Internet-Investor

Warum Project A in Software-Start-ups investiert

Der von Otto und Axel Springer finanzierte Internetinvestor Project A beteiligt sich am schwedischen Softwareunternehmen Tictail. Project A verlässt zunehmend die eingetreten Pfade des Onlinehandels.

Foto: Amin Akhtar

Der Berliner Internetinvestor Project A steigt beim schwedischen Softwareunternehmen Tictail ein. 600.000 Euro investiert das Team um Florian Heinemann und Uwe Horstmann in das Start-up. Tictail hat einen Software-Baukasten entwickelt, mit dem Nutzer in wenigen Handgriffen einen einfachen Online-Shop zusammenbauen können. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben seit seinem Start 24.000 Kunden gewonnen.

Damit erweitert Project A sein Geschäftsfeld. In der Vergangenheit hatte der vom Versandhändler Otto und dem Medienkonzern Axel Springer („Bild“, Berliner Morgenpost) finanzierte Inkubator vor allem auf den Aufbau von Onlinehändlern gesetzt. Start-ups wurden mit einem eigenen Team gestartet, aufgebaut und meistbietend verkauft. Darüber hinaus ist Project A in wachsendem Maße als Finanzierer in bestehende Unternehmen eingestiegen, wie etwa bei Nu3, einem Versender von Nahrungsergänzungsmitteln, um deren Geschäft weltweit auszubauen. Zum Portfolio gehören mehr als ein Dutzend Unternehmen.

Ausflug ins B-to-B-Geschäft

Mit Tictail oder dem Ende Oktober verkündeten Einstieg beim Verschlüsselungsanbieter ZenGuard stoßen die Berliner jetzt in das Geschäft mit Softwaredienstleistungen (Software as a Service, SaaS) für Verbraucher vor. „Ohne den Onlinehandel zu vernachlässigen, trauen wir uns diesen Markt zu. In Zukunft können wir uns sogar vorstellen, im B-to-B-Bereich zu arbeiten. Auch Sachen, die mit Online-Handel gar nichts zu tun haben“, sagte Uwe Horstmann der Berliner Morgenpost. Softwaredienstleistungen für Unternehmen gelten als lukrativ.

Project A baut damit vor: große und umwälzende Idee sind im E-Commerce vorerst nicht zu erwarten. Was dagegen immer wichtiger wird, sind Softwarelösungen, die den Handel vereinfachen, einen effizienteres Marketing ermöglichen oder das Bezahlen vereinfachen. Project A hat solche Erfahrungen beim Aufbau der eigenen Start-ups erworben, zudem beteiligt es sich im wachsenden Maße an jungen SaaS-Unternehmen wie Kyto (Online-Marketing) oder Realytics, dass Kundenströme und Nutzerverhalten analysiert. Zuletzt wurde überdies mit Yay or Nay eine Online-Bewertungsplattform gestartet.

Project A erschließt sich Zugang zur Offline-Welt

Weitgehend unerschlossen ist zudem das Geschäft im kleingewerblichen Onlinehandel, der sich derzeit vorrangig auf Marktplätzen wie Ebay, Etsy oder Dawanda abspielt. Ein-Mann-Unternehmer scheuen bislang Kosten und Aufwand für einen eigenen Online-Shop.

Mit Tictail erschließt sich Project A den Zugang zu diesen kleingewerblichen Händlern, zumal der Baukasten anfangs kostenlos und simpel ist. Zugleich ist das Funktionsprinzip der Anwendung auch für größere Unternehmen interessant. „Wir überschreiten damit den Offline-Online-Bruch“, sagte Horstmann. „Wir sind uns sicher, dass sich Tictail zu einer der relevantesten E-Commerce-Plattformen entwickeln wird“, sagte Florian Heinemann. Project A hatte schon früher versucht, als Kooperationspartner Offline-Händler ins Internet zu bringen.

Wie Project A mitteilte, werden Experten des Inkubators an der Weiterentwicklung von Tictail mitarbeiten, insbesondere in den Bereichen Performance Marketing und Business Intelligence. Darüber hinaus wird Heinemann Mitglied des Tictail Advisory Board. Tictail wurde vor einem Jahr gegründet. An dem Unternehmen sind unter anderem der auch in Berlin aktive Investor Klaus Hommels und der Wagnisfinanzierer Balderton Capital beteiligt.

Project A wurde Anfang 2012 von Florian Heinemann, Uwe Horstmann, Thies Sander und Martin Weiss gegründet, der Versandhandelskonzern Otto investierte 50 Millionen Euro in die Start-up-Fabrik. Im Oktober beteiligte sich der Medienkonzern Axel Springer mit 30 Millionen Euro.