemäß nicht verraten.